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Betriebsrenten:Allianz schließt Kasse

Der Allianz-Konzern hat die Presse-Pensionskasse für das Neugeschäft geschlossen. Sie ist Teil der Allianz Pensionskasse. Grund sind niedrige Zinsen.

Von Herbert Fromme, Köln

Presseunternehmen können ihre betriebliche Altersversorgung nicht mehr über die Presse-Pensionskasse organisieren. Das teilte die Presseversorgung, die von der Allianz geführt wird, den betroffenen Unternehmen in den vergangenen Tagen mit. Ab dem 1. Oktober 2020 dürfen Firmen neue Mitarbeiter, für die sie eine betriebliche Altersversorgung abschließen wollen, nicht mehr bei der Presse-Pensionskasse anmelden, die Teil der Allianz Pensionskasse (APK) ist. Als Begründung nennt der Versicherer die niedrigen Zinsen. Unternehmen aus dem Pressebereich sollen für neue Mitarbeiter stattdessen eine Lebensversicherung in Gestalt einer sogenannten Direktversicherung kaufen. Auf die rund 20 000 Zeitungsjournalisten, die im tarifvertraglich vereinbarten Presseversorgungswerk bei Allianz, HDI, Axa und R+V abgesichert sind, wirkt sich die Entscheidung nicht aus. Für bestehende Kunden der Pensionskasse ändert sich durch die Schließung zunächst wenig. Kurzfristig kann sich die Ertragslage der Pensionskasse sogar verbessern, weil Vertriebskosten wegfallen. Doch bei geschlossenen Beständen von Lebensversicherungen und bei Pensionskassen steigen langfristig fast immer die Verwaltungskosten pro Kunde, wenn keine neuen Kunden nachkommen und andere wegen Tod ausscheiden. Ein IT-System kostet ähnlich viel, ob es für die Verwaltung von 800 000 Kunden oder von 80 000 Kunden gebraucht wird. Ein Sprecher wollte SZ-Informationen nicht bestätigen, dass die Allianz nicht nur den Presseteil für das Neugeschäft stilllegt, sondern die gesamte Allianz Pensionskasse. Davon sei ihm nichts bekannt. Allerdings: Wenn die Pensionskasse für Presseunternehmen und ihre Mitarbeiter nach Ansicht des Versicherers keinen Sinn mehr macht, stellt sich die Frage, warum Firmen aus anderen Branchen sie weiter nutzen sollten. Auch das wollte der Sprecher nicht beantworten. Mit der Schließung zumindest eines Teils der Pensionskasse für neue Verträge reagiert auch der Marktführer Allianz auf die allgemeine Krise dieser Organisationen. Vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass Versicherer aus dem Sparkassenlager und die Deka zusammen 280 Millionen Euro aufbringen müssen, um die Sparkassen Pensionskasse zu stützen. Die Allianz Pensionskasse versichert nicht die Mitarbeiter des Versicherers, sondern die Angestellten von kleinen und mittelgroßen Unternehmen, denen der Konzern diese Lösung für die betriebliche Altersversorgung verkauft hat. Viele solcher offenen Pensionskassen sind 2002 und 2003 gegründet worden. Damals war der Anspruch aller Angestellten auf eine betriebliche Altersversorgung durch eine sogenannte Entgeltumwandlung gesetzlich festgelegt worden. Doch der Anfangsboom der offenen Pensionskassen ist schon lange vorbei.

Die Allianz Pensionskasse ist mit 816 000 Beitragszahlern eine der größten offenen Pensionskassen in Deutschland. Aktuell beziehen 32 000 Rentner dort eine Betriebsrente. Sie erhalten zusammen 36,5 Millionen Euro im Jahr. Das heißt, die Zusatzrente liegt im Schnitt knapp unter 100 Euro im Monat.

Die Allianz Pensionskasse erzielte 2019 Beitragseinnahmen von 630 Millionen Euro. Davon stammten rund 4 Millionen Euro aus der Presse-Pensionskasse. Wie schlecht die Pensionskasse dasteht, zeigen die Verzinsungen für neue Verträge. Wer heute bei der APK einen Vertrag abschließt, kann mit einer Gesamtverzinsung von 0,9 Prozent bis 1,2 Prozent auf den Sparanteil rechnen. Die Allianz Lebensversicherung gibt dagegen eine Gesamtverzinsung bis zu 3,7 Prozent an.

Der Hintergrund: Die Allianz Leben hat ältere Anlagebestände, die höhere Zinsen abwerfen oder stärker im Wert gestiegen sind. Viel wichtiger aber ist, dass ein Lebensversicherer auch Geschäfte mit Risiko-Policen und der Berufsunfähigkeit macht, die lukrativer sind. Die Pensionskasse dagegen hat nur ein einziges Angebot: die private Betriebsrente. Das bedeutet auch, dass die Pensionskasse vergleichsweise viel Kapital braucht. Das dürfte der Allianz nicht passen, deshalb will sie Neugeschäft künftig auf den Lebensversicherer verschieben.

© SZ vom 21.08.2020
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