Finanzmärkte:Bitcoin steigt auf über 30 000 Dollar

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FILE PHOTO: Representations of virtual currency Bitcoin are seen in this picture illustration

Der Bitcoin ist die bekannteste Cyber-Devise. Inzwischen gibt es mehr als 5000 verschiedene Kryptowährungen.

(Foto: Dado Ruvic/Reuters)

Der Wert der Kryptowährung vervierfacht sich binnen eines Jahres. Skeptiker halten das für einen gefährlichen Hype.

Von Alexander Hagelüken

Falls Satoshi Nakamoto überhaupt existiert, darf er sich freuen: Der Bitcoin kletterte am Wochenende erstmals auf über 30 000 Dollar. Anhänger erwarten weitere Kurssteigerungen der Kryptowährung, die angeblich jemand mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto erfand, dessen Identität bis heute geheim ist. Kritiker wie der Ökonom Peter Bofinger bleiben skeptisch: "Bitcoin sind letztlich genauso wertlos wie Monopoly-Scheine", sagt der langjährige Wirtschaftsweise der Süddeutschen Zeitung.

Die als Reaktion auf die Finanzkrise 2008 gestartete Währung schießt gerade erstaunlich nach oben. Noch vor einem Jahr stand sie bei 7000 Dollar, erst Mitte Dezember überstieg sie die Marke von 20 000. Nun überschlagen sich Optimisten in ihren Prognosen. Die US-Bank Citigroup hält sogar einen Anstieg auf über 300 000 Dollar für möglich.

Bitcoin entstehen abseits von Regierungen und Banken, indem Computer komplexe Rechenoperationen lösen. Der Name Kryptowährung kommt daher, dass Zahlungen kryptografisch verschlüsselt werden, was Fälschungen erschwert. Am Anfang wurde festgelegt, dass bis zum Ende nur 21 Millionen Bitcoin erzeugt werden dürfen, was als Kurstreiber gilt: Anders als bei staatlichen Währungen wie dem Euro sind Bitcoin künstlich knapp. Bei staatlichen Währungen stabilisiert allerdings im Notfall eine Zentralbank den Kurs, während Bitcoin nur von Angebot und Nachfrage abhängen. In der Szene sagt man: Bitcoin können in einem Jahr bei 100 000 Dollar stehen - oder bei null.

Tatsächlich fiel die Kryptowährung etwa 2018 nach einem starken Anstieg auf nur ein Fünftel ihres Werts. Nun haben wieder die Optimisten die Oberhand. "Anziehende Preise sind ein Lockstoff für Privatinvestoren, welche schon länger mit Engagements liebäugelten", so Timo Emden von der gleichnamigen Analysefirma. "An die Risiken verschwenden die Marktteilnehmer keine Gedanken. Der Kursboom nährt sich von nahezu selbst." Schon vor einem Jahrhundert urteilte der Ökonom John Maynard Keynes, selbst ein brillanter Spekulant, bei hochspekulativen Märkten sei es für den Anleger kurzfristig egal, was er selber von einem Produkt halte. Entscheidend sei, ob viele andere Anleger daran glaubten. So lange viele daran glauben, steigt der Kurs. Damit kann es jedoch schnell vorbei sein.

Die jüngste Kursexplosion dürfte damit zu tun haben, dass Investoren frenetisch Alternativen suchen, weil die üblicherweise populären Zinsprodukte seit Längerem nichts abwerfen. So kaufen selbst große Vermögensverwalter wie die US-Versicherung MassMutual die Kryptowährung. Banken empfehlen ihren Kunden angesichts der Kurssprünge den Einstieg, sie legen Fonds auf. Bitcoin kommen im Mainstream an. "Nirgends zeigt sich der Hunger nach riskanten Anlagen so wie bei Kryptowährungen", analysiert das Wall Street Journal. Als besonderer Schub gilt, dass der Zahlungsanbieter Paypal seit November US-Kunden ermöglicht, Kryptowährungen zu kaufen. Bald sollen sie damit auch online shoppen können. Inzwischen gibt es mehr als 5000 verschiedene Kryptowährungen, ihr Marktvolumen beträgt mehr als eine halbe Billion Euro.

"Wenn Bitcoin ins Rutschen kommen, hält sie nichts auf", warnt Bofinger

Auch die Corona-Pandemie treibt den Kurs des Bitcoins, nach wie vor die populärste Kryptowährung. Die Regierungen geben wegen des Konjunktureinbruchs massiv Geld aus. Das erhöht die Schulden und nährt Inflationsängste, weshalb Investoren in vermeintlich stabile Anlagen wie Gold oder eben Bitcoin flüchten. Sobald sich die Wirtschaft wieder erholt und ein Inflationsschub ausbleibt, könnte dies den Krypto-Run wieder stoppen.

Skeptiker erinnert der Hype an die niederländische Tulpenblase des 17. Jahrhunderts. An deren Ende war eine Zwiebel so viel wert wie ein Haus in guter Lage in Amsterdam. Als die Blase platzte, verloren die Spekulanten alles. Viele brachten sich um, sie wurden auf dem "Ellendigenkerkhof" bestattet. "Bitcoin ist Geld der Vergangenheit, nicht der Zukunft", urteilt Hagen Krämer von der Hochschule Karlsruhe. Die künstliche Verknappung sei früher ein Signum von Währungen gewesen, heute jedoch ein Hindernis.

"Bitcoin haben keinen inneren Wert", kritisiert der Ökonom Peter Bofinger. Den Kurs einer Siemens-Aktie etwa stützt das reale Geschäft des Unternehmens. Eine staatliche Währung wird von mehrerlei gestützt. Zum einen von den wirtschaftlichen Transaktionen in der Volkswirtschaft. Dann von ihrer Stellung als gesetzliches Zahlungsmittel. Und schließlich davon, dass die Zentralbank intervenieren kann. "Bei Bitcoin gibt es das alles nicht", warnt Bofinger. "Wenn Bitcoin ins Rutschen kommen, hält sie nichts auf."

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