Börsengang von Snapchat:Snapchat-Börsengang: Volltreffer an der Wall Street

Evan Spiegel, Snapchat

Snap-Gründer Evan Spiegel, 26, hat es geschafft: Er ist durch den Börsengang seiner Firma Multimilliardär. Ob auch die Anleger Geld verdienen werden, wird sich erst zeigen.

(Foto: Jae C. Hong/AP)
  • Snapchat ist jetzt an der Börse. Die dahinterstehende Firma Snap gab am Donnerstag Aktien im Wert von etwa 3,4 Milliarden Dollar aus.
  • Es ist der größte US-Börsengang seit Alibaba 2014.
  • Die Aktie startete mit einem Ausgabepreis von 17 Dollar und schnellte kurz nach Börsengang um mehr als 44 Prozent nach oben.

Von Kathrin Werner, New York

Snapchat ist eine App, die viele Erwachsene nicht verstehen. Tag für Tag knipsen Millionen Jugendliche ein Foto von sich, verpassen sich mit der App eine Hundeschnauze oder einen Blumenkranz im Haar und schicken das Bild an ihre Freunde. Nach 24 Stunden verschwindet es. Viele junge Menschen finden das witzig. Und vielleicht deswegen haben ältere Menschen dem Unternehmen hinter der App jetzt viel Geld gegeben: Snap ist an die Börse in New York gegangen und hat 3,4 Milliarden Dollar eingenommen.

Der Start war grandios: Der Wert der Aktie schnellte kurz nach dem Börsengang um mehr als 44 Prozent nach oben. Mit dem Ausgabepreis von 17 Dollar pro Aktie kommt Snap auf einen Börsenwert von fast 24 Milliarden Dollar. Es ist der größte Börsengang in den USA seit dem chinesischen Onlinehändler Alibaba im Herbst 2014.

Snap hat einen guten Zeitpunkt gewählt: Der Aktienmarkt in den USA steigt seit Monaten, Investoren suchen Anlageobjekte. Das liegt auch daran, dass sich lange keine größere Firma an die Börse getraut hat. 2016 waren es nur 13 US-Tech-Firmen, so wenig waren es zuletzt im Krisenjahr 2008. Start-ups wie Uber und Airbnb sind zwar schon groß, hatten aber bislang nicht nötig, sich dem Urteil der Anleger auszusetzen. Marktbeobachter erwarten, dass andere Snap folgen werden.

Verlust 2015: Eine halbe Milliarde Dollar

Denn Snaps Börsenstart war ein Erfolg, obwohl es für das Unternehmen eigentlich gar nicht so gut aussah. Es hatte im Börsenprospekt erstmals Finanzzahlen veröffentlicht und zugegeben, dass es von Gewinnen weit entfernt ist. Trotz steigender Umsätze kommt es auf rund eine halbe Milliarde Dollar Jahresverlust. Außerdem hätte die Investoren abschrecken können, dass Snap Aktien ohne Stimmrechte ausgab - so etwas hatte es noch nie gegeben. Anleger, die die Snap-Aktie kauften, verzichteten damit auf ihr Mitspracherecht, die zwei Gründer behalten die Kontrolle.

Snaps Nutzerzahlen wuchsen zuletzt nicht mehr so schnell. Das liegt auch daran, dass Instagram eine Idee von Snapchat einfach kopiert hat: sogenannte Stories. Nutzer können kurze Videos veröffentlichen, die binnen 24 Stunden verschwinden. Instagram steigerte die täglich aktiven Nutzer von 300 Millionen im dritten Quartal 2016 auf 400 Millionen im vierten Quartal. Snapchat gewann im gleichen Zeitraum nur fünf Millionen hinzu, nun sind es 158 Millionen. Instagram gehört zu Facebook. Der hohe Preis der Snap-Aktien setzt die Firma unter Druck, es Facebook nachzumachen und die Nutzerzahlen zu steigern und Gewinne zu schreiben. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, ob das gelingt oder ob die Aktie überbewertet war. Für die Snap-Gründer Evan Spiegel, 26, und Bobby Murphy, 28, hat sich der Börsengang jedenfalls gelohnt, sie sind jetzt Multimilliardäre.

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