Blumenhandel:Blumen statt Nahrungsmittel

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Zucht, Anbau und der Verkauf von gewöhnlichen Schnittblumen wie Rosen sind fabrikmäßig durchorganisiert. "Die Margen für die Blumenfarmer sind gesunken", sagt Wesley Siele, Geschäftsführer der Vereinigung landwirtschaftlicher Erzeuger in Kenia, in der 79 Blumenfarmen Mitglied sind, von den in der größten Volkswirtschaft Ostafrikas rund 170 Blumenfarmen.

Härtester Konkurrent für Kenia ist mittlerweile der Nachbar Äthiopien. Die dortige Regierung lockt Investoren mit günstigen Pachtverträgen für Boden und Hilfen bei der Finanzierung. "Manche Farm ist weitergezogen", sagt Siele. Mittlerweile gibt es in Äthiopien bereits 80 Blumenfarmen. In Kenia - wo es keine staatlichen Anreize gibt - sind dagegen zuletzt keine neuen Blumenfarmen mehr entstanden.

Aber ist es nicht grundsätzlich unsinnig in Afrika Blumen anzubauen statt Nahrungsmittel? Elfezoaty schüttelt den Kopf, stellt eine Gegenfrage, die er gleich beantwortet: Was bringt eine Volkswirtschaft voran? Neue Jobs, die Einkommen schaffen, welches die Menschen wiederum ausgeben könnten, für Nahrungsmittel.

Morgens warteten am Haupteingang regelmäßig mehr als 200 Menschen, die Arbeit suchten, erzählt er. Die Arbeitslosigkeit in Kenia ist hoch, zwischen 40 und 50 Prozent. Sie ist für den Unternehmer auch die Hauptursache dafür, dass die Arbeitsstandards vielfach zu wünschen übrig lassen: "Es findet sich immer jemand, der für weniger Lohn arbeitet", sagt er und denkt laut nach: Notwendig wäre die umgekehrte Situation, ein Überangebot an Arbeit, dann würden die Löhne steigen, so wie in bestimmten Sektoren in China.

Panda Flowers liegt wie andere Blumenfarmen im Flower Park, wo 6000 Menschen arbeiten. Seit dem Beginn der Blumenproduktion haben sich am See rund 200 000 Menschen angesiedelt, wo vorher nur einige Tausend Massai mit ihren Herden lebten. Immer wieder kam es zu Konflikten, beispielsweise weil Wege für die Tiere zum See verbaut wurden.

Überhaupt hatte der Blumenboom erhebliche Nebenwirkungen: Der See und das Grundwasser waren zwischenzeitlich gefährdet, wegen der hemmungslosen Wasserentnahme der Farmer, die gleichzeitig Böden und Wasser durch Pestizide vergifteten. Elfezouaty setzt auf faire und umweltschonende Anbaumethoden. Einen Großteil des Wassers entnimmt er daher aus drei eigenen Regenrückhaltebecken.

"Je geringer die Löhne, desto besser", sagt der Chef der Blumenfarmer

Ökonomisch von Bedeutung ist dies für Farmer, weil sie für ökologisch und ethisch bessere Waren direkte Lieferbeziehungen zu Blumenimporteuren aufbauen können, welche fest vereinbarte Preise an die Farmer zahlen, womit diese unabhängiger von den Schwankungen bei den Blumenauktionen werden. Aber solche Farmer bilden immer noch die Minderheit.

"Je geringer die Löhne, desto besser", sagt unverblümt der Verbandschef Wesley Siele mit Blick auf das Handeln der Mehrheit der Blumenfarmer in Kenia. Immer wieder kommt es zu wilden Streiks unzufriedener Arbeiter, wie bei Twiga Roses, wo tausend Arbeiter gegen unfaire Löhne, miserable Wohnverhältnisse und dem mangelhaften Gesundheitsschutz protestierten. Danach wurden sie gefeuert.

Trotz der zunehmenden Konkurrenz ist der Lake Naivasha für Elfezouaty weiter der ideale Standort. Er hege weder Pläne für eine Abwanderung noch die Umstellungspläne auf Gemüse. Er schwärmt von den geografischen und klimatischen Bedingungen und der guten Anbindung der Region. Nairobi sei die ideale logistische Drehscheibe für Europa. Beim Transport der empfindlichen Rosen darf tatsächlich nichts schiefgehen, sonst welken die Schnittblumen schnell.

Panda Flowers ist eine Rosenfabrik mit mehreren Hallen, von denen jede so groß ist wie ein Fußballfeld. Hunderte Arbeiter ernten die Rosen für den Valentinstag, die wichtigste Verkaufszeit in Deutschland - neben Weihnachten und Muttertag. Acht Wochen brauchen die Rosen, dann gehen die Kisten mit dem Kühllaster nach Nairobi und von dort im Flugzeug nach Europa.

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