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Audi-Sanierer:Ein einsamer Kämpfer

Auftakt 'Zukunftsforums Automobil'

Bram Schot: Er kommt von außerhalb, hat keine Hausmacht, aber das ist kein Problem für ihn.

(Foto: dpa)

Audi war monatelang gelähmt, es muss sich dringend etwas ändern. Der neue Chef Bram Schot geht die Sache taktisch klug an - auch ohne Seilschaften.

Um ein Unternehmen zu verändern, das seit Jahren von den immer gleichen Männern regiert und kontrolliert wurde, in dem es nur wenig Widerspruch, dafür aber umso autoritärere Machtzirkel gab, braucht es mehr als nur einen neuen Chef. Es hilft dem Neuen, wenn er von außen kommt und mit den alten Seilschaften nichts am Hut hat.

Ein solcher Mann ist Audi-Chef Bram Schot. Er ist Niederländer, er ist relativ neu in Ingolstadt und er ist ein Mann ohne Hausmacht. Letzteres ist normalerweise ein Problem. Wenn aber einer wie Schot die Kosten im Konzern um Milliarden von Euro senken und dafür unter anderem ein Zehntel der Führungskräfte und Topmanager nach Hause schicken will, braucht er dafür keine eigenen Revolutionstruppen. Denn die würden ihm im Zweifelsfall kaum dabei helfen, sich selbst abzuschaffen. Schot, der Mann, der Audi sanieren muss, ist also als Einzelkämpfer in Ingolstadt angetreten. Es wird vermutlich eine einsame Revolution, und sie wird deshalb nicht einfach sein. Aber sie ist notwendig, wenn Audi in den nächsten Jahren technologisch nicht den Anschluss verlieren will.

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Man muss sich die VW-Edeltochter als einen Konzern vorstellen, dessen Mitarbeiter jahrelang vor allem eine Botschaft mit auf den Weg bekamen: dass man zu den Besten der Welt gehörte, wenn nicht sogar im Grunde die Nummer eins war. Es war für die Konzernspitze nicht schwer, dieses Versprechen immer wieder zu erneuern. Wenn man von Rekord zu Rekord fährt, den Autoabsatz innerhalb weniger Jahre verdoppelt, Umsatz und Gewinn im Jahresrhythmus explodieren und der Werbeclaim behauptet, man habe "Vorsprung durch Technik", dann hält man sich irgendwann für unangreifbar. Und sieht sich tatsächlich ganz oben, für immer.

Umso schmerzhafter ist für die 90 000 Mitarbeiter nun der Absturz aus dem "Vorsprung-durch-Technik"-Himmel. Audi wurde zuerst als eines der Hauptnester für den Dieselskandal ausgemacht, kam dann später mit der Neuausrichtung der Autos auf das neue gesetzliche Testverfahren WLTP nicht klar und baute seine Fahrzeuge für die Halde. Ein peinliches Desaster für einen Autokonzern.

Zum Schluss ging der Absatz weltweit zurück, der Vorsprung durch Technik war einmal, und Audi war auf einmal im Rückspiegel der Daimlers und BMWs zu sehen. Damit war auch die Elitestellung von Audi im VW-Konzern dahin, wo man sich seit Jahren daran gewöhnt hatte, dass aus Bayern ein großer Teil des Gewinns nach Wolfsburg fließt.

Schot, der Revolutionär von Ingolstadt, geht die Sache jetzt taktisch klug an. Er weiß, dass er nicht nur bei den Menschen am Band sparen kann. Nur Nachtschichten zu streichen, um die begehrten Zuschläge von 30 Prozent für die Arbeiter einzusparen, wäre mit den Arbeitnehmern nicht zu machen - zu Recht. Also gibt sich der Niederländer als 360-Grad-Sanierer, um in den nächsten Jahren 15 Milliarden Euro einzusparen. Die Botschaft: Es geht auch an den Speck - und der sitzt auf den Management-Etagen.

Es war die Entourage rund um den alten VW-Patriarchen Ferdinand Piëch, Ex-VW- und Ex-Audi-Chef Martin Winterkorn und ihren Zögling, den jahrelangen Audi-Boss Rupert Stadler, die Audi jahrelang regierte und aus der Marke mit den vier Ringen erst jenen großen Premiumkonzern machte. Es wuchsen unter diesen Herren zwar Absatz, Umsatz und Kopfzahl. Nur die Kultur, die wuchs nicht mit.

Manche wird er fördern, manche fallen lassen

Sie blieb so, wie sie immer war: ein riesiger Gutshof mit Patriarchen und Günstlingen. Und so war es womöglich kein Zufall, dass ausgerechnet hier in Ingolstadt Ingenieure die Abgasmessungen ihrer Dieselmotoren manipuliert hatten. Schrauben, schummeln, wegsehen, schweigen. Widerspruch zwecklos.

Schot steht also vor einer großen Aufgabe. Nicht nur Nachtschichten und Führungsetagen muss er streichen, auch die alte Ingolstädter Führungskultur ist ein Sanierungsfall. Wie immer in solchen Situationen wird es Menschen geben, die sich auf die Seite des Neuen schlagen und mitgehen. Und andere, die erbitterten Widerstand leisten werden, weil sie es sich in dem alten System sehr lange sehr kommod eingerichtet hatten. Die einen wird er fördern, andere wird er fallen lassen.

Im vergangenen Jahr war der Konzern monatelang gelähmt, als der da noch amtierende Ex-Chef Stadler wegen der Dieselaffäre in Untersuchungshaft saß. Schot hat daher jetzt nicht viel Zeit, um das Unternehmen umzubauen. Eine weitere längere Phase, in der man nur um sich selbst kreist statt um seine Autos, kann sich Audi nicht mehr leisten. Schon jetzt haben andere den Vorsprung.

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