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Blue Origin:Bezos verkauft Amazon-Aktien, um schneller ins All zu kommen

Blue-Origin-Kapsel mit "den größten Fenstern in der Geschichte der Raumfahrt".

(Foto: Blue Origin)
  • Amazon-Chef Jeff Bezos will Aktien seines Unternehmens verkaufen und das Geld in sein Raumfahrtprojekt investieren.
  • Bezos liefert sich mit Tesla-Chef Elon Musk eine Art Wettlauf ins All.
  • Musk hatte mit seinem Weltraum-Unternehmen zuletzt einen Durchbruch erzielt und einen Satelliten mit einer recycelten Rakete ins All gebracht.

Die jüngsten Erfolge seines großen Konkurrenten Elon Musk im Weltall müssen Jeff Bezos schon fast körperlich geschmerzt haben. Da berichtet alle Welt über die Recycling-Rakete, mit der Musk vergangene Woche einen Satelliten im All absetzte - und Bezos hat dem scheinbar nichts entgegenzusetzen.

Zumindest sieht es keiner. Dass er im Januar mit seiner ebenfalls wiederverwendeten New Shepard-Rakete schon mal knapp ins All flog, fand damals weit weniger Widerhall. Aber es ist eben auch so, dass Bezos die Dinge bei seinem Weltraumprojekt Blue Origin bislang eher gemächlich anging. Das Motto seines Unternehmens lautet wohl nicht ohne Grund "Gradatim Ferociter". Übersetzt heißt das etwa: Schritt für Schritt, aber fest entschlossen.

Aktien im Wert von 73 Milliarden Dollar

Da Tesla-Chef Musk dummerweise nicht so behutsam vorgeht, scheint Bezos jetzt fester entschlossen, seinen Aufbruch ins All zu beschleunigen. Jedenfalls kündigte er auf einer Konferenz in Colorado Springs an, dass er jährlich Amazon-Aktien im Wert von einer Milliarde Dollar verkaufen wolle, um sein Weltraumprojekt voranzubringen. Theoretisch könnte er das gemessen an den heutigen Kursen mehr als siebzig Jahre lang so halten: Sein knapp 17-prozentiges Amazon-Paket ist momentan an der Börse gut 73 Milliarden Dollar wert.

Sein nahes Ziel ist es, schon im kommenden Jahr Passagiere in einer Raumkapsel ins All zu bringen, die für 300 000 Dollar kurz mal schwerelos sein dürfen. Bilder von der Kapsel, die zärtlich von einer in Firmenblau gewandeten Frau gestreichelt wird, verteilte er kürzlich in einer Rundmail. Normalerweise geht es in diesen Briefen eher um technischere Themen wie: "Unterschätzte Triebwerkskomponenten - Kugellager".

Locken will Bezos die Passagiere mit ungewöhnlich großen Fenstern. Technisch ist das heikel: Damit sie bei einer möglichen Kollision mit kleinen Partikeln in der Atmosphäre nicht zersplittern, müssen sie besonders dick sein.

Entsprechend schwerer wird die Kapsel. Geht es nach Bezos, werden es "die größten Fenster in der Geschichte der Raumfahrt". Da kann Musk nicht mithalten. Seine Falcon 9-Rakete ist zwar mehr als drei Mal so groß wie die von Bezos. Bei den Fenstern aber muss er passen.

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