BMWUnter den Schwachen die Stärksten

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In der Münchner Konzernzentrale von BMW sind sie gerade deutlich entspannter als die Kollegen in Stuttgart oder Ingolstadt.
In der Münchner Konzernzentrale von BMW sind sie gerade deutlich entspannter als die Kollegen in Stuttgart oder Ingolstadt. Sven Hoppe/dpa

Als letzter großer Autohersteller in Deutschland legt BMW seine Geschäftszahlen vor – und kommt dabei glimpflicher weg als die Konkurrenz. Das hat gleich mehrere Gründe.

Von Stephan Radomsky

Die Gelassenheit von Oliver Zipse hätten andere gerade wohl auch gern. Der BMW-Chef jedenfalls klingt am Donnerstag längst nicht so angespannt, ja alarmiert wie seine Manager-Kollegen von Mercedes, Porsche oder Audi in den vergangenen Tagen. „Ich glaube, diese ganze Zoll-Debatte wird völlig überhöht“, sagt Zipse also, „auch was die Auswirkungen angeht, die sie auf die Industrie haben.“ Das hört sich bei den anderen zum Teil ganz anders an.

Nun ist es nicht so, dass BMW Rekorde zu melden hätte. Auch das Geschäft der Münchner leidet unter den Verwerfungen im Welthandel: Unsicherheit, Zölle, neue Regularien. Unvorhersehbarkeit sei zwar schon immer ein Merkmal der Automobilindustrie gewesen, sagt Zipse, heute aber sei sie „die Norm“. Und diese Unsicherheiten bekommen auch er und seine Leute zu spüren: Zwar lieferte BMW im ersten Halbjahr fast genauso viele Autos aus wie im Vorjahreszeitraum, gut 1,2 Millionen. Trotzdem machte der Konzern rund acht Prozent weniger Umsatz – und mit gut vier Milliarden Euro fast 30 Prozent weniger Gewinn. In normalen Zeiten wäre das ein Alarmsignal.

Dass die Zeiten für die Autohersteller alles andere als normal sind, deutet aber schon ein Blick an die Börse an: Dort zeigt sich die BMW-Aktie bis Donnerstagmittag praktisch unverändert, seit Jahresbeginn hat sie sogar gut 7,5 Prozent zugelegt. Der Grund dafür scheint ziemlich einfach: BMW geht es vielleicht nicht blendend, aber immer noch deutlich besser als der deutschen Premium-Konkurrenz. Mercedes, Audi, Porsche – sie alle hatten in den vergangenen Tagen noch deutlich höhere Gewinneinbrüche gemeldet. Prosche etwa büßte binnen Jahresfrist fast drei Viertel seiner Profite ein.

Oliver Zipse dagegen kann sich freuen, die Strategie von BMW ist im Vergleich zu den anderen offensichtlich besser aufgegangen. Einerseits setzen die Münchner auf viele verschiedene Antriebe: Verbrenner, Hybride und reine E-Autos haben sie schon im Programm, und am Mittwoch wirbt Zipse vor allem mit Blick auf Europa auch noch einmal für den Wasserstoff-Antrieb. Zugleich wächst die Nachfrage nach den E-Modellen, allein im ersten Halbjahr legten die Verkäufe um mehr als 15 Prozent zu. Und nach der Sommerpause will der Konzern auf der Automesse IAA in München mit dem iX3 das erste Modell seiner „Neuen Klasse“ an E-Autos präsentieren. Zudem zog der Absatz der Konzern-Tochter Mini zuletzt deutlich an, und zwar gegen den Trend der anderen deutschen Konzerne auch in China, wie Finanzchef Walter Mertl betont. Zugleich habe die Luxus-Marke Rolls-Royce „das beste erste Halbjahr in der Geschichte der Marke“ gehabt.

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Die Auswirkungen des Zoll-Deals? „Gar nicht so riesig“, rechnet Zipse vor

Vor allem aber zahlt es sich gerade richtig aus, dass BMW in den vergangenen gut 30 Jahren Milliarden Euro in den USA investiert hat: Das Werk bei Spartanburg im Bundesstaat South Carolina ist inzwischen das größte des Konzerns, und mehr als die Hälfte der Wagen von dort gehen in den Export.

Die neue Zoll-Vereinbarung zwischen den USA und der EU sieht Zipse deshalb recht gelassen. „Auf den BMW-Konzern wird die Auswirkung gar nicht so riesig sein“, sagt er und rechnet vor: Vergangenes Jahr habe BMW noch zehn Prozent auf Auto-Importe aus den USA in die EU und zwei Prozent in umgekehrter Richtung gezahlt, mache in Summe zwölf Prozent. Demnächst fielen 15 Prozent auf Importe in Amerika an, dafür gehe es umgekehrt zollfrei nach Europa. Weil BMW in etwa gleich viel von Europa nach Amerika exportiere wie umgekehrt, sei es „also gar nicht so viel mehr“. Bald zusätzliche Modelle in South Carolina zu produzieren, um noch stärker vom Zoll-Gefälle zu profitieren, komme dennoch nicht infrage. „Es wird keine Verlagerungen geben“, sagt Zipse. „Das Werk in Spartanburg ist auch voll ausgelastet.“

Ganz spurlos geht das politische Hin und Her der Wirtschafts-Weltmächte aber auch an BMW nicht vorbei. So gelten in den USA etwa für den Import aus Mexiko oder den Export nach China weiterhin höhere Zölle, hinzu kommen Strafabgaben der EU auf E-Autos aus China. Im ersten Halbjahr habe das den Konzern 1,5 Prozent des Umsatzes oder rund 880 Millionen Euro gekostet, fürs Gesamtjahr dürfte die Gewinnmarge durch die zusätzlichen Belastungen 1,25 Prozentpunkte niedriger ausfallen. An der Prognose fürs Geschäft 2025 hält Zipse am Mittwoch trotzdem fest, auch das unterscheidet sie in München gerade von der Konkurrenz in Stuttgart und anderswo.

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