Industrie:Fossile Konzerne kaufen mehr und mehr erneuerbare Energie

Lesezeit: 2 min

Industrie: Raffinerie von BP in Gelsenkirchen: Die petrochemische Industrie braucht viel Wasserstoff, den sie bislang klimaschädlich aus Erdgas herstellt.

Raffinerie von BP in Gelsenkirchen: Die petrochemische Industrie braucht viel Wasserstoff, den sie bislang klimaschädlich aus Erdgas herstellt.

(Foto: Jochen Tack/imago)

Der Ölkonzern BP baut einen großen Windpark vor der Küste Schottlands, der Kunststoffhersteller Covestro ordert grünen Wasserstoff aus Australien: Es tut sich etwas in der Industrie.

Von Benedikt Müller-Arnold, Köln

Seit Jahrzehnten lässt die Industrie Rohstoffe wie Öl oder Gas aus der Erde pumpen, um den schieren Energiebedarf zu stillen. Doch allmählich weht ein anderer Wind - im wahrsten Sinne des Wortes: Mehr und mehr Unternehmen sichern sich Energie aus erneuerbaren Quellen, um ihre Klimabilanz zu verbessern. Zwei Meldungen von diesem Montag liefern dafür nur die neuesten Exempel.

So haben der Ölkonzern BP und der Karlsruher Versorger EnBW den Zuschlag für einen großen Windpark vor der Küste Schottlands erhalten. Die Windräder sollen vom Jahr 2026 an entstehen und rein rechnerisch gut drei Millionen Haushalte mit Strom versorgen können. Für EnBW ist es das bislang größte Windprojekt der Firmengeschichte - und bereits das zweite gemeinsam mit BP.

Der britische Konzern, der in Deutschland für seine Aral-Tankstellen bekannt ist, beteiligt sich nicht ohne Grund: Er kann einen Teil des Ökostroms an Ladestationen für Elektroautos verkaufen. Zudem stellt BP in Raffinerien, hierzulande etwa in Gelsenkirchen, Flugkraftstoffe oder Vorprodukte für die Chemieindustrie her. Dafür brauchen Raffinerien viel Wasserstoff, den sie bislang klimaschädlich aus Erdgas herstellen. Hier liefert erneuerbare Energie ebenfalls den Ausweg: Unternehmen wie BP wollen Wasserstoff künftig mit viel Ökostrom aus Wasser gewinnen; man nennt ihn dann "grünen" Wasserstoff.

Die Produktion in Deutschland allein wird den Bedarf der Industrie nicht stillen können

Hier setzt auch eine Absichtserklärung an, die der Kunststoffhersteller Covestro aus Leverkusen und das australische Bergbau-Unternehmen Fortescue nun geschossen haben. Sie arbeiten an einem Vertrag, wonach Fortescue vom Jahr 2024 an Zehntausende Tonnen "grünen" Wasserstoff an Covestro liefern soll - unter anderem in Form von Ammoniak, der Wasserstoff enthält und leichter zu verschiffen ist.

Der Dax-Konzern Covestro stellt Kunststoffe her, die unter anderem in Autoscheinwerfern stecken, oder auch Schaumstoffe für Matratzen und Dämmungen. Bislang kauft die frühere Bayer-Tochter Wasserstoff und Ammoniak auf Erdgas-Basis ein. Mit der Alternative aus erneuerbaren Quellen kann das Unternehmen den CO₂-Fußabdruck seiner Produkte um einige Prozent verringern.

Der neue Partner Fortescue will für den "grünen" Wasserstoff Solar- und Windstrom nutzen, der in Australien potenziell in großen Mengen zur Verfügung steht. Auch in Deutschland sollen in den nächsten Jahren größere Produktionskapazitäten für "grünen" Wasserstoff entstehen. So sieht es der Bund in seiner Wasserstoff-Strategie vor. Doch da beispielsweise auch der Schwerlastverkehr und die Stahlindustrie den Energieträger künftig im großen Stil benötigen dürften, tüftelt Deutschland zudem an Wasserstoff-Partnerschaften im Ausland.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB