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Börsengang von Evonik:Rückkehr der Politiker

Müller arbeitet seit langem an seinem Aufstieg in die Stiftung, die er selbst geschaffen hat. Er war von 2003 bis 2008 Chef der staatlichen Essener Kohle-Gesellschaft RAG, die er ordentlich umkrempelte. Seit 2006 war es sein Plan, die RAG-Tochter Degussa, die er in Evonik umtaufte, an die Börse bringen. Der Erlös sollte die Stilllegung der Zechen und die Folgekosten des Bergbaus zahlen. Die Politiker in Berlin und Düsseldorf waren begeistert. Die Politiker in Berlin, Düsseldorf und Saarbrücken wären endlich die Subventionen für die Kohle los. Der Kohlebergbau würde sein eigenes Ende privatwirtschaftlich finanzieren.

Jetzt kehren die Politiker zurück. Norbert Römer, SPD-Fraktionschef im NRW-Landtag, hat das deutlich erklärt "Die Stiftung sollte sich zu einem bedeutsamen industriepolitischen Impulsgeber entwickeln, wenn es darum geht, den Wandel zu neuen, modernen wirtschaftlichen Strukturen zu begleiten und zu forcieren." Seitdem herrscht Aufruhr an der Ruhr. CDU und die großen Konzerne lehnen diese Pläne als rückwärtsgewandte Strategie ab. Sie fürchten, die knappen Mittel der Stiftung könnten zur Selbstbedienungskasse der Politiker werden.

Dann wäre allerdings Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) der Blamierte. Der sitzt ebenfalls in der RAG-Stiftung. Auch er hat kräftig gegen den der SPD nahestehenden Müller als Stiftungschef gearbeitet und jetzt offenbar sein Pulver verschossen. "Wenn Müller kommt, wäre Schäuble der Verlierer", heißt es in Kreisen des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Plötzlich sind alle Müller-Fans

Inzwischen zählt auch die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kamp-Karrenbauer (CDU) zu den Müller-Fans. Für ihr Land sei wichtig "dass in den Personalentscheidungen der Stiftungszweck deutlich wird und dass es nicht darum gehen kann, für die eine oder andere Region Strukturpolitik zu betreiben". Im Klartext heißt das: Wenn Müller auch dem Saarland ein paar Wohltaten verspricht, hat er auch den Segen des kleinsten Bundeslandes.

Wie sehr die Politiker die RAG-Stiftung bereits im Griff haben, zeigte der vergangene Sonntag, an dem faktisch der Stopp des Börsengangs beschlossen wurde. Erst diskutierten die fünf Abgesandten von Bundes- und Landesregierungen im Kuratorium unter sich. Die acht Vertreter der Privatwirtschaft, darunter immerhin Personen wie BDI-Chef Hans-Peter Keitel, wurden danach vor vollendete Tatsachen gestellt. "Die Politiker erobern das Kuratorium zunehmend", berichtet ein Stiftungsmann.

Ein Verlierer der politischen Spielchen steht aber fest: Die britische Finanzgesellschaft CVC. Sie hält seit 2008 ein Viertel der Evonik-Aktien und drängt darauf, den Chemiekonzern an die Börse zu bringen. Motto: Kasse machen. "Die wollen da raus", heißt es in Bankenkreisen. Doch da sind sich die Finanzexperten einig: Die Rückkehr der Politik in das Unternehmen macht den Verkauf von Evonik in Zukunft noch schwerer.

© SZ vom 16.06.2012/rela

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