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BMW:China hilft durch Krise

CHENGDU, CHINA - NOVEMBER 19: The first batch of 108 BMW vehicles from BMW Dingolfing plant arrives at Chengdu Internati

Frisch aus Deutschland geliefert: Fast jedes dritte Auto verkaufte der Münchner Autobauer im vergangenen Jahr in China.

(Foto: imago images)

Die Nachfrage kompensiert den Einbruch, zeigt aber auch, wie abhängig der Auto­bauer von diesem Markt ist.

Der konjunkturelle Aufschwung in China hat den Corona-Einbruch beim Autohersteller BMW abgefedert. Die Münchner verkauften im vergangenen Jahr insgesamt gut 2,3 Millionen Autos. Das waren 8,4 Prozent weniger als im Jahr davor. Im Dezember rechnete das Unternehmen nach eigenen Angaben noch mit einem Rückgang um etwa zehn Prozent. Im vierten Quartal stand nun sogar ein Absatzplus von 3,2 Prozent auf 686 069 Fahrzeuge der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce zu Buche, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Allerdings zeigen die Zahlen auch, wie abhängig das Unternehmen von China ist. Denn die sich erholenden Zahlen sind vor allem auf die Volksrepublik zurückzuführen, wo die Wirtschaft wieder sehr gut läuft. Insgesamt verkaufte BMW im vergangenen Jahr 777 379 Autos und damit fast jedes dritte Fahrzeug in China. Wie bei Daimler ist die Volksrepublik der mit Abstand wichtigste Einzelmarkt.

In Europa und den USA sind die Spuren der Pandemie dagegen noch deutlich zu sehen. Im Gesamtjahr wurden knapp 16 beziehungsweise fast ein Fünftel weniger Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce verkauft. Vor allem im Frühjahr brach der Absatz ein, weil monatelang Werke geschlossen bleiben mussten und Händler keine Kunden empfangen konnten. Inzwischen habe BMW die Digitalisierung ausgebaut, so dass neue Fahrzeuge ohne direkten Kontakt zum Händler zusammengestellt und verkauft werden können. Dennoch lag hier auch zum Jahresende der Absatz unter dem Niveau des Vor-Coronajahres 2019. Die Anleger reagierten gelassen, BMW-Aktien legten um 0,8 Prozent zu.

Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich auch bei BMW die elektrifizierten Modelle - was vor allem an den staatlichen Prämien liegen dürfte: Mit 192 646 Fahrzeugen setzte BMW im Gesamtjahr knapp ein Drittel mehr Elektroautos und Plug-In-Hybride ab als 2019, allein im vierten Quartal liegt das Plus bei 55 Prozent. Autokäufer entschieden sich vor allem für Autos, die sowohl mit Benzin als auch Strom betrieben werden können: Bei diesen Plug-In-Hybriden stand 2020 ein Verkaufsplus von knapp 40 Prozent zu Buche, bei den reinen Elektroautos liegt der Anstieg bei 13 Prozent. Dank der mehr als 135 000 elektrifizierten Fahrzeuge habe BMW die Flottenziele in Europa übererfüllt und den CO₂-Grenzwert um einige Gramm unterschritten, sagte Vertriebschef Pieter Nota. Derzeit hat BMW 13 Elektro-Modelle im Angebot, bis 2023 sollen es 25 werden. Für dieses Jahr ist der Produktionsstart des BMW iX und des BMW i4 geplant.

Auch die Daimler-Tochter Mercedes Benz hat zuletzt von der Nachfrage in China profitiert. Der Absatz sank im Gesamtjahr um 7,5 Prozent auf knapp 2,2 Millionen Fahrzeuge; lediglich in Fernost wurden mehr Autos verkauft.

© SZ vom 13.01.2021 / Reuter/SZ
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