VersicherungsschädenWenn der Kollege die Firma beklaut

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Betrug gibt es mit allem Möglichen - auch mit angeblich günstigem Brennholz im Internet.
Betrug gibt es mit allem Möglichen - auch mit angeblich günstigem Brennholz im Internet. Julian Stratenschulte/dpa

Die eigenen Beschäftigten sind für die größten Schäden durch Betrug bei Unternehmen verantwortlich, hat ein Spezialversicherer ermittelt. Die Kontrollen sind lasch und das Vertrauen der Chefs in Mitarbeiter ist groß.

Von Anne-Christin Gröger, Köln

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Er hatte sich acht Sportwagen zugelegt, dazu eine Villa auf Mallorca und ein weiteres Haus in Deutschland. Eigentlich hätte es auffallen müssen, dass da etwas nicht stimmt. Das Gehalt eines 23-jährigen Buchhalters gibt einen solchen Lebensstil normalerweise nicht her. Doch der Betrüger hatte vorgesorgt - er hatte sich bei seinem Arbeitgeber eine Nebentätigkeit als Autotuner genehmigen lassen. So blieb über viele Jahre unentdeckt, dass er in großem Stil Firmengelder in Millionenhöhe veruntreut hatte.

Als Buchhalter hatte der junge Bursche Zugang zu Konten von Tochterunternehmen, die für bestimmte Bauprojekte gegründet worden waren und nach Projektabschluss bestehen blieben. Sie wurden aber nicht mehr regelmäßig überprüft. Er erstellte fiktive Rechnungen und wies Zahlungen an, die er über diese Konten abwickelte. So konnte er sich über die Jahre die schicken Flitzer und die Luxusimmobilie auf der spanischen Insel leisten, die ihm schließlich zum Verhängnis wurde: Weil er den Kaufpreis von vier Millionen Euro in zwei Tranchen überweisen wollte, wurde die Bank misstrauisch - und rief beim Arbeitgeber an.

Ihm entstand insgesamt ein Schaden von über sechs Millionen Euro. "Wir haben zwar die Sachwerte wie Fuhrpark und Immobilien verwertet, aber dennoch entstand ein Restschaden in Millionenhöhe", sagte Rüdiger Kirsch, Betrugsexperte beim Spezialversicherer Allianz Trade.

Wenn Mitarbeiter Firmeneigentum stehlen oder Gelder abzweigen, kann der finanzielle Verlust hoch sein. Wenn ein Unternehmen eine Vertrauensschadenversicherung hat, deckt der Versicherer einen Teil davon.

Solche Policen greifen bei Schäden, die betrügerische Mitarbeiter oder Externe am Unternehmen verursachen, indem sie Gelder veruntreuen oder Firmeneigentum stehlen. Etwa sieben Prozent aller deutschen Unternehmen haben derzeit eine Versicherung, schätzt Kirsch.

Eine aktuelle Auswertung der Schadenstatistik von Allianz Trade, einem der größten Anbieter von Vertrauensschadenversicherungen zeigt: Die gefährlichste Bedrohung kommt nach wie vor aus dem eigenen Haus. Es sind die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit 57 Prozent für die meisten und mit rund 70 Prozent für die größten Schäden verantwortlich sind. "Die schwarzen Schafe in den eigenen Reihen richten mit vermeintlichen Alltagsdelikten wie Betrug, Untreue oder auch Diebstahl und Unterschlagung nach wie vor die größten Schäden an", sagte Kirsch.

Betroffen sind Unternehmen aller Branchen und Größen. Doch: Im Mittelstand und bei kleineren und mittelgroßen Firmen kommen Betrügereien häufiger vor. Hier fließen hohe Summen, gleichzeitig fehlen die Kontrollen, sagte Kirsch. In vielen Familienunternehmen bestehen private Verbindungen, der Kollege ist Pate der Kinder oder man kennt sich aus der Kirchengemeinde. "Wir hören oft in den Gesprächen mit den Chefs: Meine Mitarbeiter machen so was nicht", berichtete der Experte. Das ist aber genau der Fehler. "Vertrauen ist gut, aber es muss seine Grenzen haben. Vor allem ersetzt es keine Kontrollmechanismen."

Die Täter kommen aus allen Hierarchieebenen und sind unabhängig vom Geschlecht zu finden. Die größten Schäden verursachen jedoch männliche Täter im Alter zwischen 40 und Mitte 50, gebildet, in gehobener oder leitender Position im Finanzwesen mit mindestens zehn Jahren Betriebszugehörigkeit. "Sie schlagen zwar seltener zu, aber dann in die Vollen: Sie kennen alle Lücken in den Kontrollsystemen und besitzen durch die langjährige Zugehörigkeit ein entsprechendes Vertrauen von Kollegen und Chefs. Dabei hilft ihnen meist auch ihr freundliches und respektvolles Auftreten - sie sind oft auffällig unauffällig und geraten bei Verdachtsmomenten selten sofort in den Fokus."

Die Motive für kriminelles Verhalten sind vielfältig. Spielsucht und der Hang zu einem luxuriösen Lebensstil sind jedoch die Hauptbeweggründe, warum Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Firmenkasse greifen. Kirsch berichtete von einem Beschäftigten, der sich Maßanzüge im Wert von insgesamt 700 000 Euro anfertigen ließ und einer Frau, die 800 Paar Schuhe hortete. Für die Aufbewahrung der Schuhe hatte sie eine eigene Wohnung angemietet.

Es geht um Habsucht und Geldgier, wie etwa bei der Vorarbeiterin in einer Krankenhausküche. Sie hatte sich über 15 Jahre eine Bande aus Komplizen aufgebaut, mit deren Hilfe sie die Klinik leer räumte: Putzmittel, Lebensmittel, Geschirr - alles, was nicht niet- und nagelfest war, schafften die Gauner aus dem Haus und verkauften es nach Südosteuropa.

Durch den österreichischen Zoll kamen sie unbemerkt, weil die Tochter der Frau sich dort eine Stelle verschafft und zu den entsprechenden Durchfahrtzeiten Dienst hatte. Und weil sie gleichzeitig mit dem Küchenchef eine Liebschaft pflegte, war jeder Mitarbeiter, der misstrauisch nachfragte, schnell seinen Job los.

Firmen, die zu lasche Kontrollen pflegen, müssen neben den finanziellen Verlusten auch mit erheblichen Haftungsrisiken rechnen, und zwar nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Chefs, warnte Stefan Steinkühler, selbständiger Jurist und Experte für Versicherungsrecht, Managerhaftung und Haftungsrecht. "Wer im Unternehmen entscheidet, haftet."

Wenn es Führungskräfte ihren Untergebenen zu leicht machen und es unterlassen haben, notwendige Vorsorgemaßnahmen und Absicherungsmechanismen einzurichten, können auch sie zur Verantwortung gezogen werden. "Wer seinen Laden nicht im Griff hat, muss dafür geradestehen, schlimmstenfalls mit dem eigenen Privatvermögen", sagte Steinkühler. Geschäftsführer haben deshalb oft eine Managerhaftpflichtpolice, die sie dagegen schützt. Steinkühler plädiert für Schutzmechanismen. Das kann die Einrichtung des Vier-Augen-Prinzips sein. Auch ein wirkungsvolles Compliance-System oder eine Whistleblower-Hotline helfen.

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