Weihnachtsgeschäft:Der Black Friday zieht nicht mehr

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Weihnachtsgeschäft: Passanten gehen mit Einkaufstaschen an einem Weihnachtsbaum vorbei.

Passanten gehen mit Einkaufstaschen an einem Weihnachtsbaum vorbei.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Einzelhändler zeigen sich enttäuscht vom ersten Adventswochenende, vor allem die in den Innenstädten. Aber auch die Online-Schnäppchentage verfangen nicht mehr so wie früher.

Von Michael Kläsgen

Es sieht ganz so aus, als habe sich da grundsätzlich etwas verschoben. Nicht nur in den Innenstädten, aber vor allem dort. Die Menschen gehen in den Einkaufsstraßen ganz offensichtlich viel seltener shoppen, als sie es früher taten. Sogar vor Weihnachten zieht es sie nicht mehr so stark dorthin. Stefan Genth, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), glaubt den Zeitpunkt genau benennen zu können, als dieser Wandel eintrat: "Mit der Pandemie", sagt er, seien die Kundenfrequenzen eingebrochen und "bis heute haben sich die Besucherzahlen nicht erholt".

Wohl gemerkt, verlief das Weihnachtsgeschäft schon 2021 enttäuschend für viele stationäre Einzelhändler. Allerdings aus ganz anderen Gründen: Vor einem Jahr konnte man Geschäfte nur geimpft, getestet oder genesen betreten und mit Maske, es herrschten 2- oder 3-G-Regeln mit leichten Unterschieden von Bundesland zu Bundesland. Der HDE kritisierte das heftig, weil er die Folgen fürchtete. Inzwischen scheint das alles lang her zu sein.

Trotzdem sind auch jetzt vor Weihnachten viele Händler enttäuscht. Diesmal, weil viele Konsumenten angesichts der hohen Inflation sparen und eben ihre Einkaufsgewohnheiten während der Corona-Pandemie verändert haben. Laut einer HDE-Trendumfrage unter 400 Unternehmen sind 60 Prozent der Innenstadthändler mit den Kundenfrequenzen unzufrieden. Händler für Unterhaltungselektronik, Kosmetik und Lebensmittel ausgenommen. Für den Umsatz insgesamt muss das nicht unbedingt Schlechtes bedeuten. Vor einem Jahr wichen viele Verbraucherinnen und Verbraucher ins Internet aus und bestellten online. Der Gesamtumsatz im Einzelhandel war deswegen 2021 stark im Plus.

Die Lust auf Online-Shopping ist offenbar geringer als im vergangenen Jahr

Doch auch das kann dieses Jahr anders aussehen. Wegen der hohen Inflationsrate kann ein Umsatzplus ein reales Minusgeschäft bedeuten. Und zumindest für die letzten beiden Monate dieses Jahres geht der HDE genau davon aus. Vieles deutet zudem darauf hin, dass die Bundesbürger dieses Jahr nicht im gleichen Ausmaß online einkaufen werden wie 2021. Laut Onlinehandelsverband BEVH waren die Umsätze bereits in den ersten Monaten dieses Jahres rückläufig.

Darüber, wie sehr die Verbraucher die Aktionstage rund um den Black Friday diesmal nutzten, sind die Angaben uneindeutig. Der Finanzdienstleister Mollie will aufgrund seiner Daten gemessen haben, dass die Deutschen bei kleinen und mittelgroßen Onlinehändlern 15 Prozent mehr ausgegeben hätten. Der Informationsdienstleister Experian hingegen fand heraus, dass der diesjährige Black Friday, anders als in den Jahren zuvor, nicht der umsatzstärkste Tag des Jahres im deutschen Online-Handel gewesen sein soll. Grundlage dafür war die Auswertung von 500 000 Transaktionen am Aktionstag. Dabei sei "lediglich" ein Umsatzplus von 156 Prozent gegenüber dem Jahresmittel festgestellt worden, im Vergleich zu einem Zuwachs um 238 Prozent 2021. Laut Experian-Managerin Renate Oldenburg "entzerre" sich das Kaufverhalten. Verbraucherinnen und Verbraucher gäben an den Tagen vor und nach dem Black Friday bei manchen Händlern mehr Geld aus als am Rabatttag selber.

Das Vergleichsportal Idealo stellte in einer Umfrage fest, dass sich viele Verbraucher allerdings über die erzielte Ersparnis an den Schnäppchentagen oft hinwegtäuschen. So gehe die Mehrheit der deutschen Konsumenten davon aus, am Black Friday zwischen elf und 20 Prozent zu sparen. Am Black Friday 2021 habe die durchschnittliche Ersparnis aber tatsächlich bei gerade einmal fünf Prozent gelegen.

Trügerisch könnten die Aktionstage besonders in diesem Jahr aber auch für die Händler sein, gibt Klaus Wohlrabe, Umfragen-Leiter des Ifo-Instituts zu bedenken. Nämlich, wenn sich jetzt viele Verbraucher mit Weihnachtsgeschenken eindecken und dann im Dezember Verzicht üben.

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