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Bitcoin:Kater für die Kryptos

February 17, 2020, Poland: In this photo illustration a Bitcoin logo seen displayed on a smartphone. Poland PUBLICATION
(Foto: Omar Marques/imago images)

Der Kurs des Bitcoin rutscht plötzlich ab. Andere Digitalwährungen drücken die Stimmung zusätzlich.

Von Victor Gojdka, Frankfurt

Die Kryptowährung Bitcoin macht ihrem Namen alle Ehre, viele ihrer Kurskapriolen bleiben selbst für Experten kryptisch. Auch zum Ende dieser Woche sorgte die Digitaldevise für Aufsehen, als der Kurs nach einer Rekordjagd plötzlich kollabierte. Allein seit Donnerstag sind die Kurse der weltweit wichtigsten Digitalwährung um 13 Prozent in die Tiefe gekracht. "Zu euphorische Anleger, die mit pausenlos steigenden Kursen gerechnet hatten, werden nun eines besseren belehrt", sagt Kryptoexperte Timo Emden vom Analysehaus Emden Research. Denn davor war die Digitalwährung aufgerauscht und sogar dicht bis an ihr einstiges Allzeithoch bei knapp 20 000 Dollar herangeklettert.

Dass der Kurs der Währung nun so schnell kollabierte wie er zuvor aufgestiegen war, hat gleich mehrere Gründe: Zum einen haben manche Anleger in Sichtweite der einstigen Rekordmarke mutmaßlich Angst vor genau solchen Kursturbulenzen bekommen, sich lieber ihre Gewinne gesichert und damit zum Ausverkauf beigetragen. Andererseits war die Stimmung zuvor bereits sehr optimistisch: "Die Risiken und Nebenwirkungen wurden in den vergangenen Tagen ausgeblendet", sagt Marktanalyst Emden. Dazu kommen Sorgen der Anleger vor schärferen Krypto-Gesetzen in den Vereinigten Staaten.

Gleichzeitig sorgte auch die geplante Digitalwährung Libra für Aufsehen, die Facebook maßgeblich vorangetrieben hatte: Bereits im Januar könnte das Digitalgeld starten, berichtet die Financial Times unter Berufung auf drei Quellen. Der genaue Start der Digitalwährung mit Sitz im schweizerischen Genf hänge aber davon ab, ob und wann die dortige Finanzaufsicht Finma ihre Zustimmung gibt.

Anders als bisherige Kryptowährungen soll Libra nicht übermäßig schwanken, sondern eins zu eins an etablierte Währungen wie Dollar, Euro oder den japanischen Yen gekoppelt sein. In der Startphase dürfte das Währungskonsortium laut Financial Times aber erst mal mit nur einer Libra-Variante beginnen, die dem Lauf des Dollar folgt. Noch im Frühjahr hatten die Libra-Macher angekündigt, mehrere Varianten an den Start bringen zu wollen.

An dem Lieblingsprojekt von Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte es immer wieder scharfe Kritik gegeben: Libra könne das weltweite Währungssystem untergraben, fürchteten Finanzpolitiker. Andere Experten sorgten sich vor einer zu großen Macht des Technologiekonzerns Facebook im Finanzwesen. Ursprüngliche Projektpartner wie Vodafone oder Paypal haben sich inzwischen vom Projekt distanziert, aktuelle Förderer wie der Musikstreamingdienst Spotify wollen ebenfalls abwarten. Bei Libra mag dieser Tage auch keine rechte Euphorie aufkommen.

© SZ vom 28.11.2020
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