Nahaufnahme:Die E-Sportlerin

Nahaufnahme: "Da sind teilweise kluge Köpfchen dabei, der eine oder andere könnte sicher Ingenieur bei uns werden."

"Da sind teilweise kluge Köpfchen dabei, der eine oder andere könnte sicher Ingenieur bei uns werden."

(Foto: oh)

Pia Schörner ist "Head of Gaming" bei BMW. Sie will neue Zielgruppen für den Münchner Autohersteller begeistern - mit Videospielen und Mangas.

Von Mirjam Hauck

Bequem zu Hause im Sessel sitzen und gleichzeitig mit einem schnellen Auto über die Rennstrecke jagen: Simulationsrennspiele, neudeutsch Sim-Racing, heißen diese Videospiele, bei denen die Reifen nur virtuell qualmen. Sie sind ein boomender Markt mit Millionen Fans und damit auch interessant für Autohersteller, die sich bislang eher mit klassischem Motorsport beschäftigt haben.

Pia Schörner kennt beide Seiten. Sie hat das Motorsport-Marketing bei BMW geleitet, seit Juli 2020 war sie "Head of Esport", nun "Head of Gaming" - sie verantwortet alle Aktivitäten des Münchner Autobauers in Sachen Gaming. Und sie sieht viele Gemeinsamkeiten bei der klassischen und der digitalen Variante: "Beides gehört zum Profisport, organisierte Teams treten in organisierten Turnieren gegeneinander an, und sie müssen auch trainieren", sagt sie. In Corona-Zeiten schickte BMW auch Fahrer des Werkskaders in die virtuelle Welt.

Die E-Sport-Aktivitäten von BMW beschränken sich aber nicht auf Sim-Racing. Insgesamt hat der Autokonzern Kooperationen mit zehn E-Sport-Teams, die unter anderem auch im populären Strategie- und Actionspiel "League of Legends" um Erfolge kämpfen. "E-Sport ist ein großartiges Thema", sagt Schörner. "Dadurch können wir uns mit einer neuen und jungen Zielgruppe beschäftigen." Wie groß die Zielgruppe ist, zeigen Zahlen von Goldman Sachs Global Investment Research. Deren Studie prognostiziert für 2022 weltweit 644 Millionen E-Sport-Fans. Für eine Marke wie BMW sei es extrem wichtig, am Puls der Zeit zu bleiben. Zudem könne man in der digitalen Welt viel lernen.

"Früher war ein Event oft schon gut, wenn alle was zu essen hatten und dem Geschehen folgen konnten", sagt Schörner. Das stimme nun nicht mehr, es müsse vielmehr gute Unterhaltung geboten sein. In einer global vernetzten Welt ließen sich Produkte auch sehr gut digital präsentieren. "Ich muss nicht mehr zwingend auf einer großen Messe stehen und das Tuch ziehen." So hat BMW einen gezeichneten Manga herausgebracht, in dem Spieler eines E-Sport-Teams mit einem feuerspeienden Drachen kämpfen, der dann auch einmal an einem Vierzylinder hochkrabbelt. "Manga funktioniere in allen Zielgruppen" sagt Schörner, egal ob jung, alt, männlich oder weiblich. Das sei auch wichtig, denn es sei ein Klischee, dass sich ausschließlich junge Männer für Spiele interessieren.

Pia Schörner bezeichnet sich selbst nicht als Gamerin. Aber sie beobachte und verfolge die Hemisphäre E-Sport mit wachsender Begeisterung. "Das ist eine globale, gebildete Community ohne Sprachbarrieren." Auch ihre Familie begeistert sich für das Thema: "Ich habe zwei Söhne, und sie finden natürlich super, was ich mache."

Nun sind Computerspiele nicht ausschließlich ein positiv besetztes Thema, gerade Shooter-Spiele sorgen immer wieder für Diskussionen. Dieses Genre lehnt Schörner aber nicht generell ab. Man müsse hier differenzieren und genau hinschauen. "Es muss zur Marke passen", sagt sie. Gerade im Bereich Fantasy gebe es gute Spiele, in denen kein Blut fließe. Zudem seien Gamer auch für BMW als Job-Bewerber interessant, denn für diese Strategiespiele seien ein enormes Konzentrationsvermögen und ein strategisches Denken nötig. "Da sind teilweise kluge Köpfchen dabei, der eine oder andere könnte sicher Ingenieur bei uns werden." Und um die vielen klugen Köpfchen zusammenzubringen, veranstaltet BMW zwei Events im Jahr. Ganz in der typischen Gamer-Sprache heißt eines "Brawl", hier treffen sich die Fans mit ihren Idolen. Und im "Boost", der derzeit virtuell und in der BMW-Welt stattfindet, vernetzen sich Spieler, Organisatoren und Sponsoren der Szene miteinander.

© SZ
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