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Bosch:Ein Kodex für KI

Pk Bosch - Jahreszahlen

Bis zum Jahr 2025 will der Bosch-Konzern alle seine Produkte mit künstlicher Intelligenz versehen – dafür müssen auch die Mitarbeiter geschult werden.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Der Technologie-Konzern Bosch will sicherstellen, dass der Mensch die Kontrolle behält, auch wenn künstlich intelligente Systeme im Spiel sind.

Die Bühne war groß, wie immer wenn der Bosch-Konzern zu seiner Hausmesse "Connected World" einlädt. Die vorab als bedeutend angekündigte Neuerung, die dabei avisiert worden war, kam dann am Mittwochmorgen in der Eröffnungsrede von Bosch-Chef Volkmar Denner aber fast ein wenig beiläufig daher. Er sprach zunächst über die größte gesellschaftliche Herausforderung, den die Technikbranche mit zu bewältigen habe - den Klimawandel. Um ihn zu bekämpfen, investiere die Branche verstärkt in künstliche Intelligenz (KI). Und dann die Neuigkeit: Der Stuttgarter Technikkonzern hat sich selbst auf einen KI-Kodex verpflichtet.

Der Kodex solle sicherstellen, dass der Mensch bei der Produktentwicklung permanent die Kontrolle behalte, sagte Denner. Es gehe um "verantwortungsvollen Einsatz der Technologie", man beachte rechtliche Vorgaben und ethische Grundsätze. "Künstliche Intelligenz soll den Menschen dienen", sagte er. KI ist eine Schlüsseltechnologie für den Konzern, bereits etliche Programme und Produkte sind mit ihrer Hilfe entwickelt worden oder funktionieren mit ihr.

Auch intelligente Systeme sind manchmal nicht gegen einfache Tricks gefeit

Bosch will bis 2025 erreichen, dass jedes seiner Produkte über künstliche Intelligenz verfügt, mit ihr entwickelt oder produziert wurde. Und der Konzern weiß sehr wohl, dass das Misstrauen gegenüber KI hierzulande noch groß ist. Viele verstünden die komplexen Anwendungen nicht, für sie sei KI eine "Blackbox", sagte Geschäftsführer und Technikchef Michael Bolle später auf der Bühne. Menschen hätten zudem durch die maschinelle Konkurrenz Angst um ihren Job, sagte er. "Deswegen müsse ein Algorithmus "immer selbst erklärbar machen, was er tut."

Der Kodex wurde Ende 2019 ausgearbeitet und erweitert nun den bestehenden Kodex für die Produktentwicklung. Er betrifft Wissenschaftler und Ingenieure, aber auch Mitarbeiter mit indirekten Funktionen, also etwa die Personalabteilung. Direkt mit KI beschäftigt sind bei Bosch derzeit etwa 1000 der 410 000 Mitarbeiter. In den kommenden zwei Jahren will der Konzern 20 000 Mitarbeiter mit einem Qualifizierungsprogramm "fit für den Umgang mit KI machen". Auch Bosch-Chef Denner, gelernter Physiker, lässt sich extra dafür schulen.

Aktuell forscht Bosch auch an KI beim autonomen Fahren. Technikchef Bolle stellte eine Autokamera vor und warf damit eine besonders umstrittene Frage der KI auf - wie viel Kontrolle der Mensch letztlich doch an die Technik abgibt. Die Bosch-Kamera kann die Umgebung eines Fahrzeugs erkennen - Schilder, Fußgänger, andere Fahrzeuge. Doch selbst gegen einfache Tricks sind intelligente Systeme manchmal nicht gefeit: Etwa wenn jemand einen Sticker auf eine Ampel klebt und die Kamera sie nun als Stoppschild identifiziert und das Auto abrupt anhält.

Was, wenn noch drastischer, ein Bordcomputer bei einem drohenden Unfall zwischen Leben und Tod entscheidet, etwa, indem er das Fahrzeug so lenkt, dass es einem Hindernis ausweicht, und damit den Fahrer schützt, aber womöglich einen unbeteiligten Fußgänger verletzt?

Zwar könne der Fahrer bei Notbremsassistenten nicht eingreifen, heißt es bei Bosch. Aber auch hier, versicherte Technikchef Bolle, legten Experten bei der Entwicklung die Parameter fest - und überprüfen im Nachhinein, ob sich die Maschine daran gehalten hat.

© SZ vom 20.02.2020
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