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Luftverkehr:Boeing "737 Max" darf bald wieder in Europa fliegen

Eine Boeing "737 Max" beim Testflug über Seattle. In den USA und Brasilien wird die Maschine seit Dezember wieder bei Linienflügen eingesetzt.

(Foto: Elaine Thompson/AP)

Bei zwei Abstürzen mit der Maschine waren 346 Menschen ums Leben gekommen. Nun hat Boeing die fehlerhafte Steuersoftware stark überarbeitet.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Die europäische Flugsicherheitsbehörde European Union Aviation Safety Agency (EASA) will in der kommenden Woche das Flugverbot für die Boeing 737 Max aufheben. EASA-Chef Patrick Ky sagte bei einer Veranstaltung des Luftfahrt-Presse-Clubs (LPC), eine entsprechende Lufttüchtigkeitsdirektive (Airworthiness Directive) werde dann veröffentlicht. "Wir haben alles analysiert", so Ky.

EASA ist nach der US-Federal Aviation Administration (FAA), der brasilianischen ANAC und Transport Canada die vierte Aufsichtsbehörde, die die Max nach fast zwei Jahren am Boden wieder zulässt. In den USA und Brasilien wird die Maschine seit Dezember wieder bei Linienflügen eingesetzt, Air Canada will das Muster ab Anfang Februar wieder zunächst auf Inlandsflügen nutzen. In Deutschland ist TUI Fly der einzige Kunde für die Maschine.

Regierungen weltweit hatten die Max Anfang März 2019 nach zwei Abstürzen von Maschinen der Lion Air im Oktober 2018 und Ethiopian Airlines im März 2019 aus dem Verkehr gezogen. Bei den Unfällen waren 346 Menschen ums Leben gekommen. Die Untersuchungen ergaben, dass eine neue Steuersoftware, die nur in extremen Fluglagen eingreifen sollte, in beiden Fällen eine Hauptursache war. Das sogenannte Manoeuvering Characteristics Augmentation System (MCAS) drückte die Nase des Flugzeuges aufgrund von kaputten Sensoren nach unten, die Piloten waren nicht in der Lage, die Maschinen unter Kontrolle zu halten. Die Existenz der Software, die die Flugeigenschaften der Max an die der Vorgängermodelle angleichen sollte, war den meisten Piloten nicht bekannt, und damit war auch nicht klar, wie sie mit Fehlern umgehen sollten.

Bei offensichtlich fehlerhaften Warnmeldungen dürfen Piloten künftig die Sicherung ziehen

Boeing hat seither MCAS stark überarbeitet und entschärft, die Besatzungen können es nun leichter ausschalten, das System schaltet sich auch nicht mehr von selbst scharf. Die FAA, EASA, ANAC und Transport Canada haben in aufwändigen Testflügen und Analysen die Neuerungen zwar für gut befunden. Kanada und die EU wollen aber weitere Änderungen. So erlaubt künftig die EASA den Piloten, bei offensichtlich fehlerhaften Warnmeldungen, die ihnen durch starke Vibrationen des Steuerhorns vermittelt werden, Sicherungen zu ziehen, um ohne Lärm und Schütteln die Situation zu bewältigen. Die EASA will künftig auch einen zusätzlichen sogenannten synthetischen Sensor an Bord der Max einführen. Bislang wird bei dem Modell die Fluglage nur von zwei Sensoren gemessen, bald sollen die Werte noch einmal durch mehrere Quellen berechnet und validiert werden. Maschinen des Konkurrenten Airbus haben drei Sensoren.

Ky machte deutlich, dass die EASA nach den Erfahrungen mit der Max bei der Zulassung von neuen Boeing-Jets nun eine aktivere Rolle spielen will. Bis zu den Max-Unfällen hatte sie auch sicherheitskritische Systeme nicht noch einmal selbst genau überprüft, sondern sich auf die Analysen der FAA verlassen. Zum ersten Mal wird sie dies beim neuen Langstreckenjet Boeing 777X tun, der sich gerade in den Flugtests befindet und den auch die Lufthansa bestellt hat. Ky rechnet nicht damit, dass die erweiterte Rolle der EASA "notwendigerweise Auswirkungen auf den Zeitplan" hat.

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