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Bohrinsel: Probleme vor Explosion:"Sehr große Abnormalitäten"

Der britische Ölkonzern BP gerät in Erklärungsnot: Schon vor der Explosion auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" soll es Hinweise auf massive Probleme gegeben haben. Eilig betont die Firma nun, wie wichtig sie für die USA ist.

Möglicherweise haben Schludereien eine der größten Umweltkatastrophen der Geschichte ausgelöst: BP soll jedenfalls schon früh Hinweise auf massive Probleme gehabt haben: Wenige Stunden vor der Detonation hätten Drucktests in einem Bohrloch "sehr große Abnormalitäten" ergeben, wie aus jetzt veröffentlichten Notizen von zwei US-Abgeordneten hervorgeht, die von dem Unternehmen über interne Untersuchungen informiert worden waren.

Ungehindert schießt das Öl am Bohrloch ins Meer.

(Foto: ap)

Zudem habe es Probleme bei der Ausstattung für Notfälle gegeben. BP hat sich bisher noch nicht zu der Mitteilung der beiden Politiker geäußert, die einem Ausschuss zur Untersuchung der Katastrophe angehören. Der Konzern hat zusammen mit Tiefseebohr-Unternehmen Transocean Deepwater Horizon betrieben.

Schärfere Kontrollen

Unterdessen will US-Präsident Barack Obama offenbar deutlich schärfere Regelungen für Ölbohrungen im Meer ankündigen. Vor allem solle die Ölindustrie zur Einhaltung strengerer Sicherheitsbedingungen verpflichtet werden, berichtet das Wall Street Journal. Außerdem wolle die US-Regierung mehr und rigidere Kontrollen auf Ölplattformen vor der Küste einführen. Die Zeitung bezieht in ihrem Bericht sich auf Aussagen von einem hochrangigen Berater Obamas.

Obama wird am Donnerstag eine Rede halten, nachdem er vom Innenministerium einen Untersuchungsbericht über das Sinken der BP-Ölplattform Deepwater Horizon am 22. April erhalten haben wird.

Obama steht unter enormen Druck: Eine knapp Mehrheit der Amerikaner glaubt gemäß einer CNN-Umfrage, dass Obama zu wenig gegen die Katastrophe tut.

Am Freitag will der Präsident zum zweiten Mal die von der Ölpest betroffene Region im Bundesstaat Louisiana besuchen.

BP - "wichtig für die USA"

Unterdessen weist BP erneut Anschuldigungen eilig zurück: "Alles, was getan werden kann, wird getan"" sagte Vorstandschef Carl-Henric Svanberg der britischen Financial Times vom Mittwoch. Er wies auch Forderungen zurück, wonach die US-Regierung ermächtigt werden soll, die Beseitigung der Umweltschäden zu beaufsichtigen.

Experten wollten am Mittwoch erneut versuchen, das Leck auf der versunkenen BP- Ölplattform "Deepwater Horizon" zu schließen. Allein beim Versicherer Lloyds summieren sich die Forderungen schon auf bis zu 600 Millionen US-Dollar (derzeit 487 Mio Euro).

Der BP-Vorstandschef warnte Kritiker in dem Zeitungsinterview vor voreiligen Schlüssen. "Die USA sind ein großer und wichtiger Markt für BP, und BP ist auch eine große und wichtige Firma für die USA mit Beteiligungen an Bohrungen und Öl- und Gasgewinnung. Das Interesse ist also beiderseitig."

Die US-Umweltbehörde will BP laut Berichten keine weiteren Regierungsaufträge und Öl- und Gaslizenzen geben, falls Sicherheitsregeln missachtet wurden. Der größte US-Gaslieferant werde die Geschäfte in den USA fortführen, sagte Svanberg.

Der Konzern mache dort 40 Prozent seines Gesamtumsatzes. Dem Energiekonzern müsse bei der Schließung des Lecks vertraut werden. "Unser künftiger Ruf hängt ganz davon ab, ob wir mit Erfolg das Leck stopfen und die Reinigung bewältigen." Der Unfall sei eine "sehr, sehr wichtige Lernaufgabe für BP und die gesamte Industrie", sagte der seit Jahresbeginn amtierende Vorstandschef.

BP-Webcam: Blick auf das Förderrohr

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