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Boeing:Probleme mit 737 Max verschärfen sich

Das Startverbot für die Boeing 737 Max bleibt noch länger bestehen, vielleicht sogar bis ins kommende Jahr hinein.

Die 737-Max-Flugzeuge von Boeing müssen deutlich länger am Boden bleiben: Die US-Fluggesellschaft American Airlines streicht jetzt Flüge mit Maschinen dieses Typs bis Anfang November aus ihrem Flugplan. Bislang war der 3. September vorgesehen. Auch dieses Datum war zuvor bereits verlängert worden. Der Ausfall führt nach Angaben von American Airlines zu rund 115 Flugstreichungen am Tag, rechnerisch also zu mehr als 3000 Flugausfällen im Monat. Vergangene Woche hatte United Airlines, ebenfalls in den USA beheimatet, die Frist im vergleichbaren Ausmaß ausgedehnt. Nach Angaben von United führt der Ausfall zu 2100 Flugausfällen im September und weiteren 2900 im Oktober.

Diese Zahlen signalisieren, wie groß die Probleme sind, mit denen die Fluggesellschaft seit dem Mitte März verhängten Flugverbot für die 737 Max kämpfen. Anlass für das Verbot waren die Abstürze zweier 737 bei Lion Air und Ethiopian Airlines mit 346 Toten. Lange hatten Fluggesellschaften gehofft, dass das seit Mitte März geltende Flugverbot für die 737-Max-Jets schon im Sommer aufgehoben werden könnte. Immerhin hat Boeing nach eigenen Angaben die Entwicklung eines Updates für die 737-Steuerungssoftware MCAS abgeschlossen, die wohl für die Abstürze mitverantwortlich war.

Boeing muss mehr als 100 fertige Maschinen zwischenlagern

Doch bevor die Maschinen wieder starten können, muss die US-Luftfahrtbehörde FAA die Änderungen zertifizieren. Und dieser Prozess könnte sich sogar noch deutlich über den November hinaus verzögern, wie das Wall Street Journal unter Berufung auf eine "wachsende Zahl an Vertretern aus Politik und Industrie" berichtet. Demnach würde die 737 Max erst im Januar 2020 wieder starten. Der Grund: Verantwortliche von Boeing und den Luftfahrtbehörden weiteten ihre Untersuchungen fortlaufend aus - mittlerweile stehe nicht mehr nur die MCAS-Software unter Verdacht, sondern auch einzelne elektronische Komponenten, die, was erschwerend hinzu komme, teils auch in älteren 737 Modellen verbaut worden seien.

Für Boeing hat sich der Fall zu einem beispiellosen Desaster entwickelt. Nicht nur, weil die Fluggesellschaften versuchen dürften, die entstandenen Schäden auf das Unternehmen in Seattle abzuwälzen. Boeing muss mittlerweile auch mehr als 100 fertige Maschinen zwischenlagern und hat in den vergangenen Monaten nicht eine Maschine des früheren Bestsellers mehr verkauft. Immerhin: Die Luftfahrtholding IAG, zu der Gesellschaften wie British Airways und Iberia gehören, hat im Juni eine Absichtserklärung für den Kauf von 200 Boeing Max unterschrieben. Die Rabatte dafür dürften freilich immens gewesen sein.