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Bertelsmann:Umbau belastet

Sonderbelastungen lassen den Gewinn des Medienkonzerns um ein Drittel schrumpfen. Vorstandschef Rabe erwartet weitere "harte Jahre". Die zunehmende Digitalisierung macht dem Konzern zu schaffen.

Von Caspar Busse, Berlin

Die Hauptstadtrepräsentanz des Medienunternehmens Bertelsmann in Berlin hat die schöne Adresse "Unter den Linden 1". Doch die Umgebung ist eine riesige Baustelle. Vor der Tür wird gerade die Straße für eine neue U-Bahn aufgegraben. Gegenüber entsteht der Rohbau des Berliner Schlosses. Und nebenan wird die Staatsoper grundlegend saniert.

Da passt es, dass auch Bertelsmann noch immer einer großen Baustelle gleicht. Ganze Bereiche wie die Buchklubs werden gerade eingedampft, andere wie die Druckaktivitäten saniert. Das Fernsehgeschäft RTL oder die Buchverlage haben mit der zunehmenden Digitalisierung zu kämpfen. Und daneben sollen ganz neue Sparten wie der Bildungsbereich entstehen. "Wir sind auf dem richtigen Weg. Für mich ist wichtig, dass die Reiserichtung stimmt", sagte Konzernchef Thomas Rabe, 49, am Dienstag in Berlin bei der Bilanzpräsentation. Aber der Konzernumbau ist teuer. Während Umsatz und das operative Ergebnis 2014 auf die höchsten Werte seit sieben Jahren stiegen, brach der Überschuss um 35 Prozent auf 573 Millionen Euro ein. Grund dafür sind Sonderbelastungen in Höhe von mehr als 600 Millionen Euro durch den Umbau, etwa bei Arvato oder den Buchklubs, durch das Sparprogramm bei der Zeitschriftentochter Gruner + Jahr sowie durch Probleme von RTL in Ungarn.

Seit 2012 seien bereits große Fortschritte gemacht worden, betonte Rabe. Trotzdem sei erst etwa die Hälfte des Weges geschafft. "Wir haben noch harte Jahre vor uns", sagte der Vorstandsvorsitzende, der seit 2012 im Amt ist und davor lange für die Finanzen zuständig war. Für 2015 erwartet er weniger Belastungen und deshalb ein wieder deutlich steigendes Ergebnis. Die Eigentümer von Bertelsmann erhalten für 2014 erneut eine Ausschüttung von 180 Millionen Euro. Das größte Medienunternehmen Europas ist in Besitz der Familie Mohn und der Mohn-Stiftung,

Schwer tun sich Rabe und seine Kollegen nach wie vor mit dem geplanten Wachstum. 2014 erhöhte sich der Umsatz um gut drei Prozent auf 16,7 Milliarden Euro, vor allem durch Zukäufe. Organisch, also aus eigener Kraft, erhöhte sich das Volumen dagegen nicht, sondern reduzierte sich sogar um ein Prozent. Rabe will in zwei bis vier Jahren den Umsatz auf etwa 20 Milliarden Euro steigern, wie genau, ließ er aber offen. Sein Vorgänger Hartmut Ostrowski hatte sogar einmal 30 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Hoffnungen setzt der Konzern auf den Aufbau eines Bildungsgeschäftes, dazu wurde am Dienstag eine weitere Akquisition verkündet.

Besonders erfreulich läuft derzeit das Buchgeschäft. Der US-Verlag Random-House mit Sitz in de New York, mit Abstand größter Publikumsverlag der Welt, steigert 2014 Umsatz und Gewinn. "Wir hatten ein erfolgreiches Jahr", sagte Verlagschef Markus Dohle. Weltweit werden zwei Millionen digitale und gedruckte Bücher verkauft - am Tag. Random-House hatte vor zwei Jahren mit Penguin fusioniert. Seitdem hält Bertelsmann 53 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen, 47 Prozent liegen beim Pearson-Verlag. Im Oktober könnten die Briten erstmals ihren Anteil Bertelsmann andienen. Noch sei es nicht so weit, aber man werde sich dann damit beschäftigen, sagte Rabe.

© SZ vom 01.04.2015

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