Bestechungsskandal Faurecia-Chef Lévi tritt zurück

Deutsche Ermittler werfen Pierre Lévi vor, jahrelang von den Schmiergeldzahlungen an Autokonzerne gewusst zu haben. Dieser zieht daraus nun die Konsequenz.

Der Chef des französischen Autozulieferers Faurecia, Pierre Lévi, ist am Mittwochabend wegen seiner Verwicklung in die Schmiergeldaffäre der deutschen Autoindustrie zurückgetreten. Das teilte Faurecia, einer der weltweit größten Zulieferer, nach einer außerordentlichen Sitzung des Verwaltungsrats in Paris mit.

Lévi hatte vor der deutschen Staatsanwaltschaft gestanden, seit 2001 von den Schmiergeldzahlungen an mehrere Autokonzerne gewusst zu haben. Die Frankfurter und Münchner Staatsanwaltschaften ermitteln gegen ihn wegen des Verdachts auf Beihilfe zur Bestechung.

Lévi deckte Schmiergeldzahlungen

Der 51-jährige Lévi, der 1999 zu Faurecia kam und den Konzern mit seinen gut 60.000 Mitarbeitern seit 2000 führt, deckte nach Angaben der Ermittler jahrelang Schmiergeldzahlungen seines Unternehmens an Mitarbeiter von Autoherstellern, um Aufträge für Faurecia zu sichern. Faurecia gehört zu 70 Prozent zum französischen Autokonzern PSA Peugeot Citroën.

An PSA-Chef Jean-Martin Folz, der an der Verwaltungsratssitzung teilnahm, hatte VW-Chef Bernd Pischetsrieder in der vergangenen Woche einen Brief geschrieben, in dem er die Zusammenarbeit mit Faurecia aufkündigte.

Volkswagen ist einer der Hauptkunden der Franzosen. Die VW-Aufträge machen etwa ein Fünftel des Umsatzes von Faurecia aus. Im Visier der Justizbehörden sind Branchenkreisen zufolge neben dem französischen Unternehmen, dem US-Zulieferer Lear und Grammer auch drei mittelständische Firmen aus Deutschland und Österreich. Faurecia ist vor allem als Hersteller von Rußpartikelfiltern bekannt, baut aber auch Autositze und Innenverkleidungen.

Nach bisherigen Ermittlungen sind in die Affäre mindestens elf Zulieferer weltweit und die Hersteller Volkswagen, Audi und BMW verstrickt. Ob auch noch andere Hersteller in Mitleidenschaft gezogen sind, ließ die Staatsanwaltschaft bislang offen. Andeutungen zufolge könnte auch die spanische VW-Tochter Seat betroffen sein.

Möbel, Urlaubsreisen, Jobs

Ermittelt wird gegen 20 Beschuldigte. Sie sollen Bargeld in Höhe sechsstelliger Summen pro Jahr an Einkäufer der Autokonzerne gezahlt haben, um Aufträge zu ergattern. Außerdem seien Möbel, Urlaubsreisen und Jobs, zum Beispiel für eine Freundin eines Beschuldigten, zur Verfügung gestellt worden.

Die Justizbehörden betrachten die bisher bekannten Fälle nicht isoliert. "Es liegt der Verdacht nahe, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern dass ähnlich wie in der Baubranche, auch in der Autoindustrie Schmiergeldzahlungen an der Tagesordnung sind und stillschweigend geduldet werden", sagte Staatsanwältin Sybille Gottwald.

Faurecia mit seinen gut 10.000 Mitarbeitern in Deutschland wirft die Staatsanwaltschaft vor, seit 1998 Schmiergelder im Umfang von zuletzt 600.000 bis 800.000 Euro jährlich gezahlt zu haben. Im Gegenzug soll der Zulieferer bei der Auftragsvergabe bevorzugt worden sein.

Nachfolger von Lévi wird vorübergehend Finanzchef Frank Imbert, bis im September ein neuer Vorstandschef gewählt wird.