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"Blockupy"-Protest in Frankfurt:Banken raten ihren Angestellten zur Tarnung mit Freizeitkleidung

Die Geldhäuser reagieren besorgt und nervös auf die Ankündigungen. In Frankfurt gab es am Dienstag Gerüchte, die Commerzbank erwäge, ihren Turm komplett zu sperren; andererseits habe sie aber Sorge, dass ein verbarrikadierter Eingang die Demonstranten erst recht aggressiv machen könnte. Bei der EZB hieß es nur, man werde "alles Notwendige unternehmen, um die kritischen Funktionen und die Sicherheit der Mitarbeiter und Besucher zu gewährleisten".

Einige Institute raten ihren Angestellten, in Freizeitkleidung zur Arbeit zu fahren, um nicht als Banker erkannt zu werden. Andere, darunter die Commerzbank, empfehlen, am Freitag wenn möglich einen Brückentag zu nehmen oder von zu Hause aus zu arbeiten. "Die Folgen des Ereignisses werden also in die Sphäre der Beschäftigten verlagert, die entweder Freizeit opfern sollen oder es wagen müssen, zwischen die Fronten von Polizisten und Demonstranten zu geraten", kritisiert ein Beschäftigter.

Kleinere Institute machen am Freitag ganz dicht. "Wir sperren zu", sagte ein Sprecher der Privatbank Hauck & Aufhäuser, deren Zentrale unweit der Commerzbank liegt. Auch bei der nahen Privatbank Metzler wird am Freitag nicht gearbeitet. Wichtige Funktionen wie der Handel oder die IT werden in einem zweiten Standort außerhalb des Bankenviertels aufrechterhalten. "Wir profitieren jetzt davon, dass wir nach dem 11. September 2001 Notfallpläne ausgearbeitet haben", sagt ein Sprecher. Nur vereinzelt findet man Beschäftigte, die "Blockupy" auch eine humorvolle Seite abgewinnen können. "Endlich treffe ich mal wieder meine Geschwister", spottet ein Banker.

Die Polizei empfiehlt, "möglichst normal weiterzuleben"

Sven Schallmey kann von seinem Herrenmodegeschäft aus noch die zerborstenen Schaufenster am Nachbarhaus sehen, linke Demonstranten warfen sie Ende März bei einer Demonstration ein. "Schon schlimm", sagt der Verkaufsberater, "wir Einzelhändler werden doch mehr geschädigt als die Banken selbst". Er wird die edlen Krawatten aus der Auslage räumen und den Laden schließen, wie viele in der Innenstadt. Manche wollen ihre Schaufenster auch mit Holzplatten verrammeln. Ein Juwelier sagt: "Ich habe meinen Kunden geraten, am besten gar nicht in die Stadt zu kommen."

Die Polizei sieht das anders, sie empfiehlt den Frankfurtern, möglichst normal weiterzuleben. Um die 5000 Polizisten werden aufmarschieren, schon das zeigt, dass es mit der Normalität eher schwierig wird. Vorsorglich lässt die Stadt sogar einige U- und S-Bahnhöfe im Bankenviertel schließen, auch sie wollten die Aktivisten lahmlegen. Die freuen sich nun, dass ihnen das schon einmal gelungen ist: "So gut können wir die Bahnhöfe nie blockieren wie es die Stadt selbst tut", sagt ein Occupy-Sprecher namens Thomas. Er klingt recht vergnügt.