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Bertelsman:Neue Heimat für Stephen King: Bertelsmann übernimmt Simon & Schuster

Stephen King in München, 2013

Ein gutes Geschäft für Simon & Schuster: Die Romane des Erfolgsautors Stephen King haben eine Millionenauflage.

(Foto: Florian Peljak)

Bertelsmann erwirbt für mehr als zwei Milliarden Dollar den Verlag Simon & Schuster mit vielen bekannten Autoren - und baut damit seine Stellung als weltweit größter Buchverlag aus.

Von Caspar Busse, München

Hillary Clinton, John Irving, Stephen King, Bob Woodward: Viele der Autoren, die der Buchverlag Simon & Schuster unter Vertrag hat, sind weltweit bekannt, manche sind sogar Kult - und sie sorgen für ziemlich gute Geschäfte. Künftig werden die Gewinne nach Deutschland, genauer gesagt nach Gütersloh, fließen. Denn Bertelsmann wird mit seiner New Yorker Tochter Penguin Random House das Traditionsunternehmen, gegründet 1924 von Richard Simon und Lincoln Schuster, kaufen und dafür 2,175 Milliarden Dollar zahlen. Das Medienunternehmen Viacom-CBS hatte bereits im Sommer angekündigt, sich von der Verlagstochter trennen zu wollen. Simon & Schuster hat nicht nur viele bekannte Titel im Programm, es ist auch einer der fünf großen Buchverleger der USA und beschäftigt weltweit rund 1500 Menschen. 2019 lag der Umsatz bei mehr als 800 Millionen Dollar.

Der Erwerb von Simon & Schuster ist durchaus ein Coup für Bertelsmann. Angeblich waren auch die News-Corp-Tochter Harper-Collins und die französische Mediengruppe Vivendi interessiert. Bertelsmann entrichte den Kaufpreis "in bar aus vorhandenen liquiden Finanzmitteln", teilte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe mit. Simon & Schuster soll als eigene Verlagseinheit unter dem Dach von Penguin Random House weitergeführt werden, Unternehmenschef Jonathan Karp werde im Amt bleiben, hieß es.

Zu Penguin Random House gehören bereits rund 320 eigenständige Buchverlage auf sechs Kontinenten mit mehr als 15 000 Neuerscheinungen und mehr als 600 Millionen verkauften Büchern im Jahr. Es sei "ein weiterer strategischer Meilenstein zur Stärkung unserer globalen Inhaltegeschäfte", sagte Rabe. Das Buchgeschäft sei für Bertelsmann "identitätsstiftend seit Gründung des C. Bertelsmann Verlags vor mehr als 185 Jahren" und habe bis heute nichts von seiner Attraktivität verloren. Verhandelt wurde mehrere Monate.

John Irving bei Lesung in München, 2016

Der US-amerikanische Autor John Irving, hier bei einer Lesung in München, ist bei Simon & Schuster unter Vertrag.

(Foto: Florian Peljak)

Die New Yorker Bertelsmann-Tochter Penguin Random House ist schon jetzt der mit Abstand größte Buchverlag der Welt. In der vergangenen Woche erst wurden die Memoiren des früheren US-Präsidenten Barack Obama "A Promised Land" auf den Markt gebracht, in 25 Sprachen, mit überall einheitlichem Cover und begleitet von einer gewaltigen Marketingkampagne. Es wird erwartet, dass das Buch ein weltweiter Bestseller wird. Schon die Erinnerungen seiner Frau Michelle mit dem Titel "Becoming" haben sich bisher weltweit mehr als 13 Millionen Mal verkauft. Das Buch von Barack Obama, der erste von zwei geplanten Teilen, ging in den ersten Tagen bereits sehr gut.

"Die Menschen wollen lesen, lernen, unterhalten werden."

Das Buchgeschäft insgesamt ist derzeit einer der großen Wachstumstreiber bei Bertelsmann. Gerade in der Corona-Pandemie verkauften sich Bücher, ob in gedruckter Form, als E-Book oder als Hörbuch, gut, sagte zuletzt Markus Dohle, der Chef von Penguin Random House. Für die USA gelte dies besonders. "Die Menschen wollen lesen, lernen, unterhalten werden - und sie wollen flüchten in die Welt der Geschichten, gerade in Krisenzeiten", sagte er Mitte Oktober in einem SZ-Interview. Simon & Schuster sei "ein hervorragend geführtes und überaus attraktives Unternehmen", meinte er jetzt. Und: Man werden dem Verlag auch in Zukunft "ein Maximum an kreativer und unternehmerischer Freiheit" geben.

Bertelsmann - Bilanz-Pk

Markus Dohle ist seit 2008 Chef von Penguin Random House. Er stammt aus dem Sauerland und hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert.

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Der Deutsche Markus Dohle, der vorher bei Bertelsmann in Gütersloh arbeitete, führt Penguin Random House seit 2008. In seiner Amtszeit fusionierte Random House mit Penguin. Zunächst war Bertelsmann Mehrheitsgesellschafter des neuen Großverlags, kaufte dann aber immer weiter zu. Seit Anfang des Jahres gehört das Unternehmen zu 100 Prozent zu Bertelsmann.

Dohle schuf in den vergangenen Jahren im Hintergrund eine Art Verlagsfabrik, die alle zentralen Aufgaben erledigt und auch sehr auf E-Books und Hörbücher setzt. Nach außen behielten die jeweilige Verlage aber ihren eigenen und individuellen Auftritt. Mit diesem Modell, das von manchen auch als zu kommerziell für den Buchmarkt kritisiert wird, warb Bertelsmann um den Zuschlag bei Simon & Schuster, offenbar mit Erfolg. Die Transaktion soll im Laufe des Jahres 2021 abgeschlossen werden, hieß es.

Ein großer Teil der anderen Bertelsmann-Geschäfte hat derzeit zu kämpfen. Die RTL-Gruppe und das Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr (Stern, Brigitte) leiden unter der Zurückhaltung der Werbetreibenden. Die Musiktochter BMG ist zwar erfolgreich, aber vergleichsweise klein. Die Hälfte der amerikanischen Erstauflage der Obama-Erinnerungen wurde übrigens bei der Bertelsmann-Tochter Mohn Media in Gütersloh gedruckt, die Bücher gingen dann in mehr als 100 Containern per Schiff in die USA.

Simon & Schuster gehörte seit 1994 zu Viacom-CBS, mehr als 80 Prozent des Umsatzes wird in den USA gemacht. Der Verlag hat nach der Gründung vor 96 Jahren als einer der ersten in der Branche massives Marketing für seine Bücher betrieben. Als erster Verlag hat Simon & Schuster in den USA auch den Buchhändlern angeboten, nicht verkaufte Bücher wieder zurück zu nehmen. 1939 wurde der erste Taschenbuchverlag in den USA gegründet.

Mit dem Verkauf von Simon & Schuster sind nun große Teile der US-Buchbranche in deutscher Hand. Zu Bertelsmann gehört Penguin Random House mit mehreren US-Verlagen. Die Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck wiederum besitzt bekannte Verlage wie Macmillan und Henry Holt und verlegt auch viele Bestseller. Der Marktanteil von Penguin Random House in den USA wird auf etwa 24 Prozent geschätzt, der von Simon & Schuster auf neun Prozent. Kartellprobleme erwartet Bertelsmann aber trotzdem nicht. Man müsse berücksichtigen, dass der Online-Händler Amazon eine immer größere Rolle auf dem Buchmarkt spiele, hieß es.

© SZ/kit
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