Der Sportwagenbauer Porsche könnte im September gleich doppelt aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) herausfallen: zum einen das Kernunternehmen Porsche AG, das für den Bau der Autos zuständig ist, zum anderen die Beteiligungsgesellschaft Porsche SE, in der die Eigentümerfamilien ihre Anteile gebündelt haben. Denn immer Anfang September gibt die Deutsche Börse bekannt, welche Unternehmen in ihre Indizes auf- oder absteigen. Berechnungen dazu gibt es jetzt schon, vier Wochen vorher. Die Mitgliedschaft in den Indizes richtet sich nach der Marktkapitalisierung, also danach, wie viel die Aktien im Streubesitz wert sind. Dabei wird der aktuelle Kurs mit den frei umlaufenden Aktien multipliziert, die nicht Großaktionären gehören.
Nach diesen Berechnungen wird es sowohl für die Porsche AG als auch für die Porsche SE knapp. „Beide haben zurzeit nur relativ geringe Chancen, sich im Dax zu halten“, sagte Achim Matzke, Indexexperte und Chefstratege der Matzke Research GmbH, dem Handelsblatt. Der Grund dafür ist, dass der Aktienkurs der Porsche AG seit Jahresanfang um 23 Prozent sank, während der Dax selbst um rund 20 Prozent zulegte. Die Porsche SE verlor 3,5 Prozent. Der dritte Wackelkandidat ist der Pharma- und Laborzulieferer Sartorius, dessen Aktie seit Januar ebenfalls um 23 Prozent fiel.
Im Dax sind die 40 größten deutschen Aktiengesellschaften versammelt. Dahinter folgt der M-Dax für 50 mittelgroße Werte. Außerdem gibt es den S-Dax, der 70 Unternehmen umfasst, und den Tec-Dax für die Technologiewerte. Am 3. September gibt die Deutsche Börse bekannt, welche Unternehmen diesmal aus den jeweiligen Indizes auf- und welche absteigen. In Kraft tritt die Änderung am 22. September.
Die besten Chancen, in den Dax aufzusteigen, hat nach aktuellem Stand das Immobilienportal Scout 24, rechnete der J.P.-Morgan-Analyst Pankaj Gupta nach einem Bericht des Newsportals stock3.com aus. Hoffnungen können sich auch der Anlagenbauer Gea, die Lufthansa und der Münchner Bausoftwareanbieter Nemetschek machen. So legte die Aktie von Nemetschek seit Jahresanfang um 40 Prozent zu, bei Scout 24 und Gea waren es 30 Prozent, bei der Lufthansa 20 Prozent.
Die Veränderung in den Indizes ist deshalb von Bedeutung, weil viele Anleger inzwischen über sogenannte ETFs, die einen Index abbilden, in Aktien investieren. Steigt ein Unternehmen in den Dax auf, kaufen die ETF-Anbieter die Aktie entsprechend ihrem Anteil. Umgekehrt verkaufen sie die Dax-Absteiger. Das führt tendenziell zu Kursbewegungen. In der Vergangenheit hat sich aber gezeigt, dass diese meist nicht dramatisch ausfallen, weil sich die Investoren über Wochen darauf einstellen. Das zeigte sich auch am Donnerstag an der Börse: Die Aktien der möglichen Absteiger Porsche I und II sowie Sartorius legten zwischen einem und zwei Prozent zu, während der mögliche Aufsteiger Scout 24 sogar vier Prozent verlor. Lediglich die Lufthansa-Aktie bekam mit einem Plus von knapp fünf Prozent richtig Schub.

