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Blockupy-Protest in Frankfurt:Linke Bewegung rückt zur EZB-Blockade an

Occupy ist längst ein Fall für Sozialforscher und Museen. Das Protestcamp von 2012 gilt als kleines politisches Wunder - aber auch als gescheitert. Doch jetzt formiert sich neuer Widerstand gegen den Finanzmarkt. Mindestens 1000 Menschen sind im Frankfurter Bankenviertel auf der Straße.

Es ging los, bevor die Welt der Banken so richtig wach war. Sieben Uhr morgens, da nimmt das Bankenviertel im Zentrum Frankfurts langsam Tempo auf. Aus allen Ecken würden sie kommen, hatte Mareike Garbe angekündigt: einige in großen Gruppen, andere einzeln. "Wir werden in das Viertel der EZB einsickern", sagte die 40-Jährige, "wir werden lange bleiben. Wir entscheiden selbst, wann wir wieder weggehen". Mit menschlichen Blockaden soll der Zugang zur Europäischen Zentralbank versperrt werden. Es gelte, den Geschäftsablauf sichtbar zu stören. "Wir wollen international ein großes Zeichen setzen." Am Mittwochmorgen waren nach Angaben der Polizei 1000 Demonstranten auf der Straße, die Aktivisten sprechen von 3000.

Mehr als ein halbes Jahr liegt es zurück, dass in Frankfurt das Occupy-Camp geräumt wurde, in dem vor allem junge Leute 300 Tage lang vor der EZB campierten. Sie waren gekommen, um gegen die Logik der Finanzwelt zu protestieren. Ihr Protest kam spontan zustande, viele waren ohne politische Erfahrung. Es wirkte charmant naiv, weil sie ein Unbehagen ausdrückten, das auch andere empfanden angesichts der Finanzkrise. Aber bald war der Charme verflogen, die Banken machten ungerührt weiter.

Längst ist Occupy ein Fall für die Sozialforscher und Museen. Gerade hat die Otto-Brenner-Stiftung eine Studie vorgelegt, für die mehr als tausend Camp-Teilnehmer Auskunft gaben. Die aus dem Nichts entstandene Bewegung sei ein kleines politisches Wunder gewesen, heißt es da. Doch das Fehlen jeder Struktur habe so viel Energie gekostet, dass am Ende die Kraft fehlte, mehr nach außen zu wirken. Von einem Scheitern ist die Rede. Gerade wurden dem Historischen Museum Frankfurt Objekte aus dem Camp übergeben.

Nun aber bereitet ein Bündnis Aktionen vor, die sich an die Legende anlehnen, dabei sind auch einstige "Occupista", wie sie zuweilen mit linkem Pathos genannt werden. Doch "Blockupy" will darüber hinaus. Das Bündnis stützt sich auf viele Gruppen aus einem breiten linken Spektrum, auch der sogenannten Antifa-Bewegung. Die Partei "Die Linke" ist dabei, "Attac", auch Gewerkschaften.

Das Motto: "Widerstand im Herzen des europäischen Krisenregimes"

Ihre Blockade-Pläne stellten sie im Frankfurter DGB-Haus vor. Da saßen junge linke Aktivisten wie die frühere Philosophie-Studentin Mareike Garbe neben Werner Rätz, einem weißhaarigen Veteran, der schon in den Siebzigern Botschaften besetzte und an Blockaden teilnahm. "Es geht um das bewusste Überschreiten von Regeln, um zu zeigen, dass die Zustände unerträglich sind", sagt er. Die Polizei erwartet bis zu 5000 Protestler zum, so das Motto, "Widerstand im Herzen des europäischen Krisenregimes".

Die Unruhe im Banken-Viertel wird anders als bei Occupy akribisch geplant, als Aktion des zivilen Ungehorsam, von weither wird in Bussen angereist. In einem Camp wird das Blockieren trainiert, das auch die Deutsche Bank und den Flughafen treffen soll. Es ist nicht die erste Blockupy-Aktion. Beim letzten Mal ließ die Stadt aus Angst vor Ausschreitungen die Proteste verbieten, die City legte sich vorsichtshalber selbst lahm. Diesmal klingt vieles gelassener. Nur betroffene Gebäude sollen vorab gesichert werden. Banken haben Mitarbeiter ermuntert, freie Tage zu nehmen, passend zum Brückentag nach Fronleichnam. Für die EZB soll die Polizei einen freien Zugang gewähren.

Die Protestler berichten von Zeichen, dass sie - wie einst Occupy - von Bürgern der Stadt positive Resonanz bekämen. Es gehe darum, sagt Mareike Garbe, dass mehr Menschen das Gefühl bekämen, dass sie etwas tun könnten. Werner Rätz, der Demo-Veteran, spricht von der Hoffnung, dass "sich langfristig etwas Größeres entwickelt". Ihm fällt ein kühner Vergleich ein. Vielleicht könne Frankfurt zum Kristallisationspunkt für den Protest werden, so wie das Wendland um Gorleben für Atomkraftgegner. Dort wird der Protest von vielen Einheimischen getragen.

Frankfurt, als Wendland des Geldes? Nein, ganz so werde es nie sein. "Aber es könnte doch sein, dass die Stadt so selbstverständlich und stolz, wie sie die Banken beherbergt, auch die Protestbewegung aufnimmt", sagt Rätz. Und deutet damit an, dass auf Frankfurt noch einiges erwartet.

Einen Liveticker zu den Protesten in Frankfurt bietet der Hessische Rundfunk an.