BMW und der FC Bayern Abpfiff in letzter Minute

Endlich Meister: Bayern-Spieler Robert Lewandowski (vorn) im Kopfballduell mit David Abraham von Eintracht Frankfurt am Samstag in der Allianz Arena.

(Foto: Mathias Balk/dpa)

Eigentlich wollte BMW den Rivalen Audi als Großsponsor des FC Bayern München ablösen. Daraus wird nun doch nichts - und das hat nicht nur etwas mit Geld zu tun.

Von Max Hägler

Es sei ein so stimmiges Projekt, ließen die Bayerischen Motoren-Werke und der FC Bayern München in den vergangenen Wochen verlauten. Der "Premiumanspruch", die gemeinsame Herkunft, dasselbe Adjektiv in den Firmennamen - eine bayerische Allianz mit globaler Strahlkraft werde man da doch schmieden, der Fußballverein und der Autohersteller als Miteigentümer und Großsponsor. Viele Monate hatten beide Seiten sinniert, dann erklärte Edmund Stoiber, FCB-Aufsichtsrat und ehemals bayerischer Ministerpräsident: Für den FC Bayern sei das alles "hochattraktiv", weil BMW sich allein auf die Bayern konzentrieren werde. Aus dem Münchner Autokonzern wiederum hieß es, es seien nur noch Kleinigkeiten zu regeln. Jetzt ist diese weiß-blaue Idee jäh zu Ende.

Der bisherige Sponsor und BMW-Wettbewerber Audi ist plötzlich wieder im Vorteil, und deutlich wird, dass der Fußball milliardenschwere Handelsware ist und eine spannende Angelegenheit auch abseits des Rasens. Audi bleibt nicht nur Partner der Bayern, sondern verlängert sein Engagement um fünf Jahre bis mindestens zum Jahr 2030, zum Preis von 300 Millionen Euro. Entsprechendes hört man von allen drei beteiligten Firmen. Wobei nur BMW offiziell bestätigt, worüber ausgerechnet am Meisterfeier-Samstag zuerst die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet hatte: "Die Gespräche mit dem FC Bayern sind beendet."

Nach SZ-Informationen soll Audi-Chef Bram Schot am kommenden Mittwoch mit den Oberen des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge oder Uli Hoeneß, eine entsprechende Verlängerung unterzeichnen. Am Donnerstag soll das Ganze dann auf der Audi-Hauptversammlung mit den Aktionären gefeiert werden. Und etliche Auto-Manager werden dort aufatmen: Auf den Samstag in der Loge des Stadions hätten sie ungern verzichtet.

Für die BMW-Manager wäre das mit den Stadionbesuchen indes weniger ein persönliches Anliegen gewesen: Aufsichtsratschef Norbert Reithofer und seine Vorgänger wollten BMW lange Zeit nur mit den nobleren Sportarten in Verbindung sehen: Golf, Segeln, Tennis. Vorstandschef Harald Krüger wiederum ist Anhänger von Borussia Mönchengladbach. Aber es lockte dann doch das Image des familienfreundlichen Clubs mit stabiler Tabellenposition: In Asien hat der Fußballverein viele Millionen Fans, manche sprechen von 100 Millionen allein in China. Und China ist der größte und wichtigste Automarkt. Darum geht es BMW. Und darum geht es auch Audi. Und für dieses Ziel sind beide Autokonzerne bereit gewesen, viele Millionen Euro zu investieren.

Informierte Kreise sagen, Audi habe einfach höher gepokert

Etwa 30 bis 40 Millionen Euro hat Audi bislang pro Jahr an die Säbener Straße überwiesen, BMW wollte das dem Vernehmen nach auf 60 Millionen Euro erhöhen. Auch wenn der Münchner Autohersteller diese Summe bestreitet, hört man doch immer wieder, dass BMW das FCB-Paket - also der Kauf von Anteilen und das Sponsoring - insgesamt 800 Millionen Euro wert gewesen sein soll. Das schien auch dem Fußballverein attraktiv, zumal manche Sportfunktionäre gerne wegkommen wollten von dem Skandalimage, das Audi angesichts des Dieselbetrugs noch hat.

Aber wieso dann doch plötzlich wieder Audi? Aus informierten Kreisen bei BMW hört man: Es war das Geld, Audi habe höher gepokert. Und der Zeitpunkt des möglichen Einstiegs: Audis bisheriger Vertrag läuft bis zum Jahr 2025; BMW hätte schon in ein, zwei Jahren einsteigen wollen. Doch das hätte ein Entgegenkommen von Audi bedurft.

Der FC Bayern scheint genervt gewesen zu sein

Die Audi-Muttergesellschaft VW wäre dafür eine Zeit lang zu haben gewesen und von dort kam auch der Vorschlag, wie das hätte ablaufen können: VW wollte den BMW-Manager Markus Duesmann möglichst rasch zu sich holen. Der ist aber bis Sommer 2020 vertraglich gebunden. Man könnte doch Mensch gegen Verein tauschen, so ungefähr lautete die kreative Idee. Wenn beide Verträge früher aufgelöst würden, hätten die Konzerne was davon - und der FC Bayern nichts dagegen.

Aber dann kam wohl einiges zusammen. Nicht zuletzt Audi-Chef Schot hatte dafür gekämpft, dass es eine andere Wendung nimmt. Denn wäre BMW zum Zug gekommen, wäre er bald seinen Job losgeworden: Duesmann sollte ihn als Audi-Chef ersetzen. Es habe da nicht nur "den einen Punkt Geld" gegeben, hört man vom FC Bayern, und es ist auch ein bisschen Unverständnis herauszuhören über den Verhandlungspartner BMW: Der FC Bayern scheint genervt gewesen zu sein, dass sich das alles so lange hinzieht, und bei dem Autobauer so viele mitreden, Vorstandschef Krüger, Vertriebsvorstand Pieter Nota, der Aufsichtsrat und auch der Betriebsrat. "800 Millionen für den Fußball, aber keine Kinderkrippe", überschrieb eine Münchner Boulevardzeitung die Kritik von BMW-Arbeitnehmervertretern an dem Deal. Keine guten Schlagzeilen in Zeiten eines zunehmenden Sparkurses bei BMW.

Bei Audi streiche man jetzt so ziemlich alle anderen Sportsponsorings, heißt es in Ingolstadt. Dem FC Augsburg wird wohl die Unterstützung entzogen und auch Borussia Mönchengladbach. Das wird Gladbach-Fan Krüger ärgern.