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Börsengang:Ansturm auf Adyen

Pieter van der Does

Pieter van der Does hat mit Adyen bereits den zweiten erfolgreichen Zahlungsdienst aufgebaut. Zuvor half er Bibit zu etablieren, ein Start-up, das die Royal Bank of Scotland 2004 kaufte. In seiner Freizeit klettert er leidenschaftlich gern.

(Foto: Pim Hendriksen)

Die Aktie des Paypal-Jägers steigt am ersten Börsentag um mehr als 100 Prozent. Damit ist das Unternehmen zwischenzeitlich besser bewertet als die Commerzbank, RWE oder auch die Lufthansa. Gefeiert hat die Firma aber nicht.

Man muss seinen Kontoauszug schon genau lesen oder sich durch die Datenschutzerklärungen von Onlineplattformen quälen, um auf Adyen zu stoßen. Das niederländische Start-up wickelt Zahlungen für andere Unternehmen ab, darunter sind der Fernbusanbieter Flixbus, aber auch die Streamingplattformen Spotify und Netflix. Ziehen sie die Kosten für die nächste Reise oder die monatliche Abogebühr vom Konto ein, steht der Name von Adyen in der Abbuchung. Doch obwohl zumindest in Deutschland kaum jemand Adyen kennt, ist das Unternehmen nicht irgendein Start-up aus der Finanzbranche. Am Mittwoch legte es den größten Börsengang eines europäischen Tech-Unternehmens seit Spotify hin.

Der Chef von Adyen, Pieter van der Does, hatte auf einen maximalen Ausgabepreis von 240 Euro je Aktie gehofft und wurde nicht enttäuscht. Nach eigenen Angaben waren die Aktien sogar mehrmals überzeichnet, die Nachfrage war also deutlich höher als das Angebot. Insgesamt gaben die bisherigen Aktionäre etwa 14 Prozent ihrer Anteile aus. Anfangs zu 240 Euro pro Stück zugeteilt, war die Aktie im Laufe des Tages sogar mehr als 500 Euro wert.

Behält die Firma ihren Wert, wäre sie auf einen Schlag mehr wert als die Commerzbank

Ausgegeben wurden Aktien im Wert von mehr als 940 Millionen Euro. Damit blieb der Börsengang unter der magischen Grenze von einer Milliarde Euro. Zum Start des Börsentags war das niederländische Unternehmen damit mehr als sieben Milliarden Euro wert. Durch den starken Kursanstieg im Laufe des Tages kletterte der Marktwert sogar auf mehr als 14 Milliarden Euro. Damit sind die Niederländer auf einen Schlag mehr wert als die Commerzbank, RWE oder auch die Lufthansa.

Geld verdient Adyen als sogenannter Zahlungsdienstleister. Das Start-up bietet eine Plattform für Händler, die es ihnen ermöglicht, ihren Kunden viele verschiedene Bezahlarten anzubieten, ohne etwa mit jedem Kreditkartenanbieter einzelne Verträge abschließen zu müssen. Für jede Transaktion, die über ihre Plattform läuft, erhält Adyen eine Gebühr.

Getrieben vom Onlinehandel wuchs die gesamte Bezahlindustrie in den vergangenen Jahren rasant, zugleich drängten neue Spieler wie Adyen auf den Markt. Das hat auch die Branche nachhaltig verändert. Die etablierte Garde der Zahlungsdienste war bisher eher ein großes Durcheinander. Manche Unternehmen boten ihre Dienste online an, andere nur an der Ladenkasse. Adyen geht einen anderen Weg. Mit der Plattform der Niederländer können Händler diverse Bezahlarten online, mobil und auch im stationären Handel anbieten und in verschiedenen Ländern die jeweils gängigsten Bezahloptionen zur Verfügung stellen. Während viele US-Amerikaner am liebsten mit der Kreditkarte bezahlen, lassen sich die Deutschen den Betrag eher per Lastschrift vom Konto abbuchen.

Die Erfolgsgeschichte von Adyen beginnt 2006. Das Start-up wächst schnell, ist 2011 das erste Mal profitabel. Später kann es Netflix, Spotify oder auch Eventim als Kunden gewinnen, Mark Zuckerberg steigt über eine Beteiligungsfirma ein. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen rund 800 Mitarbeiter und hat im vergangenen Jahr etwa 1,1 Milliarden Dollar umgesetzt. Zu Beginn des Jahres dann ein Paukenschlag: Der Internetmarktplatz Ebay gibt bekannt, ab 2020 seine Zahlungsströme mit technischer Unterstützung aus den Niederlanden abwickeln zu wollen. Damit wird Adyen einen Konzern im Zahlungsgeschäft ablösen, der lange Zeit sogar zum Ebay-Konzern gehörte: Paypal. Seit das US-Unternehmen 2015 eigenständig wurde, verließ sich Ebay auf seine Dienste. Adyen unterbreitete Ebay aber offenbar bessere Konditionen.

Gefeiert wurde der mehr als geglückte Börsengang indes nicht. "Wir feiern lieber Updates bei den Funktionen auf unserer Plattform", hatte Chef Pieter van der Does bereits vor dem Börsengang im Interview angekündigt.