Bestes Quartal aller Zeiten:Fünf Gründe für Apples märchenhaften Erfolg

  • Noch nie hat ein Unternehmen in einem Quartal so viel Geld verdient wie Apple zwischen Oktober und Dezember 2014.
  • Der Gewinn betrug 18 Milliarden US-Dollar Gewinn.
  • Besonders das Geschäft mit dem iPhone lief blendend, Apple verbuchte fast 75 Millionen verkaufte Smartphones.
  • Verantwortlich für den Erfolg sind vor allem fünf Gründe.

Analyse von Helmut Martin-Jung

Fast 75 Millionen verkaufte Smartphones, 18 Milliarden US-Dollar Gewinn - noch nie zuvor in der Wirtschaftsgeschichte hat ein Unternehmen in einem Quartal so viel Geld verdient wie Apple, nicht einmal ein Energiekonzern. Warum ist ausgerechnet die Firma aus Cupertino, Kalifornien, so erfolgreich, während Konkurrenten wie der einstige Gigant Nokia oder der Pionier Motorola ums Überleben kämpfen müssen? Die fünf wichtigsten Gründe.

Die Nutzer haben das Wort

Apple hat wie keine andere Firma ein Gespür dafür entwickelt, was die Nutzer ihrer Geräte wirklich wollen. Das klingt einfacher, als es in der Praxis ist, und es gilt vor allem, wenn es um neue Fähigkeiten geht. "Wenn ich die Leute gefragt habe, was sie sich wünschten, sagten sie: schnellere Pferde", erzählte einst der Auto-Pionier Henry Ford.

Der wahre Wunsch war also, schneller voranzukommen. Nur wie, das konnten sich die Befragten nicht vorstellen. Was die Menschen mit einem Smartphone alles gerne machen würden und besonders wie das am besten funktionieren würde, das hat niemand so gut vorhergesehen und umgesetzt wie Apple. Alles, was sich heute Smartphone nennt, ist grosso modo ein Nachahmerprodukt dieser 2007 präsentierten Idee.

Aber Apple zehrt nicht bloß von diesem Vorsprung. Neue Merkmale wie etwa Fingerabdrucksensor oder Zeitlupen-Kamera erhöhen den Bedienungskomfort und machen dazu auch noch Spaß. Auch wenn viele befürchtet hatten, der als Legende verehrte Mitgründer Steve Jobs sei für Apple nicht zu ersetzen: Dass sein Nachfolger Tim Cook nicht so ein Egomane ist wie sein Vorgänger, könnte sich sogar als Vorteil erweisen. Interessant wird dabei vor allem sein, wie Apples erste neue Produktkategorie seit langem, die Computeruhr Apple Watch, bei den Kunden ankommt.

Lifestyle statt PS-Protzen

Bei den stark ritualisierten Präsentationen von Apple geht es nur sehr selten darum, was man in der Autobranche PS-Protzen nennen würde. Oft gibt Apple nicht einmal bekannt, welche Bauteile genau in seinen Geräten stecken, wie viel Megahertz hier und Gigabyte dort das möglich machen, was die Kunden so gerne tun: Ihre Apps benutzen, Fotos schießen und Videos aufzeichnen. Das trägt einerseits zur Mystifizierung bei, lockt andererseits Firmen an, die genau das erforschen - und so wieder Apple im Gespräch halten.

Es trifft aber andererseits auch eine verbreitete Stimmung, die da lautet: Ist doch egal, wie die das machen, wichtig ist, dass es funktioniert. Man will tun, was man mit einem Smartphone tun will, und will sich dabei sehen lassen können. Solange Apple bei seinen Kunden das Gefühl erzeugen kann, mit einem iPhone lasse sich alles mindestens so gut und leicht erledigen wie mit einem Modell der Konkurrenz, solange sie als Statussymbole ihren Wert haben, werden sich iPhones weiter erfolgreich verkaufen.

Design, Qualität - und goldener Käfig

Designed in California

Apples Smartphones gehören zu den teuersten auf dem Markt, durchschnittlich 687 Dollar bezahlten Kunden im vergangenen Quartal für ein neues iPhone. Sie sind Objekte der Begierde, gelten als "das Echte", während Konkurrenten als Nachahmer gesehen werden. Doch gefertigt werden die Handys in denselben Fabriken von Foxconn in China, über deren Fließbänder auch die Geräte der Konkurrenz laufen.

Die Herstellungskosten unterscheiden sich also nur wenig, die Arbeitsbedingungen auch. Besonders Apple geriet deswegen stark in die Kritik, hat auch einiges unternommen. Das ändert aber nichts daran: iPhones werden zu kaum höheren Kosten produziert als Konkurrenzprodukte, aber zu weit höheren Preisen verkauft. Apple nutzt zudem auch viele Möglichkeiten, Steuern zu sparen.

Der goldene Käfig

Wie kommt Musik auf ein iPhone? Man kauft sie online im Apple-Store, lädt sie via Apples Programm iTunes von einem Computer aufs iPhone oder man bucht Speicherplatz bei Apple, lagert die gesamte digitalisierte Musiksammlung dort und greift übers Internet darauf zu. Der Speicher im iPhone wird zu klein? Pech gehabt - nachträgliche Erweiterung unmöglich. Also lieber gleich mehr Speicher nehmen, denken sich viele Kunden. Doch das ist unverhältnismäßig teuer. Während Speicherkarten zum nachträglichen Einstecken sehr günstig zu haben sind, verlangt Apple für mehr Speicher in derselben Größe ein Vielfaches.

All dies läuft auf dasselbe hinaus: Apple möchte, dass die Nutzer das Apple-Universum so wenig verlassen wie nur möglich und will bei möglichst vielen Erweiterungen mitverdienen. Wer dem folgt, wird damit belohnt, dass innerhalb des goldenen Käfigs alles komfortabel verfügbar ist (wenn man von der hoffnungslos überladenen iTunes-Software absieht). Doch das alles hat seinen Preis - und der ist stets hoch.

Die Qualität stimmt

Wer benutzt schon heute noch ein fast fünf Jahre altes Android-Smartphone? Kaum jemand. Wenn es nicht ohnehin längst defekt ist, liegt es meist irgendwo nutzlos herum. Es ist technisch hoffnungslos überholt. Updates für das Betriebssystem? Gibt es seit Jahren nicht mehr. iPhones dieses Alters dagegen sind noch bei vielen in Gebrauch. Nicht dass nicht auch Apple Probleme hätte: etwa mit den zwei Bedienknöpfen oder dass das Glas vor dem Bildschirm zersplittert, wenn das Handy ungünstig fällt oder wenn es nass wird. Aber viele iPhones halten doch erstaunlich lange durch. Und die jüngste Betriebs-Software lässt sich immerhin noch auf das iPhone 4s aus dem Jahr 2011 einspielen.

Apple kann das leisten, weil die Firma sowohl Hard- und Software kontrolliert, die Konkurrenten dürfen allenfalls aufhübschen, was sie von Google kriegen (Android) oder aber haben Mühe, die richtige Strategie für ihre Mobilsparte zu finden (Windows). Gerade bei ihrer Software hat Apple auch nicht immer ein glückliches Händchen. Der Kartendienst etwa ging so gründlich daneben, dass Firmenchef Cook dazu aufrufen musste, die App des Konkurrenten Google zu nutzen. Beim jüngsten Betriebssystem, iOS 8, legte ein fehlerhaftes Update sogar Geräte lahm.

Trotzdem gilt: Auch für ein vier Jahre altes iPhone bekommt man noch immer einen guten Preis, ein ebenso altes Android-Handy wird man dagegen kaum noch los.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB