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Neuer BMW-Chef Krüger:Der Auserwählte

BMW-Produktionsvorstand Harald Krüger

Harald Krüger hat als Trainee bei BMW angefangen. Er weiß, wer die Stars in der Firma sind: die Autos, nicht die Menschen.

(Foto: Jan Woitas/dpa)
  • Bei der Hauptversammlung an diesem Mittwoch wird Harald Krüger neuer BMW-Chef.
  • Sein interner Konkurrent um den Chef-Posten, Herbert Diess, geht zu Volkswagen.
  • Eine seiner wichtigsten Tugenden: Selbstbeherrschung. Bei BMW muss man sich zurückzunehmen können.

Es waren einmal zwei Münchner Automanager. Beiden Männern wurde lange nachgesagt, sie würden gerne BMW-Chef werden. Am Ende konnte nur einer der beiden Chef werden.

Am Ende ging die Sache mit den Kronprinzen so aus: Der eine wird bei der BMW-Hauptversammlung an diesem Mittwoch mit 49 Jahren neuer Unternehmenschef. Der andere, 56 Jahre alt, wird im Juli Chef der Wolfsburger Hausmarke VW. Eigentlich, meinen Kenner der weiß-blauen Marke, sei Herbert Diess, langjähriger BMW-Vorstand, ein Sanierer und Kostenkiller, der ideale Kandidat für die Niedersachsen. Und Harald Krüger, der Eintracht-Braunschweig-Fan, der vor 23 Jahren als Trainee in München anfing, der richtige Mann für die BMW-Spitze.

Um Chef dieses Auto-Konzerns zu werden, der zwei Millionen Autos im Jahr verkauft, reicht das klassische Managerkarriere-Inventar nicht aus. Hier, wo schon die Nachwuchskräfte eingetrichtert bekommen, wer die wirklichen Stars im Hause sind - immer die Autos, nie die Menschen - muss man lernen, sich zurückzunehmen. Krüger kann sich zurücknehmen.

Einfach nur lächeln

Das zeigt er am besten, wenn er gar nichts sagt. Er schafft es, bei Jahrespressekonferenzen zwei Stunden lang still vorne auf der Bühne zu sitzen und einfach nur lächelnd nach vorne zu schauen. Selbstbeherrschung ist bei BMW eine der wichtigsten Tugenden, die man braucht, um weiterzukommen. Vor allem in den letzten Monaten vor der Krönung, da sagte Krüger kaum noch etwas. Immer souverän bleiben. Dafür hat der Weg an die Spitze zu lange gedauert, um es auf den letzten Metern noch zu versemmeln. Es gibt diese sehr spezielle BMW-Kultur. Einer Mischung aus der sehr bayerischen Mia-san-mia-Attitüde und einem "Wir bauen eh die besten Autos der Welt"-Gefühl. Diesen Spirit hat man. Oder man hat ihn nicht. Krüger, fanden seine Förderer, hat ihn.

23 Jahre also braucht ein heute 49-Jähriger, um bei BMW vom Trainee zum Konzernchef aufzusteigen. 23 Jahre, das ist eine lange Zeit, Krüger, der nach Maschinenbau-Studium in Aachen und einem Job als Forschungsassistent in der Raumfahrt zu BMW kam, hat sie genutzt. Wolfgang Ziebart, früherer Entwicklungsvorstand bei BMW und ehemaliger Infineon-Chef, lernte Harald Krüger kennen, als der noch Trainee war. Er erinnert sich: "Krüger war ein sehr ruhiger Mensch, überhaupt nicht extrovertiert. Aber genau das entspricht ja der BMW-Kultur. Diejenigen, die schon damals als junge Überflieger auftraten, waren alle irgendwann weg."

Karriere Schritt für Schritt geplant

Der ruhige Mann plante seine Karriere Schritt für Schritt. Personalreferent, Projektingenieur für den USA-Standort Spartanburg, Werkleiter der Motorenproduktion im englischen Hams Hall bei Birmingham. Leiter des Bereichs Technische Integration. Im Dezember 2008 dann ist er Vorstand. Personalvorstand.

Hier wird Krüger auf einmal zum Krisenmanager. Es ist Finanzkrise: Kurz nach Amtsantritt muss er 26 000 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Dass Krüger BMW durch die Finanzkrise lavierte, ohne einen blutigen Kahlschlag im Personal anzuzetteln, das erklärt unter anderem sein gutes Verhältnis zum Betriebsrat. Von 2012 an dann zuständig für Mini und Rolls-Royce, im April 2013 wird Krüger Produktionsvorstand. Jetzt ist er dem Ziel so nah wie nie. Auch seine Vorgänger Norbert Reithofer und Joachim Milberg waren in der Produktion. Bei BMW ist das die notwendige und entscheidende Sprosse auf der Karriereleiter. Wer Fabriken gesehen hat, der kennt das Geschäft. Denn wer aus der Produktion kommt, sagen sie in der Autoindustrie, dem kann man nichts mehr vormachen. "In der Fabrik können Sie nix verstecken, da können Sie nur transparent und konkret sein und so etwas prägt den Charakter", sagt ein Branchenkenner.