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Vorstandsmitglied Conn:BP bereitet sich auf neue Lasten vor

Er gilt als möglicher Nachfolger von BP-Chef Hayward: Marketingvorstand Iain Conn. Peinlich achtet er darauf, Fehler wie die von Hayward zu vermeiden. Und er redet BP stark. Ein Besuch in der Konzernzentrale.

Iain Conn residiert in einem gläsernen Büro in der BP-Zentrale am Londoner St. James Square. Für den Marketingvorstand des drittgrößten Ölkonzerns der Welt soll wohl alles transparent sein. So äußert der 47-Jährige auch umgehend sein tiefes Bedauern über die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. "Wir stehen zu unserer Verpflichtung, die Schäden zu beseitigen", erklärt er. Ähnlich hat sich zwar auch sein Chef Tony Hayward immer wieder geäußert. Doch der jugendlich wirkende Conn verstrickt sich nicht zugleich in Larmoyanz, dass er endlich sein Leben zurückhaben wolle.

Iain Conn macht vieles wie sein Chef Tony Hayward, doch er verstrickt sich nicht zugleich in Larmoyanz, dass er endlich sein Leben zurückhaben wolle.

(Foto: Bloomberg)

Diese Bemerkung Haywards gilt mittlerweile als die PR-Panne des Jahres. Kein Zufall, dass der Schotte Conn bereits als möglicher Nachfolger von Hayward gehandelt wird. Conn begann seine Karriere Mitte der 80er Jahre bei BP und war unter anderem für die Integration der deutschen Veba Öl mit ihrer Marke Aral in den BP-Konzern zuständig.

Er selbst äußert sich allerdings nicht zu solchen Spekulationen: "Hayward hat die Rückendeckung im Unternehmen. Da gibt es keinen Grund anzunehmen, dass er seine Position aufgibt", erklärt Conn.

BP wird überleben

Ebenso brüsk weist Conn Berichte zurück, dass der Konzern durch die hohen Kosten bei der Bewältigung der Katastrophe in eine Existenzkrise geraten könnte. "BP wird überleben. Das Unternehmen hat einen starken Cash-Flow, um den uns viele Wettbewerber beneiden", so Conn. Nach seinen Angaben wird BP in den nächsten zwölf Monaten auf einen operativen Mittelzufluss (Cash-Flow) von etwa 35 Milliarden Dollar, also 28 Milliarden Euro, nach Steuern kommen. Hinzu kommen prognostizierte Einnahmen aus dem Beteiligungsverkauf von zehn Milliarden Dollar.

Von der Gesamtsumme müssten Kosten für die Aufräumarbeiten sowie Entschädigungen von 11,5 Milliarden Dollar abgezogen werden, ebenso wie anstehende Investitionen. "Es bleiben uns etwa 15 Milliarden Dollar. Zweifellos trifft uns die Katastrophe. Doch wir sind ein kerngesundes Unternehmen."

Analysten schätzen inzwischen die Gesamtkosten der Ölkatastrophe auf bis zu 60 Milliarden Dollar. Diese würden jedoch über einen Zeitraum von mehreren Jahren anfallen, insbesondere was die langwierigen Entschädigungsklagen in den USA betrifft. Außerdem werden sich nach Meinung von Juristen die Partnerunternehmen von BP im Golf von Mexiko, darunter die US-Gesellschaft Anadarko, kaum vor einer Kostenbeteiligung drücken können.

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