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Börsen:Warum die Aktien immer weiter steigen

Wer Aktien wie ein Profi handeln will, braucht viele Informationen – und daher viele Bildschirme, wie hier im Handelssaal der Frankfurter Börse.

(Foto: Uwe Kraft/mauritius)

Die Welt steckt in der Krise: US-Iran-Konflikt, Handelsstreit, maue Konjunktur. Doch währenddessen werden an den Börsen neue Rekorde gefeiert.

Es gibt diese Momente des leisen Zweifels an der Börse. Sie stellen sich meist ein, wenn die Aktienkurse immer weiter steigen, obwohl es viele vernünftige Gründe gibt, die dagegen sprechen. In diesen Tagen erreichten die US-Börsen die höchsten Punktestände ihrer Geschichte. Der Dow Jones stieg am Freitag zum ersten Mal in seiner Geschichte über die Marke von 29 000 Punkten. Auch der deutsche Aktienindex Dax ist auf dem Weg zu einem neuen Rekord, die deutschen Händler nehmen schon die Marke von 14 000 Punkten in den Blick.

All dies passiert in einer Phase enormer politischer Unsicherheit. Der Handelskrieg zwischen China und den USA kann sich jederzeit verschärfen. Die militärische Auseinandersetzung zwischen den USA und Iran ist nicht ausgestanden. Der Austritt Großbritanniens aus der EU kann zu wirtschaftlichen Verwerfungen führen. Überhaupt sind die globalen Wachstumsaussichten allenfalls durchschnittlich. Sie stehen offenbar im diametralen Gegensatz zum augenblicklichen Optimismus an der Börse. Im Jahr 2000 notierte die US-Technologiebörse Nasdaq bei 4000 Zählern - es war der Höhepunkt der Internetblase. Es folgte in den Jahren darauf der Einbruch auf 1000. Inzwischen hat der Nasdaq 9000 Punkte erreicht. Sind die Investoren zu sorglos geworden? Müssen Anleger Angst haben vor einem Preiskollaps an den Börsen?

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Die Konjunktur schwächelt, doch eine Branche blüht auf: Crash-Propheten wie Marc Friedrich und Markus Krall werden millionenfach gelesen. Ihre steilen Thesen folgen einem Muster.   Von Harald Freiberger

Die amerikanischen Ökonomen Ken Rogoff und Carmen Reinhardt haben in ihrem Buch "This time is Different. Eight Centuries of Financial Folly" die schlimmsten Finanzkrisen der Wirtschaftsgeschichte untersucht und dabei ein Muster erkannt. Zu allen Zeiten hatten kluge Menschen die Risiken hoher Schulden und steigender Vermögenspreise unterschätzt. Immer wieder rechtfertigten sie beispielsweise exorbitant hohe Aktienkurse mit dem Hinweis: Dieses Mal sei alles anders, denn die Welt habe sich verändert, alte Bewertungsmaßstäbe würden nicht mehr gelten. Doch das, so folgerten die Ökonomen sei falsch: Die Details mögen sich in jeder geschichtlichen Epoche unterscheiden. Die Geschichte ende jedoch immer gleich. Auf Euphorie folgt Depression.

Aber ist nicht diesmal doch wirklich alles anders? Es scheint fast so. Das liegt an der Entwicklung der Zinsen. Die wichtigsten Notenbanken der Welt verfolgen seit Jahren eine lockere Geldpolitik. Die Leitzinsen liegen so niedrig wie nie zuvor. Mal knapp über, mal unter null Prozent. Diese niedrigen Zinsen drücken die Renditen für Staatsanleihen, wobei diese Schuldscheine die Grundlage bilden für den Ertrag, den Investoren von Aktieninvestments erwarten. Einfach formuliert: Wenn eine Bundesanleihe fünf Prozent abwirft, dann erwarten Aktieninvestoren mindestens fünf Prozent plus eine Entschädigung für das höhere Verlustrisiko, das mit Aktien einhergeht.

Doch nun gilt der umgekehrte Fall: Aufgrund der niedrigen Zinsen geben sich die Investoren insgesamt mit weniger Rendite zufrieden. Das bedeutet, sie sind bereit, höhere Preise für Aktien bezahlen, als sie es in Hochzinsphasen tun würden. Diese Theorie spiegelt sich in dem geflügelten Wort "Anlagenotstand", von dem sich Investoren geplagt fühlen. Versicherungen, Pensionskassen und Versorgungswerke sind in den Nullzinszeiten praktisch gezwungen, mehr Geld in Aktien zu investieren, wollen sie ihre Renditeversprechen erfüllen. Diese hohe Nachfrage treibt die Preise an den Aktienmärkten.