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Industrie:Chef-Wechsel bei Bosch

Pressebild Volkmar Denner, Bosch

Volkmar Denner Anfang Juni bei der Einweihung des neuen Chipwerks in Dresden.

(Foto: Martin Stollberg)

Volkmar Denner ist erst der sechste Vorstandsvorsitzende nach Gründer Robert Bosch beim Stuttgarter Traditionsunternehmen. Jetzt soll seine Nachfolge geregelt werden.

Von Caspar Busse

Vor zwei Wochen hatte Volkmar Denner einen großen Auftritt, wenn auch nur virtuell, wie in dieser Zeit üblich. Locker, im dunklen Anzug mit weißem offenen Hemd, am Revers das Bosch-Logo - so eröffnete der Vorstandschef des Bosch-Konzerns die neue Chipfabrik in Dresden. Dabei war viel Prominenz: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Margrethe Vestager, die Vizechefin der EU-Kommission, und der Ministerpräsident von Sachsen, Michael Kretschmer. "Es ist für Bosch von strategischer Bedeutung, Halbleiter als eine Kerntechnologie selbst zu entwickeln und zu fertigen", sagte Denner in Dresden, ihm war der Stolz über das Milliardenprojekt anzumerken, immerhin die bislang größte Einzelinvestition des Unternehmens.

Es könnte einer der letzten großen Auftritte Denners als Bosch-Chef gewesen sein. An diesem Donnerstag trifft sich der Bosch-Aufsichtsrat, nach SZ-Informationen soll es dabei auch um die Nachfolge Denners an der Spitze des weltweit größten Automobilzulieferers gehen. Denners Vertrag als Vorstandschef läuft eigentlich noch bis Sommer kommenden Jahres, in diesem November wird er 65 Jahre alt, das ist die interne Altersgrenze bei Bosch. Dem Vernehmen nach wird Denner den Chefposten schon zum Jahresende abgeben, also etwas früher, um einen reibungslosen Wechsel zu ermöglichen. Er ist dann Kandidat für den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden, als Nachfolger von Franz Fehrenbach, 71. Bosch gab keinen Kommentar zu den möglichen Personalien.

Der Stuttgarter Weltkonzern ist in vieler Hinsicht speziell

Chefwechsel bei Bosch finden geordnet statt, so ist es Tradition in der Zentrale vor den Toren Stuttgarts, und es gibt sie auch nicht oft. Denner ist in der 135-jährigen Geschichte des Konzerns erst der sechste Chef nach Gründer Robert Bosch. Tradition ist es auch, dass der Bosch-Chef anschließend nahtlos an die Spitze des Aufsichtsgremiums rückt. So war es auch vor knapp zehn Jahren: Damals machte Fehrenbach für Denner Platz an der Konzernspitze und wurde Aufsichtsratschef. Und auch Fehrenbachs Vorgänger Hermann Scholl war erst Vorstands- und dann Aufsichtsratschef.

In börsennotierten Unternehmen sind solche direkten Wechsel aus Corporate-Governance-Gründen aber schon länger weder gewünscht noch üblich, zu eng ist die Verflechtung, zu groß mögliche Abhängigkeiten und Interessenskonflikte. Doch Bosch ist auch in dieser Hinsicht speziell. Der Konzern mit zuletzt 71,5 Milliarden Euro Umsatz und nahezu 400 000 Mitarbeitern ist ein Stiftungsunternehmen, 94 Prozent der Anteile gehören der gemeinnützigen Robert-Bosch-Stiftung, die mit den Erträgen soziale Projekte fördert. An die Empfehlungen für börsennotierte Unternehmen müssen sich die Stuttgarter nicht halten.

Denner ist eigentlich schon immer bei Bosch. Er stammt aus Uhingen bei Stuttgart, hat Physik studiert und wurde in diesem Fach promoviert. 1986 fing er bei Bosch an und machte im Unternehmen seine gesamte Karriere. Seit 2012 ist er Vorstandschef. In seinem überraschend kleinen Büro in der Zentrale hängen zwei Bilder, sie zeigen ihn auf einem Rennmotorrad: rasant in der Kurve liegend, das Knie nur knapp über der Fahrbahn. Motorradfahren ist neben Bosch seine größte Leidenschaft. Denner gilt als sehr technik- und wissenschaftsaffin, er hatte sich zuletzt in die Details der künstlichen Intelligenz (KI) eingearbeitet. Im März erst übernahm er zusätzlich die Aufgaben als Technologiechef. Sollte er Chefaufseher werden, dürfte er eine aktive Rolle spielen.

Der Nachfolger wird aus der Firma kommen - gute Chancen hat Stefan Hartung

Als Bosch-Chef hatte Denner auch harte Zeiten: Der Diesel-Skandal hatte Folgen für Bosch als größten Zulieferer, Denner musste den Weg in die neue Elektrotechnologie finden, die Geschäfte transformieren. Bei einem Dieseleinspritzsystem beschäftige man zehn Mitarbeiter, bei einem Benzinsystem drei und bei einem Elektrofahrzeug nur noch einen, beschrieb er einmal das Problem. Neben dem Autogeschäft ist Bosch auch noch in anderen Bereichen tätig, die Münchner Tochterfirma BSH Hausgeräte floriert, zudem werden Industrie- und Gebäudetechnik oder Elektromotoren und -werkzeuge angeboten.

"Die Potenziale neuer, zumal bahnbrechender Technologien und Methoden beurteilen zu können, gehört schon zu den Kernaufgaben des Bosch-Chefs", sagte Denner vor zwei Jahren selbstbewusst. Das sollte auch auf seinen Nachfolger zutreffen, der - auch das Bosch-Tradition - ziemlich sicher aus dem Unternehmen kommen wird. Gute Chancen werden intern Stefan Hartung, 55, eingeräumt, dem derzeitigen Chef der Mobilitätssparte. Er studierte Maschinenbau in Aachen und arbeitete nach der Promotion erst bei der Fraunhofer-Gesellschaft und der Unternehmensberatung McKinsey. 2004 kam er zu Bosch, seit 2013 ist er Geschäftsführer.

© SZ
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