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BMW:Kurz vor dem Scheitern

China ist noch immer einer der größten Absatzmärkte der Automobilindustrie. Im Bild Stauverkehr in Peking.

(Foto: Fred Dufour/AFP)

Der Münchner Autokonzern will mit den Chinesen kooperieren, doch daraus wird wohl nichts. Die strategischen und kulturellen Hürden sind zu groß.

Die Angelegenheit war ganz hoch gehängt, weil sie so wichtig war. Im Kanzleramt in Berlin unterzeichneten Topmanager von BMW und Great Wall im vergangenen Sommer die Gründungsverträge für ein Joint-Venture namens Spotlight Automotive Ltd. Gemeinsam und gleichberechtigt wollten der deutsche und der chinesische Konzern Elektro-Autos bauen in einem neuen Werk in Jiangsu. Die Idee: Man entwickelt gemeinsam eine Kleinwagen-Plattform, auf der dann neue Modelle der BMW-Tochter Mini oder chinesische Wagen entstehen können.

"Mit unserer Erfahrung als Pionier und Marktführer im Bereich Elektrifizierung sowie Great Wall Motors erwiesener Erfolgsbilanz in effizienter Industrialisierung können wir gemeinsam das Wachstum des größten E-Mobilitätsmarkts der Welt vorantreiben", sagte BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich bei der Unterzeichnung der Papiere in Berlin. Great-Wall-Gründer Wei Jianjun sprach von einem "neuen Kapitel" der Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern.

Seitdem gab es etliche weitere Besuche und Gegenbesuche, auf Ingenieursebene und auf Vorstandsebene. Doch vorangekommen ist praktisch nichts bei dem Vorzeigeprojekt. Offiziell heißt es zwar von BMW auf Anfrage: "Die Projektteams arbeiten in sämtlichen Workstreams sehr gut zusammen und haben in allen Bereichen deutliche Fortschritte erzielt. Diese Arbeit werden die Teams fortsetzen."

Doch tatsächlich ist die Lage nach SZ-Informationen offenbar eine andere: Die Gespräche sind festgefahren bei Grundsatzfragen, manche Insider in München halten gar ein komplettes Scheitern für möglich. Gerade wurden sogar lang geplante China-Reisen von etlichen BMW-Ingenieuren abgesagt; Dutzende sollten eigentlich in Asien Aufbauarbeit leisten. Es scheint an verschiedenen Punkten zu haken. Zum einen haben sich die Geschäftszahlen bei BMW eingetrübt, alles steht derzeit auf dem Prüfstand und die Controller fragen: Lohnt so ein Werk noch, ist es effizient genug? Zumal Projekte zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturkreise stets massive Reibungsverluste haben, wie sie bei BMW sagen. Das beginne schon zwischen Deutschland und Großbritannien, mit China sei das aber noch herausfordernder. Zum anderen scheinen die Ansprüche an die gemeinsame Fahrzeugplattform unterschiedlich zu sein. Während die Deutschen dem Vernehmen nach alle Standards in Sachen Qualität und Crash-Sicherheit wie gewohnt erfüllt sehen wollen, scheinen die chinesischen Partner, die bislang im eigenen Land vor allem SUVs bauen, in erster Linie günstig produzieren zu wollen. Von enttäuschten Erwartungen ist die Rede in München und davon, dass jeder Monat Verzug problematisch sei.

Informationen des japanischen Wirtschaftsblattes Nikkei zufolge soll das Werk knapp 700 Millionen Euro kosten und das Joint-Venture mit gut 200 Millionen Euro Kapital starten. Spätestens 2023, eigentlich lieber früher, sollten E-Minis in China vom Band rollen - und gegebenenfalls auch in den Rest der Welt exportiert werden, so wie es BMW bald mit dem elektrifizierten X3 machen wird.

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