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BP: Riskantes Spiel in Russland:Zwischen den Stühlen der Macht

Als ob er nicht schon genügend viele Probleme hätte: BP-Chef Bob Dudley hat schon wieder Ärger mit den Russen und verheddert sich in Moskauer Intrigen.

Einen neuerlichen nervenaufreibenden Streit in Russland wollte Robert Dudley unter allen Umständen vermeiden. Doch nun steckt der Chef des britischen Ölkonzerns BP in einem Schlamassel, der dem Unternehmen noch teuer zu stehen kommen kann. Die russischen Aktionäre des Gemeinschaftsunternehmens TNK-BP rebellieren gegen eine von Dudley vor kurzem eingefädelte Kooperation mit dem staatlichen, russischen Ölkonzern Rosneft.

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Die Zentrale von TNK-BP in Moskau: Vier Oligarchen fühlen sich ausgebootet.

(Foto: AFP)

Der BP-Konzern ist unversehens in innerrussische Intrigenspiele geraten. Für die Briten steht dabei einiges auf dem Spiel: Der Konzern sucht nach der Ölkatastrophe im vergangenen Jahr im Golf von Mexiko händeringend nach neuen Explorationsfeldern. Die gigantischen russischen Erdöl- und Gasreserven locken. Doch Dudley ist mit seiner Russland-Strategie ein hohes Risiko eingegangen ist. Vielleicht ein zu hohes.

Vor einem Londoner Gericht erreichten die TNK-BP-Anteilseigner - die Milliardäre Michail Fridman, Viktor Wechselberg, German Chan und Len Blavatnik - jetzt eine einstweilige Verfügung. Das bedeutet, dass BP seine geplante Überkreuzbeteiligung mit Rosneft und die Exploration von Rosneft-Feldern in der russischen Arktis vorerst nicht voranbringen darf. Der Streit kann sich nach Meinung von Experten noch über Jahre hinweg hinziehen.

"Beleidigte Braut"

Hintergrund des Konflikts: Die vier Oligarchen, die sich im Alfa-Access-Renova-Konsortium (AAR) zusammengeschlossen haben, fühlen sich von BP ausgebootet und sehen eine Aktionärsvereinbarung verletzt. Darin ist festgelegt, dass beide Seiten neue Öl- und Gasprojekte in Russland dem TNK-BP Verwaltungsrat vorlegen müssen.

Daran hat sich BP nach Meinung der Kläger nicht gehalten. Sie wollen deshalb auch die BP-Dividende für das vierte Quartal 2010 blockieren. "Fridman und Co. spielen die beleidigte Braut", so ein Londoner Ölhändler. Tatsächlich hat sich der Bräutigam - also BP - in eine verzwickte Lage manövriert, indem er an dem 2003 gegründeten Joint-Venture TNK-BP festhalten will, aber zugleich mit Rosneft anbandelt.

So verkündete Dudley nach einem Treffen mit Russlands Ministerpräsidenten Wladimir Putin Mitte Januar ein "historisches" Abkommen: BP und Rosneft wollen ein Gebiet auf dem russischen Teil der arktischen Kontinentalplatte erkunden und ausbeuten, für das Rosneft die Förderlizenzen hat. Dort vermuten Fachleute fünf Milliarden Tonnen Rohöl und 3000 Milliarden Kubikmeter Gas. Zugleich wurde eine milliardenschwere Überkreuzbeteiligung vereinbart. Rosneft soll fünf Prozent der Stammaktien von BP erhalten, der britische Energiekonzern 9,5 Prozent der Rosneft-Aktien.

Wahl zwischen "Pest und Cholera"

Mit diesem Geschäft haben sich die Briten allerdings mit einem Mann verbündet, der bekannt dafür ist, seine Ziele brutal durchzusetzen: Putin-Freund und Rosneft-Verwaltungsratschef Igor Setschin. Setschin hat das Öl- und Gas-Imperium aus den Trümmern des einstigen Yukos-Konzerns geformt, deren Gründer Michail Chodorkowskij in äußert umstrittenen Gerichtsverfahren wegen Steuerhinterziehung, Diebstahl und Geldwäsche zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde.

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