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Boeing "737 Max":Wut der Piloten

Die US-Airline Southwest parkt Maschinen des Typs 737 Max in Victorville in Kalifornien.

(Foto: Mark Ralston/AFP)
  • Seit dem Absturz einer Boeing 737 Max in Äthiopien gilt ein Flugverbot für die Maschinen.
  • Bevor das aufgehoben wird, müssen die Luftfahrtbehörden zustimmen. Doch sie sind sich nicht immer einig in der Bewertung der Fortschritte, die Boeing macht.
  • Piloten verklagen derweil Boeing wegen Verdienstausfällen.

Der US-Flugzeughersteller Boeing braucht länger als ursprünglich gedacht, um die Probleme mit den Maschinen des Typs 737 Max in den Griff zu bekommen. Wann das Flugverbot für die Maschinen nach den zwei Abstürzen in Indonesien und Äthiopien wieder aufgehoben werden wird, bleibt auch mehr als ein halbes Jahr nach Verhängung des Verbots unklar. Schien anfangs eine Aufhebung im Sommer möglich zu sein, strichen bereits im Juli die Luftfahrtgesellschaften alle 737-Max-Flüge bis Anfang November aus den Flugplänen, die US-Fluggesellschaft Southwest sogar bis Anfang Januar. Grund für eine neuerliche Verzögerung könnten die europäischen Behörden sein: Sie sind offenbar noch nicht zufrieden mit der Ausgestaltung der Software für die Flugsteuerung. Das schreibt zumindest das Wall Street Journal unter Berufung auf mit den Details vertraute Personen.

Im Kern geht es wohl darum, dass die US-Luftfahrtbehörde FAA und Boeing aus Sicht der europäischen Regulierer noch nicht zweifelsfrei demonstrieren können, dass die 737 Max sicher ist. Die Europäer pochen etwa schon länger darauf, dass anders als bisher die beiden Flugcomputer nicht mehr abwechselnd, sondern simultan die von Sensoren gesendeten Daten überprüfen sollen. Denn Ziel ist es, mit der doppelten Auslegung des Systems mögliche Fehlfunktionen eines Chips zu eliminieren, die vor einigen Monaten entdeckt worden seien. Das wäre ein Bruch mit einer lang geübten Praxis: Laut WSJ habe in der 737 über Jahrzehnte nur jeweils ein Computer Daten in die Flugsteuerung eingespeist. Die nun geäußerten Bedenken der Europäer sollen auf höchster Ebene vorgebracht worden sein: Der Chef der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA), Patrick Ky, habe sie FAA-Chef Ali Bahrami mitgeteilt. Zugleich hieß es, dass die EASA sich noch kein abschließendes Urteil gebildet habe. Genauso wenig sei klar, ob beide Behörden gemeinsam zu einem Urteil kommen wollten.

Ein Pilot klagt wegen "erheblicher Einkommenseinbußen" sowie "schweren emotionalen und mentalen Leids"

Derweil wurde bekannt, dass Boeing neuer rechtlicher Ärger droht. Die Pilotengewerkschaft der Southwest Airlines reichte in Dallas Klage gegen den Flugzeughersteller ein. Die Piloten hätten sich nur ins Cockpit der 737 Max gesetzt, weil Boeing versichert habe, dass die Maschine sich im Wesentlichen so fliege wie die herkömmliche 737. Doch der Flugzeughersteller habe wichtige Informationen zur Steuerungssoftware zurückgehalten, die am Ende zu dem Absturz der Maschinen mit insgesamt 346 Toten beitrug. Es sei Boeing nur darum gegangen, die 737 Max rasch auf den Markt zu bringen, um im Verhältnis zu anderen Herstellern nichts ins Hintertreffen zu geraten. Die Piloten müssten sich aber darauf verlassen können, dass Boeing wahrheitsgemäße Informationen liefere, erklärte Gewerkschaftschef Jonathan L. Weaks. "Im Fall der 737 Max ist dies nicht geschehen." Durch die Startverbote mussten laut Gewerkschaft mehr als 30 000 Southwest-Flüge gestrichen werden. Dadurch seien den Piloten mehr als 100 Millionen Dollar an Einnahmen entgangen.

Bereits im Juni hatte ein in US-Gerichtsunterlagen anonymisierter Pilot wegen "erheblicher Einkommenseinbußen" sowie "schweren emotionalen und mentalen Leids" gegen Boeing geklagt. Er sei letztlich gezwungen gewesen, die 737 Max zu fliegen und nicht nur sich selbst, sondern auch die Crew und Passagiere in Lebensgefahr zu bringen. Boeing reagierte auf die Klage der Gewerkschaft mit der Aussage, dass das Unternehmen zwar die Piloten respektiere und weiter mit ihnen zusammenarbeite, um die 737 Max wieder in die Luft zu bekommen. Allerdings wolle das Unternehmen sich gegen die Klage "energisch" zur Wehr setzen.

Southwest ist die US-Airline mit den meisten 737-Max-Maschinen in der Flotte. Als das Flugverbot ausgesprochen wurde, hatte Southwest bereits 34 der Max-Modelle in der Flotte, Ende 2019 hätten es rund doppelt so viele sein sollen. Die Flugausfälle haben Southwest schon mehr als 225 Millionen Dollar an Einnahmen gekostet.

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