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BMW:Wenn der Gewinn stimmt

Razzia in der Konzernzentrale? Wie praktisch, wenn dann der Rest passt: BMW steigert seinen Ertrag und belohnt Mitarbeiter, über Abgase will niemand reden.

Annual BMW news conference in Munich

BMW-Chef Harald Krüger und seine Vorstandskollegen bei der Bekanntgabe der Jahreszahlen des Autoherstellers.

(Foto: Michael Dalder/Reuters)

Breite Front, schmale Scheinwerfer - und kein Kühlergrill. Das Auto, das sie bei BMW in München an diesem Vormittag auf die Bühne gestellt haben, ist ein Symbol für das verheißungsvolle Voranschreiten des Münchner Autoherstellers: Der Elektroflitzer i4, der noch nicht auf dem Markt ist, aber recht bald. "This is tomorrow. Now" haben sie an die Wand hinter dem Wagen gepinselt. Die Zukunft gibt's bei BMW also schon heute. So sehen sie das hier beim Konzern, der am Mittwoch seine Bilanz für das vergangene Jahr präsentiert.

Konzernchef Harald Krüger lächelt, als er vor diesem Auto posiert. Der 52-Jährige will gleich etwas Grundsätzliches klarstellen: "Ich möchte Ihnen zu Beginn aufzeigen, wie ich die Situation der BMW Group sehe." Seit 26 Jahren sei er nun im Unternehmen. Und stets habe der Konzern sein Geschäft erfolgreich weiterentwickelt. So auch jetzt. Rekorde und Erfolge. 2,5 Millionen Autos der Marken BMW, Mini und Rolls Royce hat man abgesetzt, der Umsatz stieg um beinahe fünf Prozent auf fast 99 Milliarden Euro. Und der Gewinn nahm unterm Strich zu - auch dank US-Präsident Donald Trumps Steuerreform - um ein Viertel auf 8,6 Milliarden Euro. Ein Drittel davon wird als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet, und die BMW-Mitarbeiter in Deutschland erhalten im Schnitt gut 9500 Euro Erfolgsbeteiligung.

Doch da war doch noch was, etwas sehr Ungewohntes für dieses so vornehme Unternehmen: 100 Staatsanwälte und Polizisten durchsuchten am Tag zuvor Büroräume in der Konzernzentrale, im Forschungszentrum und in Steyr in Österreich. Die Abgasaffäre hat nun auch den Münchner Konzern erreicht, zumindest in Form eines Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen Betrugsverdachts, das die Staatsanwaltschaft eröffnet hat. Es ist nichts erwiesen, aber es steht im Raum, dass die Abgasanlagen von 11 400 Dieselautos illegal manipuliert worden sind.

Die Diskussion darüber wird an diesem Bilanztag vom Konzernsprecher abmoderiert: Dazu werde man keine Aussagen machen. Und dabei bleibt es weitgehend in den folgenden zwei Stunden, trotz wiederholter Nachfragen. Das ist insofern merkwürdig, als dass sie sich in einer Sondersituation sehen bei BMW: Man sei sauber! Den Ruf, den sie seit zwei Jahren pflegen, mit dem sie sich abgrenzen von Audi, Daimler und Volkswagen im Abgasskandal, wollen sie schon aufrechterhalten.

Doch sie wollen den Ruf an diesem Tag auch nicht groß verteidigen. Es gehe ja auch nur um ein paar tausend Wagen, hört man von manchen im Konzern. Eine richtige Razzia sei das auch gar nicht gewesen, denn die Ermittler seien in zivil gekommen, ganz ruhig. Überhaupt hätten da eher nur 80 denn 100 Beamte vorbeigeschaut.

Aber wieso sind sie überhaupt gekommen? Wieso unternimmt eine Staatsanwaltschaft solch einen Einsatz samt Amtshilfe in Österreich? Kann es sein, dass noch mehr kommt? Hat BMW ein Qualitäts- oder ein Organisationsproblem? Welche Wirkungen hat das für das Image? Dazu gibt es an diesem Tag kaum Antworten. Man kennt das von Daimler. Nachdem dort die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Abgasbetrugs vorstellig wurden, verfielen sie in Schweigen.

Bei BMW versucht zumindest Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich kurz zu erklären: bei den auffälligen Modellen der 5er- und 7er-Reihe sei nicht bewusst manipuliert worden, es sei vielmehr ein "menschlicher Fehler" gewesen. BMW habe das bei "standardmäßigen Prüfungen" festgestellt und die Behörden daraufhin informiert. Innerhalb der Software für die Abgassteuerung habe es in einer einstelligen Zahl von insgesamt mehreren Tausenden Software-Bestandteilen "eine falsche Zuordnung" gegeben. Dieser Irrtum habe dann den Abgasausstoß erhöht - auf der Straße und auf dem Prüfstand.

Die Staatsanwaltschaft München I erklärt dazu übrigens am Mittwoch: Die Durchsuchung sei beileibe nicht symbolisch gewesen, was manche bei BMW unterstellen: "Dafür haben wir keinen Sinn." Und sie sei in Art und Stärke angemessen gewesen. Es gehe eben um den Verdacht, dass die hohen Abgaswerte nicht irrtümlich verursacht wurden. Dann wäre es: Betrug. Zudem gelte, bei aller Kooperationsbereitschaft: auf die Angaben eines Verdächtigen dürfe man sich nicht verlassen, auch wenn es in diesem Fall um ein renommiertes Unternehmen gehe. Deswegen hätten die beiden zu einem Gesprächstermin angemeldeten Staatsanwälte eben ohne Vorwarnung ein paar Dutzend weiterer Ermittler mitgebracht, die auch sehr lange zugange gewesen seien.

Doch darüber wollen sie nicht reden bei BMW. Stattdessen geht es um Wachstum: im so wichtigen Markt China. Oder bei den sogenannten Mobilitätsdienstleistungen. Immer noch gibt es nichts Spruchreifes bei dem angestrebten Zusammengehen der Carsharing-Anbieter DriveNow (BMW) und Car2go (Daimler). Immerhin: Man werde die Zusammenarbeit mit Daimler gegebenenfalls "enteisen", heißt es aus dem BMW-Vorstand zu Kooperationsprojekten mit Daimler - zuletzt war das Verhältnis zu Daimler aufgrund von Rechtsstreitigkeiten eher eingetrübt. Und vor allem wolle man mit mehr Luxus und mehr SUVs mehr Geld verdienen. "2018 soll unser neuntes Rekordjahr werden", sagt Krüger. "Das ist mein Ehrgeiz."

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