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Börsen:Die Erinnerung an den Crash 2008 ist lebendig wie nie

An den Märkten wird nun spekuliert, dass die Bank für mehrere Milliarden Euro Anleihen zurückkauft, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Fest steht: Die Erinnerung an die Finanzkrise sind geweckt, denn auch die Titel anderer europäischer und US-Banken befinden sich in einem Ausverkauf, wie ihn die Anleger lange nicht mehr sahen. Abermals angeführt von Bankaktien fiel der Dax am Dienstag zeitweise auf 8773 Punkte - auf den tiefsten Stand seit Oktober 2014. Hinter den Anlegern liegt einer der schwächsten Jahresauftakte in der Dax-Geschichte. Reihenweise notieren die Banken unter dem Wert ihres Eigenkapitals. Das bedeutet, dass die Anleger weitere Milliardenverluste und Kapitalerhöhungen befürchten. Selbst die Aktie des italienischen Bankkonzerns Unicredit, der am Dienstag solide Zahlen vorlegte, verlor erneut deutlich. All das mag übertrieben sein, doch tatsächlich zweifeln die Investoren derzeit grundsätzlich an den Geschäftsmodellen europäischer Banken. Dabei geht es um die nicht enden wollende Ära niedriger Zinsen, die das Geldverdienen erschwert, aber auch um das plötzlich schwächelnde Wirtschaftswachstum, vor allem in China.

Das könnte dazu führen, dass mehr Firmen pleite gehen und Banken ihre Kredite abschreiben müssen. Plötzlich in den Fokus gerückt ist aber auch die strenge Regulierung, die zwar geholfen hat, die Banken sicherer zu machen, aber zugleich ihr Kerngeschäft stranguliert, weil die Banken immer mehr Eigenkapital vorhalten müssen.

Steht eine neue Finanzkrise bevor?

Als wäre all das nicht schon schlimm genug, kam zuletzt noch der Verfall der Ölpreise hinzu. Der ist an sich gut für die Konjunktur, weil Treibstoff billig zu haben ist. Gleichwohl sehen die Investoren derzeit vor allem die Gefahren, etwa, dass große Rohstofffirmen Bankrott gehen und Banken mitreißen könnten.

Und noch etwas treibt die Anleger und Finanzaufseher um. Wenn der Aktienkurs einer Bank abstürzt, leidet nicht nur der Ruf. Es gibt noch ein weiteres Problem: Denn sollten die Banken Verluste machen, müssen sie ihr Kapital auffüllen. Bei sehr niedrigen Aktienkursen ist das jedoch nur schwer möglich.

Dass nun - acht Jahre nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers - eine neue Finanzkrise bevorsteht, halten die meisten Beobachter trotzdem noch für übertrieben, schließlich sind die Banken heute widerstandsfähiger. Sie haben ihr Eigenkapital aufgestockt und erhalten zur Not frische Liquidität über die Zentralbanken. Zudem haben die Bankenaufseher die Institute mehrfach Stresstests unterzogen.

Dennoch: Die Erinnerungen an das Jahr 2008 sind so lebendig wie nie zuvor.

© SZ vom 10.02.2016

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