Stellen Sie sich vor, Sie spielen mit Freunden Monopoly. Sie würfeln, ziehen vor und dann kommen Sie über „Los“. Eigentlich würden Sie nun Geld von der Bank erhalten, doch genau diese gibt es in der Welt der Kryptowährungen nicht. Keine Regierung oder Notenbank soll das ganze Geld kontrollieren – das ist die Idee hinter den digitalen Geldeinheiten, die seit mehr als 15 Jahren immer mehr Menschen nutzen. Getrieben vom Misstrauen gegenüber den Banken und durch die Finanzkrise 2007/2008 erlebte beispielsweise der Bitcoin, die bis heute bekannteste und wertvollste Kryptowährung, einen kometenhaften Anstieg. Der hält bis heute an: Zuletzt war ein Bitcoin mehr als 100 000 US-Dollar wert. Ein neuer Rekordwert, mal wieder. Doch wie funktionieren Kryptowährungen überhaupt?
Kryptowährungen beruhen auf der Blockchain, die man sich wie eine Art großes Kassenbuch vorstellen kann. Wenn Paula zehn Bitcoins an Ben schickt, wird das dort vermerkt. Und wenn Ben dann drei Bitcoins an Tobias schickt, steht auch das in der Blockchain. Gespeichert werden die jeweiligen Transaktionen auf einem sogenannten „Block“. Und weil technisch viele dieser Blocks in einer Kette hintereinanderhängen, spricht man von der „Blockchain“.
Tatsächlich anonym sind Kryptowährungen nicht
Eine Bank, die all die Transaktionen überwacht, gibt es nicht. Stattdessen überprüft sich das System jederzeit selbst. Denn jede Transaktion wird nicht nur einmal festgehalten, sondern tausendfach kopiert. Das heißt, die Transaktion von Ben notiert nicht nur ein Buchhalter, sondern quasi Tausende. So soll eine Transaktion fälschungssicher sein.
Wer nun Kryptowährungen kaufen möchte, kann das auf verschiedene Art und Weise tun. Die wohl einfachste ist es, ein Konto bei einer Kryptobörse anzulegen. Das geht relativ leicht mit einem Ausweis und einem Videotelefonat – ähnlich wie das auch bei der Eröffnung eines Bankkontos läuft. Die Kryptobörsen wissen dadurch theoretisch, wem welches Konto gehört und wie viel Geld dort ein- und ausgeht.
Nach außen hin bleiben Krypto-Nutzer aber anonym. Korrekter wäre allerdings: pseudonym. Denn jeder kann über das Kassenbuch, also die Blockchain, verfolgen, wie viel Geld auf einem Konto eingeht oder von dort abfließt. Doch statt eines Klarnamens sehen andere Krypto-Nutzer nur eine lange Abfolge von Zeichen hinter jedem Konto, ähnlich der IBAN bei Banken. Außer der Börse weiß also niemand, wer die Person dahinter wirklich ist, wie sie heißt oder wo sie ihren Wohnsitz hat. Das macht Kryptowährungen gerade auch bei Kriminellen sehr beliebt, die ihre Identität so verschleiern können.

Exklusiv Cyberbetrug:Krypto ist die Währung der Organisierten Kriminalität
Terrororganisationen wie Hamas und Hisbollah nutzen Coins und Wallets ebenso wie Waffenhändler und Drogenkartelle. Wie Ermittler die Gangster über den Erdball jagen – und dabei schon mal in einem indischen Urlaubsort landen.
Ein Wallet funktioniert wie eine digitale Brieftasche
Ist einmal ein Konto bei einer Kryptobörse eröffnet, lassen sich dort Euro einzahlen und in wenigen Sekunden in Kryptowährungen umtauschen – ganz so, als würde man im Ausland am Flughafen Euro in US-Dollar, Rand oder Yuan tauschen. Heraus bekommt man aber keine echte Währung, sondern Coins. So heißen die Einheiten bei Kryptowährungen deshalb, weil sie eben oft als Münzen (Coins) dargestellt werden. Kaufen nun immer mehr Menschen die gleiche Währung, ist die Nachfrage hoch, und der Wert einer Kryptowährung wie auch der Coins steigt tendenziell. Das macht Kryptowährungen für viele zu einer lukrativen, allerdings sehr spekulativen Anlagemöglichkeit.
Kryptowährungen dienen aber auch als Zahlungsmittel. Einige Hotels und Geschäfte beispielsweise akzeptieren als Bezahlung auch bekannte Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum. In diesem Fall müssen Nutzer die Kryptowährungen vom Konto ihrer Kryptobörse an ein eigenes Wallet überweisen. Ein Wallet ist im Prinzip nichts anderes als eine digitale Geldbörse. Ganz so, als hätte man ein paar Euro im Portemonnaie, nur eben digital, und statt Euro liegen Kryptowährungen im Geldbeutel. Von diesem Wallet gelangt der Kaufbetrag innerhalb weniger Sekunden an den Händler. Alternativ lässt sich auch mit Krypto-Karten von Kryptobörsen bezahlen. Die funktionieren dann genau wie eine Debit- oder Kreditkarte, nur dass die Anbieter im Hintergrund die Kryptowährung in Euro oder Dollar tauschen und an den Händler schicken.
Bleibt am Ende noch ein bisschen Geld in der digitalen Brieftasche übrig, lässt sich das natürlich auch wieder zurücktauschen –beispielsweise in Euro oder US-Dollar. Das funktioniert wie beim ersten Tausch auch schon über die Kryptobörsen. Ein paar Klicks später sind wieder Euro in der digitalen Geldbörse.

