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Bezahlverfahren:Und jetzt alle zusammen

Gucken, klicken, zahlen. Viele Käufer nutzen den US-Bezahldienst Paypal. Die deutschen Banken hatten dem bislang wenig entgegenzusetzen.

(Foto: Alamy/Darrin Jenkins/Mauritius Images)

Die deutschen Banken wollen ihre Online-Bezahlverfahren bündeln. Doch die Investitionen waren bislang vergebens.

Man mag von Einkäufen im Internet halten, was man will - eines ist klar: Es ist ein Markt, der seit Jahren rasant wächst. Dem E-Commerce-Verband BEVH zufolge werden die Deutschen allein in diesem Jahr für 72 Milliarden Euro Waren im Internet bestellen, rund elf Prozent mehr als im Vorjahr. Kein Wunder, dass auch alle jene Unternehmen profitieren, welche es den Bürgern ermöglichen, ihre Ware im Internet einfach und sicher zu bezahlen. An den deutschen Banken aber geht der Boom immer noch weitgehend vorbei. Stattdessen verdienen amerikanische Anbieter wie der Bezahlkonzern Paypal oder Kreditkartenfirmen. Die deutschen Institute hingegen sind bislang damit gescheitert, der Konkurrenz mit einem eigenen Online-Bezahlsystem etwas entgegenzusetzen. Zwar haben Sparkassen, Volksbanken und Privatbanken vor drei Jahren mehrere Hundert Millionen Euro in ein Projekt namens Paydirekt gesteckt, gewannen allerdings kaum Marktanteile. Man kam nicht nur zu spät; es wollten auch zu viele Leute mitreden.

Nun unternimmt die deutsche Kreditwirtschaft offensichtlich einen neuen Versuch, das Thema wiederzubeleben. Diesmal soll es der große Wurf sein. Man erwäge, "die bisherigen Lösungen zu einem neuen Verfahren zusammenzufassen", sagte Thomas Ullrich, Vorstand der genossenschaftlichen DZ Bank, der Börsen-Zeitung. Die Bankenverbände würden ihre diversen Nischenangebote zum Bezahlen im Internet nun bündeln. Paydirekt werde es ungeachtet der Erfolglosigkeit weiter geben, es solle aber verbunden werden mit Giropay - das ebenfalls Zahlungen im Netz ermöglicht - sowie mit Kwitt, einer App, mit der man ohne Kontonummer von Handy zu Handy Geld senden kann. Um regulatorische Hürden abzubauen, gebe es Gespräche mit der Bundesbank und dem Bundesfinanzministerium, sagte Ullrich. Es gehe darum, "Erträge für die deutsche Kreditwirtschaft zu sichern". Das Projekt läuft unter dem Namen DK, was für "Digitale Kreditwirtschaft" steht, aber auch für "Deutsche Kreditwirtschaft". Außerdem will man enger mit anderen Banken in Europa kooperieren. Das Thema sei "auf höchster Führungsebene" verankert. "Wir müssen anfangen, global zu denken". Doch haben die deutschen Banken überhaupt noch eine Chance, oder ist der Markt nicht längst verteilt? Schließlich bleiben Kunden einem Bezahlverfahren gerne treu, sobald sie ihre Daten dort eingegeben haben und sich die Sache als halbwegs benutzerfreundlich herausstellt. Bezahlexperten äußerten daher Zweifel an dem Vorhaben. "Sie tappen erneut in die gleiche Falle wie damals bei Paydirekt", schrieb Jochen Siegert, Vorstand der Interbanken-Plattform Traxpay und früher selbst lange beim US-Konkurrenten Paypal, auf Twitter. "Viel Ankündigung und Versprechungen, statt erst einmal ein marktfähiges Produkt zu liefern." Ein anderer Experte monierte, es sei zwar wohl immer noch Zeit für "ein europäisches Paypal". Dafür aber müsse es Händlern so einfach wie möglich gemacht werden, das Bezahlverfahren anzubinden, das habe Paydirekt bislang nicht geschafft. Ein weiterer Insider sagte, die Banken hätten das gemeinsame Bezahlverfahren Giropay längst mit einer Funktion für sofortige Überweisungen, sogenannter Echtzeitzahlungen oder Instant Payment, ausstatten können, herausgekommen wäre dabei ein gutes gemeinsame Bezahlprojekt. Dazu haben man sich indes nicht durchringen können.

Die Bündelung der diversen Verfahren wird nun ohnehin auf sich warten lassen. DZ-Bank-Vorstand Ullrich sprach davon, dass die Sache "sicherlich noch zwei, drei Jahre" brauchen werde. Immerhin: Einem Insider zufolge finden in den drei deutschen Bankenverbänden derzeit Abstimmungen dazu statt. Ende September will die deutsche Kreditwirtschaft, die Dachorganisation der drei Bankenverbände, eine Absichtserklärung unterzeichnen. Im Januar sollen dann Kwitt, Giropay und Paydirekt zusammengelegt werden.

Unklar ist, wie viel Geld die Banken noch investieren müssen, und ob alle Institute dazu bereit sind. Egal, ob kleine Sparkasse oder große Deutsche Bank: Kein Kreditinstitut hat Geld zu verschenken. Eigentlich sollte Paydirekt längst eine Finanzspritze von bis zu 300 Millionen Euro bekommen haben, um den Betrieb zu sichern und weiteres Marketing zu ermöglichen. Darauf aber warten sie bei Paydirekt nun schon seit zwei Jahren.