Boeing Alles unklar

Eine Maschine vom Typ Boeing 737 Max: Es gibt immer noch keinen Zeitplan für die Startgenehmigung.

(Foto: Ted S. Warren/dpa)

Die Luftsicherheitsbehörden warten weiter auf die neue Boeing 737-Max-Software. Bis dahin können sie nicht entscheiden.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Nach außen hin vermittelte Dan Elwell den Eindruck, als sei alles in bester Ordnung. Das Treffen mit Dutzenden Vertretern internationaler Flugaufsichtsbehörden sei "außergewöhnlich positiv" gewesen, so der Chef der amerikanischen Federal Aviation Administration (FAA). Die FAA hatte sich mit den Kollegen in Dallas getroffen und acht Stunden lang diskutiert, unter welchen Bedingungen das weltweite Flugverbot der Boeing 737 Max aufgehoben werden kann.

Doch noch ist vieles ungewiss. Im Umfeld der FAA heißt es zwar, Ende Juni könne der Flugzeugtyp womöglich wieder eingesetzt werden. Doch es ist überhaupt nicht klar, ob sich andere Länder dieser Einschätzung anschließen werden. Kanada etwa hat deutlich gemacht, dass es eine eigene unabhängige Analyse der von Boeing entwickelten verbesserten Steuerungssoftware machen wird. Das Unternehmen hat diese aber bislang noch niemandem zur Prüfung vorgelegt. Die European Aviation Safety Agency (EASA) äußerte sich seit dem Treffen noch nicht.

Die 737 Max war am 13. März weltweit mit einem Flugverbot versehen worden, nachdem zwei Maschinen innerhalb von weniger als einem halben Jahr abgestürzt waren. Bei beiden Unfällen hatte das sogenannte Maneuvering Capabilities Augmentation System (MCAS) eine Rolle gespielt, welches das Flugverhalten der 737 in bestimmten Situationen verändern soll. MCAS war aufgrund falscher Sensordaten angesprungen, die Piloten verloren die Kontrolle. Insgesamt kamen 346 Menschen ums Leben. Boeing entwickelte eine neue MCAS-Version, die nicht mehr so massiv eingreift und Daten zweier Sensoren berücksichtigt.

Boeing und die FAA stehen massiv unter öffentlichem Druck, weil sie bei der Zulassung der Maschine nicht mit ausreichender Vorsicht vorgegangen seien und Kosteneinsparungen Vorrang vor Sicherheit gegeben hätten, so die Kritiker.

Elwell machte deutlich, dass seine Behörde zwar die Meinungen der anderen Länder in ihre Entscheidung einfließen lassen will, letztlich aber auch alleine für den amerikanischen Luftraum das Verbot aufheben könnte. Damit zeichnet sich das ab, was viele Fluggesellschaften unbedingt verhindern wollten: Dass die Max in einigen Ländern bald wieder fliegen darf, in anderen nicht.