Süddeutsche Zeitung

BMW:Sparen, aber nur sachte

Audi baut fast 10000 Stellen ab, BMW dagegen verzichtet auf harte Einschnitte und setzt weiter auf das E-Auto i3.

Der Autobauer BMW hat sich mit dem Betriebsrat auf Einsparungen bei den Personalkosten geeinigt. Die Kürzungen, über die der neue Konzernchef Oliver Zipse und Betriebsratschef Manfred Schoch die Belegschaft am Mittwoch informierten, sehen unter anderem eine Senkung der Gewinnbeteiligung an die Mitarbeiter in Deutschland um bis zu ein Fünftel vor. Zuletzt zahlte BMW seinen rund 90 000 Mitarbeitern hierzulande je etwa 9000 Euro. Zudem wurden Veränderungen beim Weihnachtsgeld beschlossen. Sie sind Teil eines zwölf Milliarden Euro großen Sparpakets, mit dem der nach Daimler zweitgrößte Premiumhersteller die Ertragskraft steigern will, um die Investitionen in Elektroautos und die Digitalisierung zu stemmen.

Anders als Wettbewerber Audi kommt BMW damit ohne tiefe Einschnitte beim Personal aus: Bei dem Ingolstädter Unternehmen fallen bis 2025 beinahe zehntausend Stellen weg. "Wir haben gemeinsam mit dem Betriebsrat eine solidarische Lösung erzielt. Damit können wir auf drastische Maßnahmen verzichten, die andere gerade ergreifen, um ihre Kosten zu senken", sagte Zipse. Ende September hatte Zipse angekündigt, die Zahl der Leiharbeitskräfte zu verringern und Personal in der Verwaltung abzubauen, indem Verträge nicht verlängert beziehungsweise frei werdende Stellen nicht wieder besetzt werden. Der weitaus größeren Teil der Kostensenkungen entfällt nach Angaben eines Sprechers auf Materialkosten, Einsparungen beim Einkauf für Bereiche außerhalb der Produktion und eine deutliche Verkürzung der Entwicklungsprozesse. Zugleich soll der Personalstand in etwa gleich bleiben: bei etwa 130 000 Beschäftigten.

Als Erfolg verbuchte der Betriebsrat, dass BMW in Form eines dividendenabhängigen Bausteins künftig einen Teil der Altersvorsorge finanziert. Pro Cent der Ausschüttung an die Aktionäre fließen je Mitarbeiter 2,40 Euro in die Vorsorge.

Die wirtschaftliche Lage bei BMW ist indes weiterhin nicht gut: Die Umsatzrendite in den ersten neun Monaten liegt bei nur 4,1 Prozent, wobei eine hohe Rückstellung wegen einer möglichen Kartellstrafe beinhaltet ist, auch das Produktionsziel wird in diesem Jahr nicht erfüllt. Etwa 100 000 Autos weniger als geplant werden verkauft. Immerhin geht das Management nach SZ-Informationen davon aus, dass sich mit den derzeitigen und den geplanten Automodellen die sogenannten Flottenziele in der EU erreichen lassen. Künftig gilt in Europa ein Grenzwert für den Kohlendioxid-Ausstoß, der mit Verbrennerautos alleine nicht erreichbar sein wird. BMW setzt schon seit mehreren Jahren auf Hybridantriebe, die zumindest auf dem Papier den Spritverbrauch und damit den CO₂-Ausstoß deutlich mindern. Auch das Elektromodell i3 soll helfen, die Gesetzesvorgaben zu erfüllen: Das E-Auto soll bis zum Jahr 2024 gebaut werden, deutlich länger als geplant.

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SZ vom 28.11.2019 / Reuters/hm
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