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Boeing "737 Max":"Von Clowns entworfen ... von Affen überwacht"

Boeing-Werk in Renton, Washington

Bild einer Boeing 737 Max 8 an einem Werkstor von Boeing.

(Foto: AFP)
  • Boeing hat enorme Probleme, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die 737-Max-Maschinen wiederherzustellen.
  • Das ist umso schwerer, da auch die Mitarbeiter des Konzerns schon früh dem Flugzeug misstrauten.

Aus jetzt öffentlich gewordenen Dokumenten geht hervor, wie zwiegespalten Mitarbeiter von Boeing schon vor der Inbetriebnahme der 737 Max waren: Einerseits zweifelten sie an dem Flugzeug und wunderten sich über Probleme, die sich im Flugsimulator zeigten - zugleich versuchten sie, die Aufsichtsbehörden möglichst außen vor zu lassen.

Flugzeuge des Typs 737 Max dürfen nach zwei Abstürzen mit 346 Toten seit Mitte März vergangenen Jahres nicht mehr starten: Noch immer ist unklar, ob die Maschinen sicher sind. Die Änderungen etwa an der Steuerungssoftware MCAS, die die Piloten bei der Arbeit unterstützen soll, sind noch nicht von den Aufsichtsbehörden freigegeben worden.

Bloß kein Training

"Dieses Flugzeug wurde von Clowns entworfen, die wiederum von Affen überwacht werden", zitiert nun etwa die Nachrichtenagentur Bloomberg aus dem Schreiben eines Piloten von Boeing an einen Kollegen. Die Notizen würden auch zeigen, wie Mitarbeiter des Unternehmens sowohl die Aufsichtsbehörden als auch die Kunden täuschten, heißt es bei der Seattle Times. Auf diese Weise seien Versuche abgewehrt worden, die darauf zielten, Piloten ein umfangreicheres Training für die neuen Maschinen zu ermöglichen. Boeing plante etwa den Dokumenten zufolge, das MCAS-System ganz harmlos als Erweiterung des bisherigen Systems zu präsentieren.

Entsprechend hatte Boeing lange argumentiert, dass Piloten, die schon ältere 737-Modelle fliegen könnten, lediglich einen Computerkurs absolvieren müssten, um für das Fliegen der Max gerüstet zu sein. Dieser Kurs sollte nur eine Stunde dauern und auf einem Tablet-Rechner absolviert werden.

Mittlerweile hat Boeing umgedacht: Erst vor wenigen Tagen hieß es, dass das Unternehmen nun doch ein Training im Simulator empfehle. Der Aufwand ist enorm: Experten von Bloomberg schätzen, dass diese Trainings Boeing rund fünf Milliarden Dollar kosten könnten.

Die nun öffentlich gewordenen Notizen, die zuvor unter anderem dem US-Kongress und der Flugaufsichtsbehörde FAA zur Verfügung gestellt wurden, drohen die Bemühungen Boeings zu unterminieren, das Vertrauen der Öffentlichkeit in dieses Flugzeug wiederherzustellen. Auch das Unternehmen weiß das - und veröffentlichte gleich eine Mitteilung: "Wir bedauern den Inhalt dieser Kommunikationen und entschuldigen uns dafür bei der FAA, dem Kongress, den Airline-Kunden und bei den Passagieren", hieß es.

© SZ.de/hgn/ds
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