Bevölkerung - Ingelheim am Rhein:Sirenen, Apps und Cell Brodcast: Warntag im Dezember

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Bevölkerung - Ingelheim am Rhein: Eine junge Frau hält ein Smartphone in der Hand. Foto: Fabian Sommer/dpa/Illustration
Eine junge Frau hält ein Smartphone in der Hand. Foto: Fabian Sommer/dpa/Illustration (Foto: dpa)

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Ingelheim/Mainz (dpa/lrs) - Die Flutkatastrophe mit 135 Toten hat die Notwendigkeit funktionierender Warnungen in Rheinland-Pfalz nach Einschätzung von Brand- und Katastrophenschützern wieder deutlich ins Bewusstsein gerückt. "Seit dem Krieg in der Ukraine gibt es plötzlich auch wieder ein ganz anderes Weltbild", sagte der stellvertretende Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Kreises Mainz-Bingen, Michael Braun, am Montag in Ingelheim. Denn nach dem Kalten Krieg sei keine Gefahr mehr gesehen worden und der Bund habe die Sirenen an die Kommunen übertragen. "Ganz Deutschland will jetzt Sirenen haben, es gibt aber nur drei, vier Anbieter."

Zwar gebe es ein Förderprogramm von Bund und dem Land für neue elektronische Sirenen mit Sprachdurchsagen, aber diese seien bundesweit so gefragt, dass die Preise deutlich gestiegen seien und oft nicht einmal das notwendige Schallgutachten zu bekommen sei. Braun vermisst zudem einen Rahmenvertrag des Landes für die Anschaffung. "Jeder Landkreis und jede Stadt arbeitet für sich selbst."

Sirenen, aber auch Warn-Apps und das neue Warnsystem über Mobilfunk (Cell Broadcast): Gemeinsam mit Bund und Ländern proben die Kreise, Städte und Gemeinden am 8. Dezember ihre Mittel zur Warnung der Bevölkerung. Das digitale Warnsystem Mowas soll von 11.00 Uhr an deutschlandweit getestet werden. Die in den Landkreisen aktiven Sirenen werden in Rheinland-Pfalz von den acht Leitstellen ausgelöst, wie Braun erläuterte. Der Katastrophenschutz des Kreises Mainz-Bingen koordiniert die Warnmittel - wie mobile Sirenen oder Drohnen - auf der Ebene der Verbandsgemeinden und kreisangehörigen Städte.

"Es muss am Ende das Ziel sein, dass jeder Bürger und jede Bürgerin in Deutschland auf mindestens eine Art erreicht wird, sei es durch eine warnende SMS oder App, eine Lautsprecherdurchsage, eine Sirene, eine Information durch die Medien oder auf anderem Wege", sagte Innenminister Michael Ebling (SPD).

Bund und Land hatten den Kreisen und Städten rund 8,7 Millionen Euro für den Kauf von rund 750 neuen elektronischen Sirenen bewilligt. Eine halbe Million Euro stand zudem für den von der Flutkatastrophe getroffenen Kreis Ahrweiler zur Verfügung. Vor wenigen Tagen ist im Ahrtal ein neues Netz mit 85 elektronischen Warnsirenen fertig geworden. Das Fördervolumen sei ausgeschöpft, der Bedarf an Sirenen aber noch nicht abschließend gedeckt, hatte das Innenministerium Anfang September gesagt. "Wir hören aus den Kommunen, dass es ein großes Interesse an der Beschaffung weiterer Sirenen gibt", hieß es im Ministerium.

"Sirenen sind immer noch das Medium, mit dem man alle erreicht", sagte der Leiter der Feuerwehr der Stadt Bingen, Marco Umlauf. Hochwasser, Unfälle mit Gefahrguttransporten auf der Straße, der Bahn und dem Rhein sowie Störfälle bei Chemieunternehmen, nannte er als Beispiele. Damit die Bevölkerung die drei wesentlichen Warntöne verinnerliche, seien weitere bundesweite Warntage sinnvoll.

Der klassische Ton, der die Feuerwehr alarmiere sei ein einminütiger Heulton, der zweimal unterbrochen werde. Der allgemeine Warnton sei dagegen eine Minute lang auf- und absteigend. Er weise daraufhin, sich über das Radio oder Social Media zu informieren, wovor genau gewarnt werde, sagte Umlauf. Entwarnung - der dritte wesentliche Ton - gebe es, wenn ein einminütiger Dauerton zu hören sei.

Der Kreis Mainz-Bingen und seine Kommunen bereiten sich bereits auf den Warntag vor, informieren die Bevölkerung und erproben zusätzlich eigene Warnmittel. Die Durchführung liege aber beim Bund (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe) und den Ländern, heißt es beim Gemeinde- und Städtebund. "Eine besondere Vorbereitung der kommunalen Krisenstäbe ist nicht erforderlich. Es wird sich zeigen, wo, was, wie funktioniert oder auch nicht, damit klar ist, wo nachgebessert werden muss."

Beim ersten bundesweiten Warntag am 10. September 2020 war einiges schief gelaufen. Unter anderem kam die Meldung der Warn-Apps Nina und Katwarn erst mit einer guten halben Stunde Verspätung auf den Smartphones an. Wäre es tatsächlich ein Ernstfall gewesen, hätten viele Bürger nichts mitbekommen. Das Bundesinnenministerium hatte den Probealarm deshalb damals als "fehlgeschlagen" bezeichnet. Ein ursprünglich für September 2021 geplanter Warntag war abgesagt worden. Zur Begründung hieß es damals, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe baue erst noch eine "umfassende Testlandschaft auf".

© dpa-infocom, dpa:221120-99-593626/4

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