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Börsenweisheiten, Teil 2:Schlummern erwünscht

André Kostolany rät dazu, nicht im Abschwung zu kaufen.

Wer wissen will, wie es um das eigene Depot steht, muss längst nicht mehr beim Berater anrufen. Ein Klick in eine App genügt vielen, um zu sehen, wie sich die Kurse von Aktien und Anleihen entwickelt haben und wie viel die eigenen Wertpapiere gerade wert sind. Dabei riet der Börsenexperte André Kostolany einst, man solle "Standardwerte und ein Schlafmittel" kaufen, "um das Geschehen an der Börse auf Jahre zu vergessen". An dieser Weisheit sei "mehr dran denn je", findet Thomas Beutler von der Verbraucherzentrale Saarland. Die Anleger würden heute regelrecht mit Informationen zum Börsenverlauf überschüttet. "Das kann Aktionismus auslösen und Fehler verursachen." Tatsächlich haben Verhaltensökonomen herausgefunden, dass private Investoren dazu neigen, auf vorhandene Informationen überzureagieren: Sie investierten häufig in Aktien, die zum Beispiel durch Berichte oder ein besonders hohes Handelsvolumen die Aufmerksamkeit auf sich lenken, schreiben die Kölner Verhaltensökonominnen Mara Grunewald und Marie Möller.

Das passiert auch umgekehrt, wenn Anleger ihre Aktien übereilt verkaufen, nur weil sie mal für wenige Tage nicht so gut laufen. Dabei lohnt es sich meist, vorübergehende Verluste auszusitzen, um langfristig Gewinne erzielen zu können.

Wer Einzelaktien besitzt, sollte das Geschehen an der Börse allerdings nicht gleich auf Jahre vergessen. In diesem Fall gilt es, regelmäßig zu prüfen, ob eine Aktie im Depot nur noch abstürzt. Denn viele Menschen halten zu lange an Verliereraktien fest - in der Hoffnung, es gehe doch wieder bergauf. Setzen Anleger nicht auf einzelne Werte, sondern im Sinne einer breiten Streuung auf passive Indexfonds (ETFs) oder aktiv gemanagte Investmentfonds, spricht vieles für die Schlaftablette im übertragenen Sinn. "Stürzt eine Aktie dauerhaft ab, wird sie aus dem Index oder Fonds entfernt", sagt Verbraucherschützer Beutler. Dem Wunsch nach Standardwerten kommen ETFs nach, die Indizes mit Aktien großer Konzerne aus verschiedenen Branchen und Ländern abbilden. Das kann auf europäischer Ebene der Euro Stoxx 50 sein oder weltweit der MSCI World. Bei aller nötigen Geduld können Anleger durchaus "ein- oder zweimal im Jahr" ins Depot schauen, sagt Beutler. Um der Neugier nachzugeben - und gegebenenfalls günstig Wertpapieranteile nachkaufen.

© SZ vom 03.01.2019
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