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Politiker in der Wirtschaft:Das große Abkassieren

Christine Scheel wechselt von der Politik in die Wirtschaft - und setzt damit eine lange Reihe prominenter Beispiele fort. Besonders das frühere Kabinett Schröder tut sich mit lukrativen neuen Jobs hervor. Ein Überblick in Bildern.

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Christine Scheel

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Über viele Jahre war Christine Scheel eine der wichtigsten und bekanntesten Bundestagsabgeordneten der Grünen. Sie stand nicht unbedingt in der allerersten Reihe, aber als Expertin für Finanz- und Wirtschaftsfragen spielte sie in der Partei eine wichtige Rolle. Nun wechselt sie in den Vorstand des Energiekonzerns HSE.

Scheel ist nicht die erste Politikerin, die mit einem Wechsel in die Wirtschaft noch einmal gutes Geld verdient. Ein Überblick in Bildern.

CDU-Landesparteitag

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Kürzlich entschied sich der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus für einen Wechsel zum Pharma- und Chemieunternehmen Merck. Er übernahm dort einen Führungsjob in Brasilien. Es war allerdings kein Engagement von Dauer: Bereits wenige Monate später warf Mappus bei Merck wieder hin. Nach seinen Angaben reagierte er damit auf die Kritik an ihm, weil er als Landeschef zu viel für den Energieversorger EnBW gezahlt haben soll.

Roland Koch

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Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch heuerte als Vorstandschef beim Baukonzern Bilfinger Berger. Für manche Beobachter hat das Engagement ein Geschmäckle, weil Koch als Politiker für die dritte Landebahn des Frankfurter Flughafens kämpfte - ein Projekt, von dem sein neuer Arbeitgeber profitierte. Sein Gehalt soll Schätzungen zufolge 1,5 Millionen Euro betragen.

CDU-Finanzexperte Merz soll WestLB-Verkauf regeln

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Mag sein, dass Friedrich Merz seit seinem Rückzug aus der Politik 2004 in der CDU und in der Unionsfraktion des Bundestags nicht mehr das Ruder in der Hand hat - doch ein wichtiger Akteur blieb er gleichwohl. Er sitzt in mehreren Beiräten, erhielt vom Bankenrettungsfonds Soffin den Auftrag, den Verkauf der WestLB abzuwickeln und war zwischenzeitlich auch noch Chef der Atlantik-Brücke.

Landtagssitzung - Althaus

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Thüringens früherer Ministerpräsident Dieter Althaus arbeitet inzwischen für den Autozulieferer Magna - nachdem er als Politiker 2009 noch eng in die Verhandlungen zur Opel-Übernahme durch Magna eingebunden war. Althaus kümmert sich bei dem österreichisch-kanadischen Unternehmen unter anderem um die Kontakte zu den öffentlichen Stellen in Deutschland.

Bundeskanzlerin Merkel ernennt Staatsminister

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Hildegard Müller (links) hatte eine ganz große politische Karriere vor sich: Sie war Bundesvorsitzende der Jungen Union, Staatsministerin im Kanzleramt - doch dann war's vom einen auf den anderen Tag mit den politischen Ambitionen vorbei. Seit Oktober 2008 ist Müller Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft. Interessant: Auch ihr Parteikollege Norbert Röttgen hatte mal das Angebot, Hauptgeschäftsführer eines großen Verbandes zu werden, in seinem Fall war's der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Doch Röttgen entschied sich für die Politik.

Branchendialog Automobil

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Oftmals ist es bei Politikern, die in die Wirtschaft wechseln so, dass sie für das höhere Einkommen ein Stück an öffentlicher Aufmerksamkeit aufgeben. Beim früheren Verkehrsminister und Schatzmeister der Bundes-CDU, Matthias Wissmann, ist das anders: Seit er 2007 den Posten als oberster Lobbyist der deutschen Automobilbranche übernahm, ist er weiterhin omnipräsent - und reklamiert für sich unter anderem die Abwrackprämie.

Politiker a.D. in ihren neuen Jobs

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Einst Bundeskanzler, nun Aufsichtsratsvorsitzender des deutsch-russischen Gaskonsortiums Nord Stream, das eine Pipeline durch die Ostsee bauen wird. Dafür bekommt Gerhard Schröder eine "Aufwandsentschädigung" von 250.000 Euro jährlich. Das Milliardengeschäft war kurz vor der Bundestagswahl unter seiner Kanzlerschaft vereinbart worden. Außerdem verdingt sich Schröder als Berater beim Schweizer Medienkonzern Ringier und als Mitglied des dreiköpfigen Schlichtungs-Direktoriums des russisch-britischen Ölkonzerns TNK-BP.

Joschka Fischer

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Joschka Fischer, ehemaliger Außenminister und Ziehvater der Grünen - und mittlerweile Berater für alles mögliche: 2009 schloss Fischer einen Vertrag mit den Energieversorgern RWE und OMV, um sie beim geplanten Bau der Nabucco-Pipeline zu beraten. Die Röhre soll Erdgas vom Kaspischen Meer über die Türkei in die EU transportieren. Heikel daran ist, dass Fischer damit zum Lobbykonkurrenten seines einstigen Bosses Gerhard Schröder wurde. Außerdem ist der Alt-Sponti für BMW, Siemens und Rewe als Berater tätig.

Politiker a.D. in ihren neuen Jobs

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Wolfgang Clement hat nicht nur seine Politkarriere hinter sich, sondern auch seine Parteimitgliedschaft. Bis 2008 war er Mitglied der SPD und in höchsten Funktionen politisch aktiv, als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen oder als Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit. Doch dann verkrachte er sich mit seiner Partei, weil die in ihm nur noch einen Energie-Lobbyisten sah. Nicht ganz zu Unrecht, denn Clement saß zu diesem Zeitpunkt im Aufsichtsrat des Energieriesen RWE Power.

Hinzu kommen diverse Aufsichtsratsmandate, unter anderem bei der Versatel AG und dem russischen Beratungsunternehmens Energy Consulting. Besonders kritisiert wurde seine Tätigkeit im Aufsichtsrat des Zeitarbeitsunternehmens  DIS AG, einer Tochter von Adecco, weil er noch als Wirtschaftsminister für gesetzliche Veränderungen zugunsten der Leiharbeit eingetreten war.

Als Verteidiger in seinem Parteiausschlussverfahren hatte Clement einen früheren Kabinettskollegen engagiert, der auch in die Wirtschaft wechselte ...

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... und damit ebenfalls Irritationen auslöste: Otto Schily (links) hat nun Aufsichtsratsämter bei den Firmen Biometric System AG und Safe ID Solutions AG inne. Die eine Firma stellt Geräte zur Iriserkennung her, die andere Geräte für elektronische Ausweise. Das sorgte für Unmut in der SPD, es wurde der Vorwurf erhoben, Schily habe als Bundesinnenminister die Einführung von Ausweisen mit biometrischen Daten forciert und mache nun damit Geschäfte.

Politiker a.D. in ihren neuen Jobs

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Werner Müller, unter Schröder parteiloser Wirtschaftsminister von 1998 bis Oktober 2002, wurde im Juni 2003 Vorstandsvorsitzender der RAG. Seit Herbst 2007 heißt der Mischkonzern Evonik Industries - und ein Jahr nach dem Namen wurde auch der Chef des Konzerns ausgewechselt. Mittlerweile ist Müller Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn. 

Politiker a.D. in ihren neuen Jobs

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Auf einem Wahlplakat der Grünen bekannte sich Rezzo Schlauch mit Strickzeug noch zu den Wurzeln der Partei. Nicht ganz so parteitreu war sein Berufswechsel zum Partner der CSU-nahen Anwaltskanzlei Mayer & Kambli in München und der Posten als Beirat beim Stromversorger EnBW - einem überzeugten Kernkraftwerksbetreiber. Seit 2006 sitzt der 63-Jährige im Aufsichtsrat bei der Leipziger sprd.net AG, der Betreiberin von Spreadshirt. Bevor er in die Energiewirtschaft wechselte, war Rezzo Schlauch von 2002 bis 2005 Parlamentarischer Staatssekretär für den Mittelstand im Wirtschaftsministerium.

Politiker a.D. in ihren neuen Jobs

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Siegmar Mosdorf war in den Schröder-Jahren Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Im Jahr 2002 verabschiedete er sich auf einem offiziellen Briefbogen des Wirtschaftsministeriums von Firmenvertretern - und wies sie gleich auf seinen neuen Job bei einem Unternehmensberater hin: bei der CNC, Communications & Network Consulting AG. Er übernahm dort die Kontakte zu Politik und öffentlichen Körperschaften.

Landesmitgliederversammlung Gruene

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Ungewöhnlich war auch der Weg von Matthias Berninger (im Bild nach seiner Wahl zum hessischen Landesvorsitzenden der Grünen): Ausgerechnet er, der Grüne, und ausgerechnet er, der Parlamentarische Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium, wechselte 2007 zum Nahrungsmittelkonzern Mars Incorporated Europe, der unter anderem Mars, Milky Way und Snickers herstellt.

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Otto Wiesheu war von 1993 bis 2005 Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie. Im Herbst 2005 verhandelte Wiesheu für die CSU die Verkehrspolitik der großen Koalition aus, kurz danach wurde er Vorstand der Bahn. Außerdem vermittelte er zwischen dem AEG-Mutterkonzern Electrolux und der IG Metall, als diese sich wegen der Schließung des AEG-Stammwerks für Haushaltsgeräte in Nürnberg stritten. Inzwischen hat er die Bahn verlassen.

Politiker a.D. in ihren neuen Jobs

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Fleißig, fleißig: Heinz Riesenhuber, 1982 bis 1993 Forschungsminister für die CDU, bekannt als der "Mann mit der Fliege" und immer noch Mitglied des Bundestags, sitzt in etlichen Aufsichts- und anderen Beiräten, unter anderem bei der Altana AG und der Evotec AG.

Politiker a.D. in ihren neuen Jobs

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Martin Bangemann (li.) war 1984 bis 1988 Bundeswirtschaftsminister, danach bis 1999 Mitglied der Europäischen Kommission. Als EU-Kommissar war Bangemann in Brüssel für den Kommunikationsbereich zuständig - dann wurde er Vorstand beim spanischen Konzern Telefónica. Das nahm die EU-Kommission zum Anlass, einen Verhaltenskodex nebst Ethikkommission einzusetzen. Bangemann verließ Telefonica 2001 - von 1999 bis zu seinem Ausscheiden war er allerdings schon beurlaubt.

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Friedrich Bohl, der letzte CDU-Kanzleramtsminister unter Helmut Kohl, wurde kurz nach seinem Ausscheiden 1998 für ein sechsstelliges Honorar zunächst Generalbevollmächtigter, später Vorstand bei der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG). Die engagierte unter anderem auch Helmut Kohl als Beiratsvorsitzenden und Ex-Finanzminister Theo Waigel als Aufsichtsrat.

© sueddeutsche.de/sma/aum/pak

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