Es kommt schlimmer, als es vorher war, aber weniger schlimm, als zwischendrin befürchtet wurde: Nach langem Hin und Her haben sich die USA und die EU auf einen Strafzoll von 15 Prozent geeinigt für Waren, die von Europa nach Amerika exportiert werden. Die Börse reagierte zunächst erleichtert darauf, dass der Schwebezustand ein Ende hat. Der Deutsche Aktienindex (Dax) öffnete am Montag mit einem Plus von knapp einem Prozent. Doch im Laufe des Tages schmolzen die Kursgewinne ab, weil sich zeigte, was der Deal konkret bedeutet. Am Nachmittag stand das Börsenbarometer fast ein Prozent im Minus.
Generell scheint bei den Anlegern nichts mehr von der Aufregung zu spüren zu sein, die sie erfasste, als US-Präsident Donald Trump Anfang April seine drastischen Strafzölle für fast alle Länder der Erde vorstellte. Damals brachen die Aktienkurse tagelang ein, woraufhin Trump die Zölle für drei Monate aussetzte. In der Zwischenzeit haben sich die Nerven beruhigt. Die Finanzmärkte reagieren nicht mehr so stark auf Trump, weil sie sich auf seine erratische Politik eingestellt haben.
„Das Positivste an dem Deal ist sicherlich, dass die in der EU ansässigen Unternehmen jetzt endlich wieder Planungssicherheit haben“, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners. „Es sollte aber auch berücksichtigt werden, dass der durchschnittliche Zoll auf deutsche Produkte vor dem Beginn der zweiten Trump-Ära bei nur gut einem Prozent lag.“ Unterm Strich ist die Einigung auf einen Strafzoll von 15 Prozent eine schwere Belastung für die deutschen Unternehmen im Vergleich zum vorherigen Zustand.
„Schon ein Drama“, so nennt die Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier den Deal
Besonders davon betroffen ist die deutsche Automobilindustrie. Die Investoren schienen dies am Montag erst mit Verzögerung wahrzunehmen. Gleich am Morgen herrschte noch Freude über die Einigung. Die Aktienkurse von BMW, VW, Mercedes, Daimler und Porsche stiegen um zwei bis fast 3,5 Prozent. Offenbar waren die Anleger erleichtert, dass der Deal zustande gekommen war – und dass er weniger schlimm ausfiel, als zuvor befürchtet werden musste. Denn Trump hatte mit einem Strafzoll von 30 Prozent gedroht, sollte es bis 1. August keine Einigung geben.
Im Vergleich dazu scheinen die 15 Prozent eine Erleichterung für die deutschen Exportunternehmen zu sein. Doch sie sind trotzdem deutlich höher als in der Zeit, bevor Trump zum zweiten Mal gewählt wurde. Die Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier sieht im Zollabkommen eine schwere Bürde für Teile der deutschen Wirtschaft. Zölle in Höhe von 15 Prozent seien eine „ungeheure Belastung für die Wirtschaft, nicht nur hier, sondern auch in den USA“, sagte sie im ARD-„Morgenmagazin“. Im Vergleich zu den rund ein Prozent Zöllen zuvor sei das „schon ein Drama“.
Was das konkret bedeutet, zeigte sich am Montagvormittag auch bei den Zahlen von Audi: Die im zweiten Quartal dieses Jahres schon geltenden US-Zölle von 27,5 Prozent haben die VW-Tochter 600 Millionen Euro gekostet. Man habe die Abgaben nicht an die Kunden weitergegeben, sagte der Finanzchef. Der deutsche Automobilverband VDA erwartet, dass der Zolldeal „der deutschen Automobilindustrie jährlich Milliarden kosten wird und sie inmitten der Transformation belastet“.
Das dämpfte auch die anfängliche Euphorie der Investoren: Die Automobilwerte drehten deutlich ins Minus. Am Nachmittag hatten die Aktienkurse von BMW, Mercedes, VW und Porsche zwischen 0,9 bis 2,9 Prozent eingebüßt.
Auch an den Devisenmärkten zeigte sich, dass die Investoren den Zoll-Deal als nachteilig für Europa bewerten: Der Euro fiel gegenüber dem US-Dollar um 0,8 Prozent auf einen Kurs von 1,16. „Ein Zollsatz von 15 Prozent auf europäische Waren, Pflichtkäufe von US-Energie und -Militärausrüstung und keine Gegenmaßnahmen seitens Europas – das sind keine Verhandlungen, das ist die Kunst des Geschäfts und ein großer Sieg für die USA“, sagte Prashant Newnaha, Chefstratege bei TD Securities.
