BMW-Hauptversammlung:Weiß-blaue "Mia-san-mia"-Show

Wie beim FC Bayern: In der Münchner Olympiahalle haben sich BMW-Prominenz und Aktionäre versammelt und die neuesten Rekordergebnisse gefeiert und die Elektro-Strategie. Für Kritik ist praktisch kein Platz.

Von Caspar Busse

BMW Hauptversammlung 2013

BMW Hauptversammlung in der Olympiahalle: Konzernchef Norbert Reithofer hat erfreuliches mitzuteilen.

(Foto: dpa)

In der ersten Reihe, etwas abgesetzt von den übrigen Aktionären, hatte in der Olympiahalle die BMW-Prominenz Platz genommen: Johanna Quandt, 86, in der Mitte, daneben Ex-Chef Eberhard von Kuenheim, 84, und der langjährige Finanzvorstand und Aufsichtsratschef Volker Doppelfeld, 77. Zur Rechten stand vor der Bühne mit den Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern ein glitzernder M 6 Gran Coupé und daneben das brandneue Elektroauto i3, die große Hoffnung.

Was die Drei und die geschätzt 5000 anderen Aktionäre auf dieser BMW-Hauptversammlung zu hören bekamen, gab jedenfalls kaum Anlass zur Klage. Der Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer, 56, feierte sein Unternehmen. "Wir sind der absatzstärkste Premiumhersteller in unserer Branche - und das seit vielen Jahren", sagte er. Solche Rekorde seien nicht selbstverständlich, sondern müssten hart erarbeitet werden.

2012 hatte BMW bei einem Umsatz von knapp 77 Milliarden Euro ein Vorsteuerergebnis von 7,8 Milliarden Euro erzielt. 5500 Mitarbeiter wurden neu eingestellt. Und passend zum Aktionärstreffen konnte der Konzern verkünden, dass im April so viele Fahrzeuge wie noch nie verkauft wurden - und das trotz der aktuellen Krise in der europäischen Automobilindustrie, von der BMW bisher aber weitgehend unberührt ist. Reithofer bekräftigte die Prognosen für 2013 und stellte damit einen weiteren Absatzrekord in Aussicht. 2012 lieferte BMW weltweit 1,845 Millionen Fahrzeuge der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce aus und damit fast elf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Aktionäre vernahmen es mit Genugtuung.

Die weiß-blaue Reithofer-Show klang schon ein wenig nach den rot-weißen "Mia-san-mia"-Rufen des erfolgreichen FC Bayern München. Die wenigen Aktionäre und Aktionärsvertreter, die sich in diesem Jahr überhaupt zu Wort meldeten, hatten so gut wie nichts zu kritisieren. "Das ist ein sehr gutes Ergebnis, besonders wenn man es mit der Konkurrenz vergleicht", lobte Daniela Bergdolt von der Aktionärsvereinigung DSW. Sie klagte höchstens, wie so oft bei Hauptversammlungen, über eine zu niedrige Dividende. Für 2012 werden immerhin 2,50 Euro je Stammaktie gezahlt.

"Irgendwann überdreht die Politik die Schraube"

Kritik übte der BMW-Chef selbst, nämlich an der Politik. "Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen", sagte er. Nun komme das Europaparlament schon wieder mit neuen Forderungen, die CO2-Vorgaben sollten bis zum Jahr 2025 nochmals verschärft werden. "Das ist politisches Wunschkonzert", meinte der BMW-Chef. Mit technischer Analyse oder Machbarkeit hätten solche Vorgaben nichts zu tun. Unternehmen aber bräuchten Planungssicherheit. Er warnte: "Irgendwann überdreht die Politik die Schraube."

Da die EU-Vorgaben immer für ganze Flotten der einzelnen Autohersteller gelten, sind diese von Herstellern von Oberklassewagen besonders schwer zu erfüllen. BMW setzt deshalb auf Elektrofahrzeuge wie den i3. Trotz der hohen Investitionen werde BMW mit dem Elektroauto Geld verdienen, betonte Reithofer. Das Unternehmen will im Herbst das erste Fahrzeug mit Elektroantrieb auf den Markt bringen und setzt darauf große Hoffnungen. Die ersten Modelle werden derzeit in Leipzig produziert. Viele Experten zweifeln aber daran, dass sich die Elektromobilität auf den Straßen in Deutschland durchsetzt. Reithofer warb für das Projekt: "Jede Branche braucht einen, der vorangeht."

Nochmals zur Wahl für den Aufsichtsrat stellte sich der frühere BMW-Chef Joachim Milberg. Der promovierte Diplom-Ingenieur, seit 2002 im Aufsichtsrat und seit 2004 Vorsitzender des Gremiums, hatte zwar im April seinen 70. Geburtstag gefeiert und damit eigentlich die interne Altersgrenze bei BMW erreicht. Doch nun will er noch mal für drei Jahre weitermachen. Milberg hat insbesondere auch das Vertrauen des Großaktionärs, der Familie Quandt. Seine neue Amtszeit läuft nun bis zum Jahr 2016 - das Jahr, in dem BMW den 100. Firmengeburtstag feiern will. Bis dahin will Milberg in jedem Fall weiter machen. Auch Reithofer ist mindestens so lange an Bord. Für die Feierlichkeiten 2016 ist man also gerüstet.

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