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Börsen-Crash am 19. Oktober 1987:Was war der Grund für den Crash?

Das Kuriose: Anders als nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gab es keinen konkreten Auslöser für den Crash. Nicht nur der damalige US-Präsident Ronald Reagan rätselte über die Ursachen. Reagan beteuerte, der Wirtschaft des Landes gehe es gut. Bis heute ist nicht ganz klar, wie innerhalb nur eines Tages fast ein Viertel des amerikanischen Börsenkapitals verpuffen konnte.

Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank meint: "Der Crash war vollkommen übertrieben. Was da abgegangen war, hatte mit der Wirtschaftslage nichts zu tun. Sachlich war das einfach nicht gerechtfertigt. Es handelte sich nur um eine Überhitzung."

In Verdacht gerieten unter anderem die zu jener Zeit schon genutzten Handelscomputer. Der damalige Chef der New Yorker Börsenaufsicht SEC, David S. Ruder, sagte später, steigende Zinsen und ein hohes Handelsdefizit hätten zu den Massen-Verkäufen beigetragen. Der damals beliebte Programmhandel - eine Art Vorläufer des heutigen Algo-Tradings - habe aber alles noch verschlimmert. Ein Frankfurter Aktienhändler, der seinerzeit auf dem Parkett arbeitete, sieht das genauso: "Schon damals haben einige gesagt: Mensch, jetzt schalte doch mal die Computer aus!"

Inzwischen ist der Hochfrequenzhandel an den Börsen etabliert. Computerprogramme schieben mittels komplexer Algorithmen binnen Sekunden Milliarden hin und her. Zweifel an den Kontrollmechanismen tauchen immer wieder auf, vor allem wenn Softwarefehler die Werte verfälschen. So passierte es Anfang Oktober, als der Aktienkurs des Lebensmittelkonzerns Kraft in nur einer Minute explodierte.

Der Händler E.E. "Buzzy" Geduld, der mit seinen 69 Jahren schon viel an den Börsen erlebt hat, findet eine einfache Erklärung für einen Absturz wie den von 1987. "Crashes passieren dann, wenn die Investoren überzeugt sind, dass sie die Kontrolle verloren haben", glaubt er.

Die Erinnerungen an den "Schwarzen Montag" sind an den Börsen recht schnell wieder verblasst. "Nach 14 Tagen war alles vergessen", behauptet der Frankfurter Händler Helmer. Es dauerte jedoch immerhin zwei Jahre, bis sich der Dow Jones von seinem Absturz erholte. Heute, genau ein Vierteljahrhundert später, steht der Index bei etwa 13.500 Punkten.

Was hat sich seither geändert? Nicht viel, findet der erfahrene Investor Geduld. "1987 versuchte alle, zur gleichen Zeit den Ausgang zu nehmen, aber die Tür war nicht groß genug", sagt Geduld. "2012 sind die Handelsvolumen gigantisch - die Größe der Ausgangstür ist aber unverändert."

Linktipp: Auch die amerikanischen Medien wurden von dem Crash überrascht. Sehen Sie hier, wie CNN damals von den Entwicklungen auf dem Parkett berichtete. Außerdem: Hier ausführlichere Berichte und Reaktionen auf den Crash.

© Süddeutsche.de/Reuters/dpa/bero/luk
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