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Boeing:Softwareprobleme waren Boeing schon früh bekannt

Boeing hat sich viel Zeit gelassen, einen schon früh bemerkten Softwarefehler in den 737-Max-Maschinen der Luftfahrtbehörde zu melden.

(Foto: Ted S. Warren/AP)
  • Boeing hat einen schon früh festgestellten Softwarefehler zunächst weder der US-Luftfahrtbehörde noch den eigenen Kunden gemeldet.
  • Der Fehler führte dazu, dass ein serienmäßig verbautes Modul nicht bei allen Kunden funktionierte. Den Kunden blieb das wohl verborgen.

Boeing wusste bereits seit 2017 und damit weit vor den Abstürzen zweier 737-Max-Maschinen, dass es mit einer Software des Flugzeugs Probleme gab. Öffentlich gemacht hat Boeing diese Information allerdings erst später. Das Unternehmen betont freilich in einer jetzt veröffentlichten Mitteilung, dass diese Software für die Sicherheit des Flugzeugs zweitrangig sei.

Konkret geht es um eine Software, die Fluggesellschaften optional bestellen konnten, als die ersten 737-Max-Maschinen auf den Markt kamen. Mit Hilfe dieser Software wird im Cockpit angezeigt, wie groß der Anstellwinkel ist, also der Winkel der anströmenden Luft zu den Tragflächen. Da sowohl beim Absturz einer Lion-Air-Maschine im vergangenen Oktober als auch beim Absturz einer Ethiopian-Air-Maschine im März diese Sensoren eine Rolle gespielt haben, erfährt die Technik rund um die Sensoren derzeit eine besondere Aufmerksamkeit.

Die Anzeige im Cockpit gilt allerdings für die Arbeit der Piloten als nicht besonders bedeutsam - darum haben manche Fluggesellschaften auf den Kauf verzichtet. Neben dieser Software hatte Boeing - serienmäßig - ein System installiert, das Piloten warnen sollte, wenn die Daten der Sensoren nicht übereinstimmten.

Behörden sahen wohl kein Risiko

Diese Daten sollen im Zusammenhang mit den jüngsten Abstürzen wiederum Einfluss auf das sogenannte Maneuvering Characteristics Augmentation System gehabt haben - eine Steuerungssoftware, die die Flugeigenschaften der 737-Max-Variante an die des Vorgängermodells anpassen soll. Im Jahr 2017 stellten die Ingenieure Boeings fest, dass die eigentlich als Serienausstattung geplante Warnmeldung fälschlicherweise an die zusätzlich zu bezahlende Anzeige des Anstellwinkels gekoppelt war. Die Folge: Die Warnmeldung für fehlerhafte Sensordaten funktionierte nur dann, wenn eine Fluggesellschaft sich für die Anzeige als Zusatzausstattung entschieden hatte.

Als Boeing 2017 diesen Fehler bemerkte, befragte die Firma ihre eigenen Experten, ob die Sicherheit des Flugzeugs dadurch gefährdet sei. Diese kamen zum Schluss, dass der Fehler nicht problematisch sei, zumindest sofern bei einem Software-Update die Warnmeldung von der Anzeige entkoppelt werde. Die oberste Führungsebene Boeings sei in diesen Prozess nicht eingebunden gewesen, betont das Unternehmen.

Erst nach dem Absturz der Lion-Air-Maschine machte Boeing in einer Handlungsanweisung für Piloten deutlich, dass der Warnhinweis nur funktioniere, sofern auch die Anstellwinkel-Anzeige vorhanden sei. Auch die US-Luftfahrtbehörde sei dann informiert worden. Sie sei ebenfalls zum Schluss gekommen, dass das Fehlen der Warnmeldung nicht problematisch sei. Diese Einschätzung wird in Pilotenkreisen durchaus geteilt.

Seit fast zwei Monaten stehen mittlerweile die 737-Max-Maschinen weltweit am Boden - und es könnten noch einige weitere folgen. Boeing ringt um das Vertrauen der Passagiere, der Behörden und der Luftfahrtgesellschaften in diesen Flugzeugtyp. Immerhin: Wenn diese Maschinen wieder starten dürfen, wird Boeing zufolge die Warnmeldung für die Anstellwinkel-Sensoren bei allen Maschinen funktionieren.

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