Bilanzrisiken Wie beim Wetten auf ein Rennpferd

Ganz so einfach ist es aber nicht. Denn die Billionen sagen wenig aus über die tatsächlichen Risiken. "Die Zahl mag sich erst mal gigantisch anhören, aber sie ist völlig irreführend", ließ sich Risikovorstand Stuart Lewis unlängst zitieren. Der gebürtige Schotte steuert mit weltweit 3600 Mitarbeitern die Risiken der Bank. Gerne vergleicht er den Sachverhalt mit den Risiken beim Wetten auf ein Rennpferd. Wenn man auf ein Pferd 100 Euro setzen würde, das Pferd selbst aber zehn Millionen Euro wert sei, dann würden in der Bilanz zunächst die vollen zehn Millionen verbucht, obwohl der Einsatz nur einen Bruchteil davon beträgt. Das ist nicht unbedingt logisch, aber so wollen es die Regeln.

Blickt man in der Bilanz aber allein auf den Wetteinsatz, sprich die Forderungen der Bank, die auf Derivate zurückgehen, dann ist diese Zahl mit 364 Milliarden Euro deutlich kleiner - und auch das ist nur ein theoretischer Höchstbetrag. Denn die Banken können ihre Derivate-Forderungen untereinander verrechnen, wenn ein Geldhaus umfällt. Seit der Finanzkrise sind solche Vereinbarungen standardisiert. Bei einer Großpleite à la Lehman Brothers soll die Ansteckungsgefahr sinken. Zudem müssen etliche Kunden Sicherheiten bei zentralen Clearingstellen hinterlegen, was das Risiko weiter senkt. Am Ende, so stellt es die Bank dar, bleiben 23 Milliarden Euro, die sie tatsächlich verlieren kann. Es speist sich mehrheitlich aus Derivaten auf Zinsen und Währungen, die vor allem in London oder New York gehandelt werden. Hinter der Hälfte des Derivaterisikos stehen 200 große "Gegenparteien", also in der Regel andere Banken.

Banken und Finanzindustrie Deutsche Bank überweist versehentlich 28 Milliarden Euro
Finanzmarkt

Deutsche Bank überweist versehentlich 28 Milliarden Euro

Die Summe übersteigt den derzeitigen Wert des Unternehmens. Einen finanziellen Schaden gab es nicht. Doch die Panne wirft Fragen nach den Kontrollmechanismen der Bank auf.   Von Meike Schreiber, Frankfurt, und Jan Schmidbauer

Zugutehalten muss man der Deutschen Bank auch, dass sie ihr Versprechen eingelöst hat, die Risiken zurückzufahren: Zwar ist der Betrag 2017 zum Vorjahr um zwei Billionen gestiegen, weil mehr Derivate abgeschlossen wurden. Das bilanzielle Ausfallrisiko sinkt aber von Jahr zu Jahr. Im internationalen Vergleich rangiert man nur noch auf Platz fünf hinter den Wall-Street-Größen. Die Deutsche Bank beteuert, dass sie mit den Derivaten nicht mehr "zockt", dass sie quasi alle einen Kundenbezug haben. Den Eigenhandel habe man eingestellt.

Nur: der Kundenbezug ist schwammig definiert. Wettet die Bank gegen eine andere Bank, könnte das theoretisch auch als Kundenbezug durchgehen. Und: Gemessen am Eigenkapital halten viele Experten das Derivaterisiko trotzdem noch für hoch. Analyst Dieter Hein von Fairesearch sagt: "Es würde die Bank immer noch empfindlich treffen, wenn sie sich zum Beispiel bei der Bewertung auch nur ein wenig vertun würde oder wenn es einen Crash gibt und mehrere große Banken ausfallen."

Oder wenn die Kontrollen versagen. Vergangenen Sommer berichtete Bloomberg über einen Verlust von 60 Millionen Euro im Derivategeschäft der Bank - aus einer einzigen schief gelaufenen Wette auf die US-Inflation. "Es fehlt die Überzeugung, dass die Kontrollmechanismen wirklich greifen, also dass solche Positionen auch hinreichend überwacht und gesteuert werden", sagt Michael Hünseler von der Fondsgesellschaft Assenagon. Auch Hünseler hält das Volumen daher für zu hoch. Ein anderes Risiko aber sei derzeit doch viel größer: Die niedrige Profitabilität der Bank. "Sie verdienen einfach zu wenig und können daher nicht genug investieren, zum Beispiel in die Sicherheit ihrer Systeme."

Der neue Bankchef, er müsse daher schnell zeigen, wo die Bank Kosten sparen, zugleich aber wachsen könne. "Das ist die eigentliche Herausforderung".

Unternehmen Manager können selbst für das Alter vorsorgen

Abfindungen für Führungskräfte

Manager können selbst für das Alter vorsorgen

VW-Chef Matthias Müller und John Cryan von der Deutschen Bank erwarten horrende Abfindungen. Die Empörung ist groß - und das zu Recht. Die Zahlungen müssen endlich gedeckelt werden.   Kommentar von Caspar Busse