Boni bei der Deutschen Bank "Da gibt's noch Sprengstoff"

Die Deutsche Bank feilt schon lange an einem neuen Bonussystem für die Vorstände. Nun gefällt der neue Vorschlag dem Aufsichtsrat nicht - er führe zu einer starken "Erhöhung der Altersbezüge".

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Als Außenstehender könnte man meinen, die Dinge seien einfach: Steigert ein Unternehmen den Gewinn, steigt auch der Bonus für die Manager. Fällt er, sinkt der Bonus. Weit gefehlt: Vor allem in der Bankenbranche sind die Vergütungssysteme mittlerweile unübersichtlich.

Es gibt individuelle Boni, Gruppen-Boni, solche, die früher, und solche, die erst später ausgezahlt werden dürfen, es gibt Cash-Boni und Aktien-Boni. Durchblick haben in der Regel nur noch Experten. Schuld an dem Wirrwarr sind nicht nur die Banken, die damit Mitarbeiter halten wollen, sondern auch die Aufseher, die den Instituten immer kompliziertere Vorgaben machen.

Bei der Deutschen Bank etwa feilt man seit mehr als einem Jahr an einem neuen Bonussystem für die Vorstände - bislang ohne Erfolg. Aufsichtsratschef Paul Achleitner war bereits auf der Hauptversammlung im Mai mit einem ersten Vorstoß gescheitert. Zu intransparent, zu kompliziert sei das neue System, klagten die Anteilseigner und lehnten den Plan ab.

In diesem Jahr will man es erneut versuchen: Das System wurde überarbeitet, die Aktionäre dieses Mal früher informiert. Während die Anteilseigner womöglich mit dem Vorschlag leben können, zeichnet sich nun aber Widerstand im Aufsichtsrat ab - das passiert eher selten. Eine für Ende Januar geplante Abstimmung dazu musste verschoben werden. Im Umfeld des Gremiums hieß es, der jetzige Vorschlag hätte zu einer "signifikanten Erhöhung der Altersbezüge" geführt. "Da gibt's noch Sprengstoff und Diskussionsbedarf." Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte sich nicht dazu äußern.

Konkret geht es bei dem Vergütungssystem um die Frage, wie die Vorstände optimal motiviert werden können. Schließlich täuscht sich womöglich, wer meint, dass gestandene Manager von Dax-Konzernen auch aus sich heraus genug Antrieb spüren. In dem ursprünglichen System jedenfalls sollten die Vorstände neben einem kurzfristigen und einem langfristigen Bonus noch einen dritten Bonustyp erhalten. Diesen dritten Typ sollten nur diejenigen bekommen, die operative Geschäftsbereiche verantworten - also der Chef des Privatkundengeschäfts oder der des Investmentbankings. Was die Bank allerdings vor einem Jahr vorenthielt, waren Details darüber, welche Ziele der jeweilige Vorstand genau erfüllen sollte, angeblich ein Geschäftsgeheimnis. Die Aktionäre jedoch vermuteten eine Art Selbstbedienung und widersetzten sich.

Über das neue System soll der Aufsichtsrat nun während der kommenden Sitzung im März abstimmen, damit im Mai die Aktionäre darüber befinden können. Dem Vernehmen nach wird es künftig statt drei Bausteinen nur noch zwei geben. Dabei allerdings werden für die "Marktvorstände" weiterhin eigene Ziele formuliert, über die nach Abschluss des Geschäftsjahres dann der Vergütungsbericht Auskunft erteilt.

Doch könnte man sich den Aufwand nicht auch sparen? Womöglich schon. 2016 mussten die Deutsche-Bank-Vorstände ohnehin das zweite Jahr in Folge auf ihre Boni verzichten; die hohen Verluste waren schuld. Mit ihren im Vergleich zu anderen Dax-Chefs recht ordentlichen Fix-Gehältern (allein 3,8 Millionen Euro für Vorstandschef John Cryan) dürften sie seither auch so ganz gut über die Runden gekommen sein.